Oafach so

oafach amoi a Bleame schenkn
oafach so
oafach amoi vazeihn
oafach so
oafach amoi a liaba Blick
oafach so
oafach amoi in Arm umitoa
oafach amoi nix sagn
oafach so
so oafach iss

Lisbeth Ebner

 

Von unseren Stammgästen bekomme ich oft zu hören, dass der Abtenauer Dialekt so charmant und melodisch klingt. Sie fühlen sich sofort wohl, wenn sie mit einem herzlichen „Griaß di..“ willkommen geheißen werden… ein Ankommen in einer zweiten kleinen Heimat.

Ein ganz besonderes Erlebnis ist es für sie, wenn sie beim besinnlichen Adventabend im Hotel den Geschichten und Gedichten von Mathilde Kapfinger lauschen dürfen. Mathilde ist Mitglied des Tennengauer Mundartkreises, der sich ganz der Sprache seiner Heimat verschrieben hat
… und von diesem möchte ich euch nun berichten:

Der Tennengauer Mundartkreis

Der Tennengauer Mundartkreis ist eine kunterbunte, fröhliche Gruppe und besteht aus 8 Tennengauer Damen: Lisbeth Ebner, Christine Essl, Mathilde Kapfinger, Ursula Pernhofer, Else Primetzhofer, Erika Rettenbacher, Maria Ronacher und Ehrentraud Signitzer… und einem „Ausländer“ – Lorenz Heiß aus Berchtesgaden. Sie kommen aus allen Lebensbereichen: Lehrerinnen, Bäuerinnen, Angestellte,… inzwischen alles Pensionisten.

Zusammengefunden haben die „Mundartschaffenden“ über den Arbeitskreis „Regionale Sprache und Literatur“ des Salzburger Bildungswerkes. Während der vielen Fortbildungsseminare und Workshops (hauptsächlich in St. Koloman) hat sich eine herzliche Freundschaft entwickelt und so wurde die Idee einer fixen Gruppe, die sich regelmäßig zum Gedankenaustausch trifft, geboren.

Seit nun schon über 20 Jahren lädt einmal im Monat eines der Mitglieder zum gemeinsamen Treffen im lockeren, privaten Kreis ein. Früher bei sich zuhause, in letzter Zeit meist in einem Gasthaus.
Der Gastgeber gibt ein Thema vor und als „Hausübung“ bringt jeder seine Texte, die er/sie dazu vorbereitet hat, mit.

Die Arbeiten werden vorgelesen und von den Kollegen kommentiert. Es wird diskutiert, kritisiert und korrigiert. Mit ehrlicher, einfühlsamer, kritischer, aber nie verurteilender oder verletzender, behutsam unterstützender Resonanz hat man so die Möglichkeit seine Texte aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und die Qualität des Geschriebenen zu steigern.
So entwickelt sich die Gruppe stetig weiter – gemeinsam und jeder individuell.

Regelmäßige, gemeinsame Ausflüge dürfen natürlich auch nicht fehlen.

 

Fast alle haben schon eigene Bücher und Gedichtbände herausgegeben – es gibt auch ein Gemeinschaftswerk das Buch „Dahoam im Tennengau“ (leider ist es bereits vergriffen). Live kann man die Autoren auf verschiedensten Veranstaltungen erleben wie zum Beispiel Adventlesungen, Weihnachts- und  Muttertagsfeiern, Konzerten und diversen Festen, wo sie eingeladen werden um ihre Texte vorzutragen.

Neben den zahlreichen Projekten der einzelnen Gruppenmitglieder gibt es des Öfteren gemeinsame, öffentliche Lesungen, wie zum Beispiel die „St. Kolomaner Mundartroas“, die von Radio Salzburg aufgezeichnet und übertragen wird.

 

 

Ich habe etwas in den Büchern geschmökert und ein paar Werke für euch herausgesucht:

 

Glöcki-Nacht

Finsta und kalt,
zottig da Wald,
eisig da Steg,
vawaht is da Weg.

Wann ma nixi mehr siacht,
zoagt des funkelnde Liacht
vo de Stern uns den Weg
üban eisigna Steg.

Else Primetzhofer

 

Auf Kathrein zua.

A schena Hiagst, is wia a gschenkta Summa.
Dö druckad Hitz is nochand uma,

dös Birg zan greiffn noh und rein,
zu koana Zeit kunnts schena sein.

Dö Luft a Woihtot , würzig, kloar
an leichta Föhnwind streicht durchs Hoar.

Rundum dö Bama wechsln d´Foab
um jed´s Blattl wos foit, is ma eiwendig load.

Inzwischn hot d´Sunn ihr Kroft verlorn,
da Newö hängt eina – und koit is woarn.

Koan Vogl hörst singa, s´Herbstgoid verblosst,
ko über d´Nocht sei, das da Hiagst uns verlosst.

A Joahr ziaght an Kroas – auf Kathrein geht’s gö zua,
gonz staad liegan d´ Felder und ois kimmt zua Ruah.

Weard neama long dauern, bis die erst Kerzn brennt
donn schliaßt sih da Kroas und s´Joahr geht zu End.

Mathilde Kapfinger

 

Herbstgfüh

Kunnt ih den heintign Tog
mit seiner gonzn Foarbmprocht speichern,
kam ih mit dem Leuchtn übern Winter,
hätt ön Duft va reifö Öpfö in da Nosn,
Kastanien und Voglbia glongatn ois Schmuck,
hörat s Wossa staad über d Stoana riesln,
sahat dö Bei va Blüah zu Blüah suachn,
gspürat net die Kötn in meiner Eckn,
ah wonn da Nebö dö Bergspitzn eihüht
und a koita Wind trockne Blattln treibt.

Mathilde Kapfinger

 

Interessante Websites zum Thema Mundart:

Blog-Beitrag “So wird gred bei uns”

Die Salzburger Mundartfibel

Online-Wörterbuch mit Hörbeispielen

Wikipedia im Dialekt

 

Ausflugstipps:

Im Land Salzburg haben sich 2 Archive der Bewahrung regionaler Mundarten verschrieben:

  • St. Koloman: das August Rettenbacher Mundartarchiv
  • Niedernsill: das Tauriska Mundart Archiv

Der Taugler Mundartkreuzweg (leichte Wanderung, ca. 3 km)

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