Moderne Häuser, aber auch neue Jagd- und Almhütten sind wieder öfter mit Schindeln gedeckt. Obwohl die gespaltenen Bretter kaum mehr händisch erzeugt werden, geht es auch da nicht ganz ohne Handarbeit. In Abtenau fertigen Manfred Pendl und sein Sohn Schindeln für Dächer und Hauswände nach traditionellem Vorbild an.

In der Werkstatt von Manfred Pendl in Abtenau stappeln sich die Schindeln aus Lärchen- und Fichtenholz. Späne liegen am Boden. Es duftet nach Harz und Holz. Vater und Sohn gehören zu den wenigen Handwerkern, die die Kunst des Schindelmachens noch können. Sie fertigen auf Bestellungen Schindeln an.

Bernhard Ponemayr (1936) aus Annaberg spaltet noch manchmal Schindeln. Ich durfte ihn besuchen und ihm über die Schulter schauen. Bernhard, wie seine Freunde ihn nennen, hat schon als Bub Schindeln gespalten. Nach seiner Pensionierung hat der Bankdirektor das Annaberger Heimatmuseum Gererhof in Annaberg als Kustos rund 20 Jahre geleitet. In seiner Pension fertigt er immer noch Schindeln an. „Das Schindelmachen beginnt beim Aussuchen des Holzes im Wald“, sagt Bernhard. Langsam gewachsen mit engen Jahresringen, kaum Drehwuchs und nahezu astrein sollte es sein. „Für das Dach ist das ‘nachsinnig’ Gewachsene (rechtsdrehende) am Besten. Das ist da wo der Daumen der rechten Hand hinzeigt“, erklärt er.

Lärchenschindeln halten Wind und Wetter stand

An und für sich würde in den Alpen die Lärche das beste Schindelholz liefern, weil sie durch ihren langsamen Wuchs und ihrem Harz Wind und Wetter am längsten standhält. Aber Lärchen wachsen im Lammertal meistens krumm und haben viele Äste. Deswegen eignen sie sich nicht für die Schindeln. Daher verwendet Bernhard für seine Schindeln Fichtenholz. Gewachsen sind die Bäume in einer Seehöhe von über 1000 Metern. Durch das raue Klima und den kargen Boden hat das Holz die gewünschten engen Jahresringe.

Nach dem Fällen werden die Stämme für Bernhard mit der Motorsäge in circa 50 Zentimeter lange Stücke geschnitten. Dann spaltet sie der Schindelmacher in die Hälfte und dann in Viertel.

„Bei uns werden die Holzscheiter, der Faserung nach – mit stehenden Jahresringen – gespalten. Das ist wichtig, denn über den Faserverlauf rinnt das Wasser ab“, erklärt Bernhard. Er nimmt ein Scheit und stellt es auf den Klotz (Holzstock). Mit dem „Kletzeisen“ und gezielten Holzhammer-Schlägen spaltet er vom Scheit 12 bis 13 Millimeter dünne Bretter ab. Durch das Spalten wird der natürliche Faserverlauf des Holzes nicht zerstört. Das macht, so erklärt der erfahrene Handwerker, die gespaltenen Schindeln haltbarer als gesägte.

Zum Schindel machen braucht’s a Schneid

Dann nimmt Bernhard die Holzbretter und setzt sich auf die „Hoanzelbank“. Er klemmt ein Holzbrett fest und bearbeitet es so flink mit dem „Roafmesser“, dass die Späne nur so fliegen. Bernhard sagt: „Zum Schindel machen braucht’s a Schneid. Sonst wird das nichts.“ Dann arbeitet er konzentriert weiter. Seitlich und flächig begradigt er die Rohschindel und schnitzt eine konische Fläche. Damit ist das Holzbrett an einem Ende leicht schmäler und dünner. Das macht Bernhard, weil damit die Bretter später auf dem Dach besser ineinanderpassen. Zum Schluss schrägt oder „spranzt“ (circa 45 Grad) er das Brett stirnseitig. Wenn die Schindeln fertig sind, werden sie zum Trocknen gebündelt und gestapelt.

Auf dem Dach alter Häuser überdecken sich Schindeln dreifach. Das bedeutet, dass nur rund ein Drittel der Schindellänge tatsächlich der Witterung ausgesetzt ist. Die Basis für ein Schindeldach ist der Dachstuhl. Bei einem Legschindeldach wie es der Gererhof in Annaberg und der Arlerhof in Abtenau noch hat, legen die Dachdecker die dünnen Bretter lediglich auf das Gerüst. Jede Fuge wird mit einer neuen Schindel zugedeckt. Befestigt werden die Schindeln – nach alter Tradition – durch Schwersteine, die auf so genannten Schwerstangen aufliegen.

Ein Schindeldach legen ist viel Arbeit. Diese lohnt sich jedoch: „Bei Nässe dehnt sich das Holz durch seine natürliche, innere Verspannung und liegt flach auf dem Dach. Beim Trocknen wölbt es sich leicht nach oben. Dabei entstehen Spalten, die das Trocknen begünstigen. Durch diesen Tannenzapfen-Effekt hält die Seite der wetterausgesetzten Schindeln rund vier Jahre lang“, erklärt Bernhard. Dann wird der verwitterte Teil das erste Mal umgedreht. Nach weiteren vier bis fünf Jahren wird wieder gedreht. „Nach viermal Drehen sind die Schindeln am Ende“, sagt Bernhard.

Wer sich für Schindeln interessiert kann dieses alte Handwerk im Heimatmuseum Arlerhof in Abtenau kennenlernen. Zudem fertigt und montiert Manfred Pendl Schindeln nach den Wünschen seiner Kundinnen und Kunden an.

Erreichbar ist der Abtenauer unter der Tel.Nr.: +43 664 3941885 und [email protected]

Adresse:
Döllerhof 6
5441Abtenau

Fotonachweis Christine Fröschl

 

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