Lebhaft springen Wellen über bemooste Steine, kräuseln sich kurz zu weißem Schaum und eilen weiter. Der Lammer entgegen. Entlang des Schwarzenbaches führt der gut beschilderte Mühlenrundweg in Oberscheffau zur alten Mühle und zu zwei Wasserfällen. Auf diesem Pfad gibt es vieles zu entdecken und zu bestaunen. Wer möchte findet schöne Plätze, lässt den Alltag hinter sich und taucht in die Ruhe und Stille von Wald und Bach ein.

„Herzen symbolisieren die Natur“, sagt Petra Bammer. Die Steinbildhauerin hat den Mühlenrundweg in Oberscheffau mit viel Liebe, Einfühlungsvermögen und Sorgfalt gestaltet. Der Weg ist teilweise breit und manchmal schmal, führt über Holzbrücken und schlängelt sich nach der Mühle zum imposanten Schwarzenbachfall hinauf. Weiter oben braust der Winnerfall aus den Ritzen, Löchern und Spalten des Tennengebirges. Das macht er allerdings nur, wenn sich genügend Wasser in den Speichern des Gebirgsstockes gesammelt haben. Im Frühling oder nach heftigen Regenfällen ist das der Fall. Der Rückweg kann über die alte Strubbergstraße nach Oberscheffau oder über eine Forststraße zur alten Mühle angetreten werden. Rund eineinhalb Stunden dauert diese kurzweilige und gut beschilderte Wanderung.

Wer mit dem Auto kommt, findet in Oberscheffau, nahe der Lammer, einen Parkplatz. Dann einfach der Beschilderung folgen. Die Straße führt vorbei an einer kleinen Siedlung zum Schwarzenbach. Auf diesem Weg befindet sich Petra Bammers „HerzArt“-Werkstatt. In ihrem Garten hat Petra eine alte Kugelmühle ausgestellt. Zu bewundern sind Schleifsteine, ein Mühlenrad und bunte Marmorkugeln. In ihrem Verkaufsladen verkauft sie „Dinge für die Seele“ wie Engel, rote Herzen und Kunstwerke aus Schwemmholz. Petra freut sich immer über Besuch und über eine kurze Plauderei.

 

Nach ihrem Haus führt der Weg in den Schatten des üppigen Auwaldes und zum Schwarzenbach. Eine Holzbank mit Herzen zum Ausruhen und rote Herzen auf Steinen, manchmal verborgen von Gräsern und Kräutern, gibt es zu entdecken. „Ich habe Herzen an besonderen Orten auf besondere Steine gemalt. Es wäre schön, wenn die Wanderer innehalten und dabei die Ruhe, die Schönheit der Natur und die Vielfalt der Blumen sehen können“, sagt Petra.

Weiter des Weges tauchen am Ufer des Schwarzenbaches ein Labyrinth und ein Holzxylophon auf. Kinder und Eltern entlocken dem Instrument tiefe Töne. „Das ist lustig“, sagt Mike aus Deutschland begeistert. Und schon spielt er weiter, während seine Eltern die bemoosten Steine im dunklen Bach bewundern. Ein Hörtrichter, ein Bilderrahmen und Holzbrücken bieten neue Töne, Aus- und Einblicke. Bald ist die alte Mühle erreicht.

Still ist es an diesem Ort. Nur das Rauschen des Baches und das Zwitschern der Vögel ist zu hören.

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“. Dieses alte Kinderlied fällt mir ein, wenn ich bei der Mühle stehe. Ein altes Mühlrad aus Holz wird vom Wasser des Schwarzenbaches angetrieben. Erstmals erwähnt wurde das Häuschen übrigens bereits im 17. Jahrhundert. Sie war eine Genossenschaftsmühle und gehöre sechs bis sieben Bauern. Diese reparierten schadhafte Teile, bestimmten jedes Jahr einen Mühlenmeister und machten am Ende der Saison die Abrechnung. Das Mahlen des Korns war den männlichen Bewohnern des Bauernhauses vorbehalten. Als die Männer in den zweiten Weltkrieg zogen, mussten die Buben diese schwere Arbeit übernehmen. Auch Petra Vater mahlte als Kind Roggen, Gerste und Weizen zu Mehl. Er hat mehrere Tage hindurch Tag und Nacht in der Mühle verbracht. Der Bub schlief im Mühlenkammerl. In der Nacht habe er sich oft gefürchtet, weil die Mühle die ganze Zeit rumpelte und pumpelte.

Picknick bei der alten Mühle
Alte Mühle in Scheffau am Foto: Mike Vogl

Als nach dem zweiten Weltkrieg der Getreideanbau eingestellt wurde, verfielen die Mühlen. Petras Vater setzte sich dafür ein, dass „seine“ Mühle restauriert wird. 1975 war es soweit. Nun zählt sie zu den Ausflugszielen in Oberscheffau. Ein Tisch samt Bänken laden zur Rast ein.

Gleich oberhalb der Mühle schlängelt sich ein schmaler Weg zum Schwarzenbachfall. Dieser tost und zischt einen steilen Abhang hinunter. Von gut erreichbaren Aussichtspunkten kann dieser bestaunt und die kühle, mit Wassertropfen angereicherte Luft eingeatmet werden. Weiter oben braust nur zu bestimmten Zeiten der Winnerfall aus dem Gebirge. Im Inneren des Gebirgsstockes sammelt sich das Schmelzwasser. Mitte Mai stürzt es sich aus vollen Speichern in die Tiefe. Für Petra vereinen sich Wasserfall und seine Umgebung zu einen Naturaltar. „Dieses Wasser reinigt und bringt Fruchtbarkeit in die Wälder und Wiesen“, ist die Scheffauerin überzeugt. Es lässt Kräuter und Sträucher wachsen, blühen und fruchten.

Wer möchte geht auf der alten Strubberg-Straße Richtung Oberscheffau zurück, oder wandert auf einer Forststraße bequem und knieschondend zur alten Mühle und wieder entlang des Schwarzenbaches zum Ausgangspunkt zurück.

Fotos: Christine Fröschl und Mike Vogl

Einkehrtipps:

Lammerklause

Pointwirt

Übernachtungstipps:
Petra Bammer 2 Appartements
Barbara Bachler: 1 Appartement

Weitere Ausflugstipps:

Wer von tosenden Wassern noch nicht genug hat, besichtigt die nahe Lammerklamm. Hier zwängt sich die Lammer durch enge Felsen. Das Wasser verpasst dem Gestein interessante Formationen und „Gesichter“. Eine Seilhängebrücke mit 22 Meter Länge befindet sich am Ausgang.

An heißen Sommertagen empfiehlt sich ein Sprung in den kühlen Harrberg-See. Der Lammer-Radwanderweg führt direkt an diesem Badeteich vorbei.

Und hier finden Sie den Mühlenrundweg:

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