Bike & Hike – der neue Trend

Was ist Bike & Hike? Man nehme ein Rad, fahre damit auf ausgewiesenen Mountainbikestrecken auf den Berg, lasse das Rad am Ende der Tour stehen und wandere dann noch weiter zu einem Gipfel oder einem besonders schönen Logenplatz in der Natur. So weit die Fakten. Noch bis vor Kurzem konnte ich persönlich nicht viel damit anfangen. Ich wandere gerne, die Almen rund um Annaberg-Lungötz sind einfach zu schön. Aber mit dem Rad auf den Berg? Nein danke! Das funktioniert nun wirklich nicht, viel zu anstrengend.

Auf dem E-Bike die Natur erkunden

Nun gibt es aber in Annaberg-Lungötz das Hike- und Bikecenter bei der Talstation der Donnerkogelbahn in Astauwinkel, das nigelnagelneue Bikes UND E-Bikes anbietet. Die Räder können entweder für eine geführte Tour gebucht werden, Gäste mit Gästekarte von Annaberg-Lungötz steht zudem wöchtenlich eine kostenlos geführte Tour zur Verfügung. Oder aber man macht sich auf eigene Faust auf den Weg. Und das probiere ich nun einmal aus.

Kleines E-Bike 1×1

Ich habe bei Sabrina zwei Räder reserviert. Mein Mann ist eigentlich ein echter Sportler, aber auf das E-Bike ist auch er richtig neugierig. Was für eine Freude: Während mein Mann ein fades schwarzes Bike in Empfang nimmt, steht für mich ein himmelblaues parat. Sabrina weist uns in die „Kunst des E-Bikes“ ein: „Die Akkus sind voll geladen, ihr könnt mit einem Klick am Lenker-Display den E-Betrieb dazuschalten. Mit Plus und Minus steuert ihr die verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Turbo gibt ordentlich Gas, aber bedenkt, dass damit der Akku am wenigsten lange hält.“ Besorgt erkundige ich mich, ob ich das angepeilte Ziel, die Mahdalm wohl mit dem Akku schaffen kann. Sabrina beruhigt mich: „Das schaffst du ganz leicht.“

Mehr Power!

Beim Aufsitzen merke ich, dass der Sattel erfreulich bequem ist. Schon surren wir mit der ECO-Stufe, also die erste Stufe, die man zum normalen Radeln dazuschalten kann, in Richtung Alm. Ganz ehrlich, mir kommen gleich beim ersten Anstieg furchtbare Zweifel: „Mit einem normalen Bike schaffe ich die Strecke nie im Leben. So viel Power kann der Akku gar nicht hergeben, dass ich das packe.“ Ich schalte dennoch tapfer in die nächste Stufe und gewöhne mich allmählich an mein Bike. Mein Mann hat einen Riesenspaß mit seinem „Spielzeug“ und spurtet richtig los. Nein, ich teile mir lieber meine Kräfte – und den Akku – ein und lasse mich nicht zu einer übermütigen Verfolgungsfahrt verführen. Den ersten Teilabschnitt der Strecke vom Bikecenter bis zum Alpendorf kenne ich mit meinem ganz normalen Rad. Ich muss da schon mal zwischendurch absteigen und schnaufen, jetzt radle ich problemlos. Danach geht es in den Wald hinein. Der Weg wird ziemlich steinig und ich muss mich zwar konzentrieren, fahre aber locker drüber hinweg. Am Waldboden geht es dann gemütlich dahin, ich kann es gar nicht fassen, dass ich neben meinem Mann radle und mit ihm ratschen kann!

Wir surren bergwärts

Kehre um Kehre fahren wir auf der asphaltierten Straße, die ich normalerweise mit dem Auto benutze, Richtung Parkplatz Mauerreith. Ein kurzer, ängstlicher Blick auf das Display, ein Balken ist bereits weniger… Vom Parkplatz geht es für mich immer zu Fuß auf die Alm, heute flitze ich an den Autos vorbei – bis zum Schranken. Während sich mein Mann daneben gekonnt „durchfädelt“, steige ich lieber ab und gehe daran vorbei. Jetzt aber weiter! Ich habe allmählich wirklich eine Riesenfreude mit meinem Bike. Das gibt es doch gar nicht, ich fahre und fahre! Zwar spüre ich die steile Forststraße in den Beinen, aber ich pack die Strecke locker auf dem E-Bike. Sogar, als wir ein paar bekannte Wanderer überholen, kann ich ihnen übermütig winken und ein „Hallo!“ entgegenrufen. Ich finde wirklich Gefallen an meinem hübschen blauen E-Bike! Die Strecke ist gut ausgebaut, dennoch befindet sich an manchen Stellen sehr grobes Gestein. Kein Problem für mich und mein surrendes Rad. Nur bei dem Gedanken, auf dieser Straße auch wieder hinunterzufahren, lässt bei mir für einen Augenblick ein mulmiges Gefühl aufkommen…

Nach dem Bike kommt das Hike

Wir haben es geschafft! Nach rund 50 Minuten und nur zwei Striche weniger am Akku, erspähe ich die Mahdalm, zu Fuß wäre ich noch einige Zeit unterwegs. Ich bin echt glücklich, ich hab es geschafft! Und noch dazu bin ich keinesweg völlig fertig oben zusammengebrochen, sondern wir nehmen noch das letzte Stück von der Alm hinauf auf den Mahdriedl zu Fuß in Angriff. Schließlich probieren wir ja Bike & Hike. Der Mahdriedl ist ein echter Logenplatz mit Rundumblick auf die herrliche Bergwelt von Gosaukamm mit der markanten Bischofsmütze, bis hinüber zu den niederen und hohen Tauern und auf der anderen Seite bis hinaus zum Untersberg, kurz vor der Stadt Salzburg. Als wir uns im „Gipfelbuch“ eintragen, bekommen wir ein paar neugierige Zuseher. Die Kühe denken wohl, wir haben etwas Gutes für sie. Apropos, auch für uns wird es Zeit auf etwas Gutes und so treten wir den Hike zur Mahdalm an.

Gipfelbier und Zwetschenkuchen

Maria und Schurl begrüßen und vor der Hütte, wir erzählen ihnen von unserem „Experiment“. Das ist das Stichwort für Maria: „Ich habe genau das richtige nach so einem Bike & Hike“, meint sie und bringt uns eine besondere Flasche. Es ist ein Weißbier als Spezialabfüllung, genannt „Gipfelbier“ und am Etikett ist sogar die Bischofsmütze abgebildet – perfekt! Ein guter Kaffee und Maria´s selbst gemachter Kuchen haben dann auch noch Platz, bevor wir uns auf die Abfahrt vorbereiten.

Von nun an geht´s bergab …

Nachdem wir die Alm verlassen haben, wird es eng für mich. Wie komme ich da bloß runter? Ehrlich, es ist mir viel zu steinig, viel zu steil. Ich überlege gerade, ob es mir peinlich genug wäre, das Rad hinunterzuschieben, da fällt mir ein, dass Sabrina erwähnt hat, dass die Scheibenbremsen das locker aushalten. Ich bremse und hätte am liebsten gar nicht mehr damit aufgehört. Mein Mann ermahnt mich: „Nur nicht zu langsam, das ist viel schlimmer in den Kurven, als mit ein bisschen Schwung über die Steine zu fahren.“ Haha, er hat leicht reden, an so etwas ist er ja mit seinem normalen Mountainbike gewöhnt. Ich halte mich an seinen Rat, auch eher das Gewicht in die Mitte zu verlagern. Kurve um Kurve zittere ich mich talwärts. Ich gebe zu, das Hinauffahren war super, aber momentan bin ich total überfordert. Ein paar Wanderer kommen uns entgegen, jetzt ist mir mein Bremsen doch peinlich, ich lockere den Griff. Und tatsächlich: ich komme mit dem Schwung viel besser um die Kurve. Nach und nach gewöhne ich mich an die steinige Straße, fahre nicht mehr so verkrampft. Beim Unterdürrmoos lockere ich meine Handgelenke, bevor wir nun Richtung Lungötz weiterfahren. Kurz vor dem Gasthaus Schichlreit erreichen wir wieder die asphaltierte Straße.

davAbschied von der Alm (c)Sylvia Schober

Mit voller Power zurück zum Start

Dort wird es nun zu einem echten Vergnügen, nach Lungötz zu brausen. Von dort geht es am Radweg weiter nach Annaberg und dann in Richtung Astauwinkel. Hier steigt die Straße ein letztes Mal, ist uns aber völlig egal, schließlich sind noch drei Striche am Display und übermütig stellen wir auf „volle Power“. Mit dieser Akkuleistung schaffen wir es locker bis zum Bikecenter und zischen in Höchstgeschwindigkeit hinein. Geschafft! Ich war tatsächlich heute mit dem Bike auf der Alm! Ich kann es noch gar nicht fassen und bin wirklich überglücklich! Wir geben die Räder wieder bei Sabrina ab – der Akku ist immer noch nicht leer. Am Nachhauseweg bin in in Gedanken schon bei der nächsten Tour. Was packen wir an?

Lust bekommen, Bike & Hike auch einmal zu probieren oder eine geführte Bike-Tour zu erleben? Dann meldet euch doch einfach an! Mein Mann hat übrigens das perfekte Outfit für so ein sportliches Erlebnis, made in Annaberg, by Martini sportswear.

Hier geht´s zum (E)-Bike Verleih Freeride Alpin:

Aufgewachsen im Salzburger Land, hat es mich in meiner Jugend vorerst in die weite Welt gezogen. Nach Aufenthalten in London, Rom und der Türkei zog es mich wieder in die Heimat zurück. Ich denke, gerade den Erfahrungen und Erlebnissen aus dieser Zeit, verdanke ich nun den Blick für die wundervollen Plätze, Traditionen und Eigenheiten, die es auch daheim gibt und über die ich gerne im Blog berichte.
Der Spruch „dort wohnen, wo andere Urlaub machen“, trifft voll auf mich zu. Wann immer es geht, zieht es mich in die Natur. Dabei muss es für mich keine hochalpine Tour sein, eine gemütliche Wanderung auf eine der vielen bewirtschafteten Almen in unserer Region genügt oft aus, um den Blick weit schweifen zu lassen, um dann wieder zu mir selber zurück zu finden.
Im Winter teile ich die Leidenschaft Skifahren mit dem aktuell besten Skifahrer der Welt, wenn ich auch nicht so professionell über die Pisten der Skiregion Dachstein-West düse, wie er. Marcel Hirscher aus Annaberg hat es geschafft, fünfmal in Folge den Gesamtweltcupsieg zu erringen und ich bin stolz auf den wohl berühmtesten Sohn des Ortes.

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