Das Christkind erzählt: Heiligabend im Lammertal

 

Heiligabend – jedes Land, jede Gegend, jede Familie hat eigene Traditionen diesen besonderen Tag zu begehen.

 

Der 24. Dezember trägt auch den Namen „Heiligabend“. Am Abend dieses außergewöhnlichen Tages geht der Advent zu Ende. Die Weihnachtszeit beginnt. Es ist ein Tag voller Stille, Spannung und freudiger Erwartung, so auch im Lammertal im Salzburger Land. Gemeinsam mit dem Christkind tauchen wir ein, in einen traditionellen Heiligabend bei einer Familie im Lammertal.

Weiße Weihnachten im Lammertal (c)Martina Gappmaier
Weiße Weihnachten im Lammertal (c)Martina Gappmaier

 

Heiligabend – frühmorgens im Lammertal

„Der Heiligabend ist für viele Menschen ein ganz besonderer Tag. Im verschneiten Lammertal wird am frühen Morgen des 24. Dezembers zur Rorate geladen. Deswegen machen sich die Menschen dort in der Dunkelheit auf den Weg in die Kirche. In dem nur durch Kerzenschein erhellten Gotteshaus feiern sie gemeinsam Gottesdienst. Die Menschen genießen diese besondere, sehr andächtige Stimmung. Auch wenn sich der ein oder andere ein Gähnen nicht unterdrücken kann.“, erzählt das Christkind lächelnd.

Morgendämmerung im Lammertal (c)Martina Gappmaier
Morgendämmerung im Lammertal (c)Martina Gappmaier

Krippe und Christbaum

„Am Vormittag des Heiligabends stellen die Familien in ihren Wohnungen die Krippe auf. Mit dem Stall und den Figuren bilden sie die Weihnachtsgeschichte mit der Geburt Christi nach. Liebevoll wird eine Figur nach der anderen an ihren Platz gestellt. Hin und wieder kommt auch die Heißklebepistole oder der Holzleim zum Einsatz. Doch die kleinen Reparaturen sind meist schnell erledigt. Auch die kleine Anna und ihr Bruder Paul helfen ihren Eltern beim Aufbauen der Krippe. Die Kinder nehmen die Figuren behutsam in ihre kleinen Hände. Der kleine Paul schiebt Ochs, Esel und die Schafe im Anhänger seines Spielzeugtraktors noch einige Runden durchs Wohnzimmer. Währenddessen sucht seine Schwester sämtliche Spielzeugtiere in ihrem Kinderzimmer zusammen. Schließlich gehören in einen Stall ja auch Kühe, Pferde, Hühner und Hasen. Zwischendurch huscht der Blick der Kinder immer wieder in Richtung Himmel. Zu gerne würden sie – zumindest einen klitzekleinen – Blick auf mich werfen.“, berichtet das Christkind schmunzelnd. „Während die Kinder mit der Krippe spielen, trägt der Vater den Tannenbaum ins Haus. Nun aber Husch, hinaus aus dem Wohnzimmer! Die Vorhänge werden zugezogen und die Tür wird sorgsam verschlossen. Schließlich soll ja kein geheimer Blick ins Weihnachtszimmer die Überraschung verderben.“

Würstelsuppe an Heiligabend

„Bei Paul und Anna, wie bei vielen anderen Lammertaler Familien, köchelt schon seit Mittag eine köstliche Rindsuppe auf dem Herd in der Küche vor sich hin. Diese wird am Abend des 24. Dezembers im Lammertal traditionell mit Mettenwürstel und meist auch mit Suppennudeln serviert. Diese Mettenwürstel sind eine echte Weihnachts-Spezialität des Salzburger Landes. Es sind frische, weiße Würstel, die beim Kauf noch roh sind. Erst zu Hause werden sie gebrüht. Hergestellt werden sie erst kurz vor Weihnachten. Das Essen einer Würstelsuppe an Heiligabend hat in Salzburg eine lange Tradition. Der Advent, mit einschließlich dem 24. Dezember war früher für die Menschen eine strenge Fastenzeit.“, erinnert sich das Christkind „Erst nach der Christmette an Heiligabend wurde dieses strenge Fasten mit der Mettenwürstelsuppe beendet. Für die Menschen war das damals ein richtiges Festessen. Aber auch heutzutage freuen sich viele Menschen im Lammertal auf ihre traditionellen Mettenwürstel am Abend des Heiligabends.“

Rindsuppe für den Abend (c)Martina Gappmaier
Rindsuppe für den Abend (c)Martina Gappmaier

Gemeinsames Singen und Beten

„Während das ganze Haus nach einer Mischung aus Weihrauch und Rindsuppe duftet, werden die Kinder in die Badewanne gesetzt. Frisch gebadet, gekämmt und mit dem Sonntagsgewand herausgeputzt geht es zu den Großeltern. Dort werden am Adventkranz noch einmal alle vier Kerzen angezündet. Gemeinsam wird gebetet, gesungen und musiziert.“ Das Christkind sagt lächelnd: „Das gefällt mir natürlich besonders gut. Aber auch die Menschen genießen diese harmonische Stimmung. Bevor die Familie zur Kindermette aufbricht, singen alle noch einmal inbrünstig ‚Es wird scho glei dumpa‘. Inzwischen können Anna und Paul es kaum noch erwarten, dass endlich das Christkind kommt. Doch noch müssen sie sich gedulden.“

Adventkranz (c)Martina Gappmaier
Adventkranz (c)Martina Gappmaier

Schutz und Segen

„Auf dem Heimweg von der Kindermette ist es schon dämmrig. Suchend schauen die Kinder in den dunkelgefärbten Himmel. Zum Gruß lasse ich ein paar Sterne aufblitzen.“, berichtet das Christkind. „‚Das Christkind! Das Christkind!‘, freuen sich die Kinder. Der Heiligabend gehört zu den Raunächten. Deswegen heizt der Vater zu Hause ein Kohlestück an. Sobald die Kohle weiß glüht, kommt sie in eine Rauchpfanne. Die Kinder dürfen etwas Weihrauch draufstreuen. Sofort breitet sich der harzige Geruch im Raum aus. Der Vater nimmt die Rauchpfanne. Eines der Kinder hält eine Schale mit Weihrauch in seinen Händen. So kann immer wieder frischer Weihrauch auf die Kohle gelegt werden. Die Mutter trägt ein Glas, das mit Weihwasser gefüllt ist. Im Wasser steckt ein kleiner Tannenzweig. Die Großmutter beginnt den Rosenkranz vor zu beten, als der Vater sich mit der Rauchpfanne in Bewegung setzt. Die restliche Familie folgt ihm. So ziehen sie betend durch das ganze Haus. Die Mutter besprengt die Räume mit Weihwasser. Vom Keller bis zum Dachboden, kein Raum wird ausgelassen. Auch im Stall, in der Holzhütte, in der Garage und in das Auto wird geräuchert. Das Schlechte soll ausgeräuchert werden, um Platz für Positives zu machen. Die Familie bittet so um Schutz und Segen.“

Rauchpfanne mit Weihrauch (c)Sylvia Schober
Rauchpfanne mit Weihrauch (c)Sylvia Schober

Kurz vor der Bescherung

„Zurück in der Küche setzt sich die Familie an den Küchentisch. Der Großvater fragt die Kinder: ‚Wisst ihr, was die Menschen sich erzählen? Alle Tiere sollen in der Heiligen Nacht sprechen können. Sie sollen in dieser Nacht die Ereignisse des nächsten Jahres vorhersagen können.‘ Vater und Mutter decken währenddessen den Tisch. Die Rindsuppe mit den Mettenwürstel wird aufgetragen. Anna und Paul rutschen nervös auf der Bank hin und her. Eigentlich haben sie gar keine Zeit zum Essen. Das Christkind soll doch endlich kommen! Aber die Erwachsenen scheinen sich extra viel Zeit beim Genuss ihrer Suppe zu lassen. ‚Alles aufessen!‘, mahnt der Großvater. ‚In einer Raunacht muss der Teller leer gegessen werden. Sonst droht Unheil!‘ Das ist mein Einsatz.“, berichtet das Christkind. „Gemeinsam mit meinen Weihnachtsengeln begebe ich mich ins Weihnachtszimmer. Der Christbaum muss geschmückt und die Geschenke für die Familie unter den Baum gelegt werden. In der Küche ist bei den Kindern die Spannung inzwischen ins Unermessliche gestiegen. Schließlich können sie jetzt hin und wieder ein himmlisches Glöckchen aus dem Weihnachtszimmer hören.“

Warten aufs Christkind (c)Martina Gappmaier
Warten aufs Christkind (c)Martina Gappmaier

Eine schöne Bescherung

„Aber erst, wenn das Christkindlglöckchen dreimal klingelt, darf das Weihnachtszimmer betreten werden.“, erklärt das Christkind. „Meine Engel und ich ziehen uns zurück. Die Mutter öffnet die Tür einen kleinen Spalt und spitzelt ins Zimmer. Als sie den Christbaum in strahlendendem Kerzenschein erblickt, lächelt sie. ‚Das Christkind war da!‘, flüstert sie ihren Kindern freudig zu. Das muss sie nicht zweimal sagen. Die Kinder stürmen in den Raum und stehen staunend vor dem Christbaum. Das Kerzenlicht spiegelt sich in ihren Augen. Die Wangen sind vor Aufregung rot gefärbt. Die kleine Anna greift nach einem Päckchen am Boden. ‚Noch nicht!‘, rügt sie ihr Bruder Paul. ‚Du weißt doch, zuerst müssen wir noch ein Lied singen.‘ Der Vater stimmt mit der Gitarre ‚Stille Nacht‘ an. Andächtig fängt die Familie zu singen an. Als der letzte Ton des Liedes verklungen ist, werden die Geschenke verteilt. Die Kinder sitzen inmitten der Päckchen und strahlen vor Freude.“