Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche

Pucher Palmesel in der Pfarrkirche Puch
Pucher Palmesel in der Pfarrkirche Puch

Und der Tennengau bietet mit dem Pucher Palmesel eine Besonderheit in ganz Österreich. Doch jetzt einmal von Anfang an! Die Karwoche – von Palmsonntag bis Karsamstag – erinnert an das Leiden Jesu. Bis Ostersonntag finden zahlreiche Feierlichkeiten dazu in Salzburg statt. Bis zur Auferstehungsfeier am Karsamstag gibt es viele besondere Bräuche im Tennengau, wie das Palmbuschen-Tragen oder das Karfreitag-Ratschen im Salzburger Land.

Am Palmsonntag gedenken die Christen an den Einzug Jesus in Jerusalem. Vor 2.000 Jahren haben die jubelnden Leute mit Palmzweigen den Weg zur Huldigung ausgelegt. Seit dem 6. Jahrhundert werden in unserer Gegend anstatt den Palmzweigen traditionell Palmbuschen gebunden und zur Festprozession ausgetragen. Bei uns in Puch bei Hallein wird jedes Jahr am Palmsonntag der über 400 Jahre alte, holzgeschnitzte Palmesel von vier Burschen des örtlichen Trachtenvereins D´Puachstoana durch den Ort getragen. Dieser kirchliche Brauch war früher in vielen Orten in Österreich üblich und ist einzigartig im Salzburger Land.

Die Geschichte vom Pucher Palmesel

Aber was ist der Pucher Palmesel genau und woher kommt er? Der Palmesel besteht aus einer Christusgestalt die 77 cm hoch ist und einem Esel mit 88 cm Höhe und 138 cm Länge. Die stattliche Figur entspricht etwa drei Viertel der natürlichen Größe und trägt zu Pamsonntag ein festliches Gewand. Die vier Palmesel-Träger –  Markus, Philipp, Josef und Hubert vom Trachtenverein D´Puachstoana – vermuten, dass „die gesamte Figur sicherlich um die 100 kg hat„. Da kommt man schon ganz schön ins schwitzen. Besonders wenn auch noch der Wind etwas stärker weht oder die Sonne direkt auf einem herunter strahlt.

Der Pucher Palmesel ist neben einem zweiten Holzesel in Thaur in Tirol mittlerweile der Letzte jener einst im Mittelalter so beliebten österlichen Prozessionsfiguren, mit denen man dem nicht lesenden Volk die Bibelgeschichten näher bringen wollte. In der Aufklärung waren die volkstümlichen Figuren plötzlich verpönt. Erzbischof Hieronymus Colloredo ließ diese Palmesel-Prozessionen daher 1785 verbieten und alle Palmesel im Land mussten vernichtet werden. Der Pucher Esel, der ursprünglich aus Hallein stammen dürfte, wurde daher in den Fluss geworfen. Die Pucher haben den Esel damals jedoch mit dem segnendem Christus aus der Salzach gezogen. Danach hat man ihn geborgen und versteckte den aus dem 17. Jahrhundert stammenden Palmesel beim Kollerbauern im Stall bis er an der Prozession wieder teilnehmen durfte.

Pucher Palmesel im Glockenhaus in der Pfarre Puch (c) Helga Spilka
Pucher Palmesel im Glockenhaus in der Pfarre Puch (c) Helga Spilka

Nochmals verstecken musste er sich während des Nationalsozialismus. Seit dem 19. Jahrhundert wird der Palmesel wieder in einer feierlichen Prozession durch den Ort getragen. Dieser Brauch ist einzigartig im SalzburgerLand und erfreut sich großer Beliebtheit. Die wechselvolle Geschichte sieht man der Holzstatue kaum an: Mit Zaumzeug aus Kaurimuscheln und einem immer wieder erneuerten Mantel für die Christusfigur hat er mittlerweile im Glockenturm der Pfarrkirche Puch Unterschlupf gefunden, wo der Esel das gesamte Jahr beim Kircheneingang hindurch bewundert werden kann, bis er am Palmsonntag wieder seinen großen Auftritt hat.

Die Prozession durch Puch

Die Ministranten ziehen mit dem Herrn Pfarrer aus der Kirche aus, das Kreuz geht voran und dahinter folgen die vier Puachstoana-Burschen mit dem hölzernen Palmesel. Die Palmbuschenweihe wird im Freien vor dem Gasthof Zum Kirchenwirt abgehalten, wo schon hunderte Kinder und Erwachsene aus Puch warten.

Nach der Segnung der Palmbuschen ziehen die Kirchengeher, vorbei am Pfarrhof, dann gemeinsam mit dem Pucher Palmesel in die Pfarrkirche ein und feiern gemeinsam den sonntäglichen Familien-Gottesdienst. Mit den vielen Palmbuschen in der Kirche jedesmal ein schöner bunter Anblick. Das ein oder andere Kind knabbert auch schon mal an der Breze oder spielt sich mit den bunten Holzscharten.

Die Salzburger Nachrichten waren letztes Jahr beim Palmsonntag-Umzug in Puch dabei und zeigen Euch den Pucher Palmesel bei der Prozession:

Was ist ein „Palmbuschen“?

Pucher Damen mit Palmbuschen
Pucher Damen mit Palmbuschen

Was zum Palmsonntag natürlich auch dazu gehört sind die „Palmen“ – im Alpenraum auch Palmbuschen genannten. Es ist ein Gebinde aus verschiedenen Sträuchern – den sieben immergrünen Zweigen, wie die Weiden-Palmkätzchen, Buchsbaum, Wacholder, Eibe, Zeder, Sadebaum und Stechpalme. Zusammengebunden wird dieser „Buschen“ auf einen Stecken vom Haselnussstrauch gesteckt.

Dabei hat jeder Zweig seine althergebrachte Bedeutung. So schützt der Haselnussstecken vor Blitz, die Eibe gegen Hexen und die Wacholder vor der Pest. Dabei gibt es keine feste Größe. Auch Kleinkinder tragen bereits voller Stolz einen Palmbuschen. Einfach zuckersüß wenn die Kleinen gerade erst Laufen können und sich um einen Mini-Palmbuschen klammern 🙂

Die Burschen tragen oftmals einen Palmast
Die Burschen tragen oftmals einen Palmast

Seit dem 20. Jahrhundert werden die Palmbuschen auch unterschiedlich geschmückt. Im Tennengau meist mit kleinen Salz-Brezen und bunten Hobelscharten. Aber ich habe auch schon übernommene Traditionen von den Nachbarregionen gesichtet, wie Ostereier, Äpfel und Bänder.

Im Tennengau tragen die Burschen auch ab und zu einen geschmückten „Palmen-Ast“ – keinen zusammengebunden Buschen. Diese sind so groß, dass der junge Träger sie gerade noch halten und tragen kann. Früher zeigte man mit der Größe der „Palme“ auch den Reichtum des Hofes.

Wohin mit dem Palmbuschen nach der Prozession?

Der geweihte Palmbuschen gilt als heil- und segenbringend. Dieser wird bei uns zu Hause am darauffolgenden Karfreitag in der Früh auf den Feldern oder im Garten in die Erde gesteckt. Dies soll die Ernte fördern und Unheil, wie Hagel abwenden. Andere stellen den Buschen zum Schutz vor Krankheit oder Blitz vor die Haustüre oder in den „Herrgottswinkel„. Das ist der Platz wo das meist hölzerne Jesuskreuz aufgestellt oder aufgehängt ist – vorwiegend in der Ecke beim großen Esstisch in der Küche.

Zur Aufbewahrung gibt es wiederum verschiedene Bräuche. Falls ein Palmzweig austreibt, heißt es, dass im nächsten Jahr eine Hochzeit oder Kindstaufe ansteht.

Bilder vom Palmsonntag

Wenn ihr auf Facebook oder Instagram seid, zeigt uns doch Eure Fotos vom bunten Palmbuschen oder Eure Traditonen rund um das Osterfest im Salzburger Land. Vergesst dabei nicht mit #visittennengau und @visittennengau zu verlinken 🙂

Schönen Palmsonntag 🙂 #osterwoche #palmbuschntrong #sonnentag #visittennengau

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Wir wünschen Euch Frohe Ostern!
Wir wünschen Euch Frohe Ostern!

Also Palmbuschen binden oder noch schnell einen besorgen und am Palmsonntag rein in die Lederhose oder ins Dirndlgewand und die Buschen in der Kirche segnen lassen. Wir freuen uns wieder auf den gemeinsamen Familienausflug zum Kirchgang. Besonders da man weiß, dass in einer Woche dann der Osterhase kommt 🙂

Ich wünsche Euch allen eine schöne Karwoche. Und vergesst nicht am Gründonnerstag Spinat zu essen, am Karfreitag auf Fleisch zu verzichten und den Ratschen-Kinder die Türe zu öffnen. Am Karsamstag oder am Ostersonntag könnt ihr Eure Osterspeisen in der Kirchen weihen lassen und am Osterwochenende gibt es wieder die traditionelle Osterdult in Oberalm mit vielen Fahrgeschäften, bunten Ständen und einem leckeren Grillhenderl im Festzelt. Und wenn ihr noch keine Ostereier habt – hier noch ein Tipp zum Eier-Färben. Frohe Ostern!

Hier geht`s nach Puch bei Hallein:

Barbara
Grias Enk!

Ich heiße Barbara Lackner, komme aus Puch – genauer gesagt aus St. Jakob am Thurn – und ich bin in der Genuss- & ErlebnisRegion Tennengau viel unterwegs. Privat, sowie auch beruflich als Mitarbeiterin im Gästeservice Tennengau. Besonders gerne berichte ich über die zahlreichen Genuss- & ErlebnisFeste, einzigartigen Ausflugsziele und schmackhaften GenussPunkte in der Region. Mir liegt neben dem Tourismus, auch die Volkskultur am Herzen. Als Bauerndirndl, langjähriges Mitglied des Trachtenvereins D`Puachstoana und ehemalige Schützen-Marketenderin der historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn, lebe und gestalte ich die traditionellen Bräuche im Salzburger Land mit. Zudem bin ich seit Dezember 2014 Mutter eines Sohnes und viel mit dem Kinderwagen (TFK Joggster III 12´) oder dem Tragetuch in der Region unterwegs. Ich freue mich von meinen Tätigkeiten zu berichten und hoffe, dass Euch meine Geschichten gefallen.

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