Bauernhof Gappen in Lungötz cChronik Annaberg Lungötz

Alte Bauernhof-Namen und ihre Bedeutung

Bauernhof: Urlaub auf geschichträchtigem Boden

Für viele ist der Urlaub auf einem Bauerhof die beste Art, seine wohlverdiente Freizeit zu genießen. Gemütliches Wohnen, Tiere am Hof, oft selbstproduzierte Leckerbissen und Natur pur: herrlich! In Annaberg-Lungötz gibt es viele Möglichkeiten, auf einem Bauernhof zu urlauben: Fuschl, Dieterer, Fesengut – der alte Hofname allein ist schon einen näheren Blick wert. Manchmal scheint sich der Hofname von selber zu erklären, während mitunter ein anderer nicht mehr nachzuverfolgen ist.

Übrigens: Eine Besonderheit sind die so genannten Erbhöfe. Um das Prädikat „Erbhof“ zu bekommen, muss ein Bauernhof mindestens 200 Jahre innerhalb der selben Familie vererbt worden sein, das bäuerliche Anwesen für den Unterhalt der Familie ausreichen und vom Eigentümer selbst bewirtschaftet werden.

Interessante Menschen und Details am Bauernhof

Ein Blick in die Chronik des Ortes zeigt, dass es noch bis vor nicht allzu langer Zeit in der Region nur Bauernhöfe gab. Der bescheidene Bodenertrag und die Nutztiere ernährten die Menschen am Hof. Dabei wurde der Name für einen Bauernhof teilweise nach seinem Besitzer gewählt oder auch nach der Beschaffenheit der unmittelbaren Umgebung.

Zauberei und Sagenhaftes am Bauernhof

Werfen wir einmal einen Blick in die interessante Chronik einiger unserer Bauernhof-Vermieter.

  • Im nördlichsten Teil von Annaberg liegt beispielsweise der Dietererhof:

In der Chronik liest man vom so genannten Dietrichgut, das mundartlich auf einen der Besitzer oder vielleicht auch Erbauer des Bauernhofs, einen Dietrich, zurückgeht. Beinahe selbsterklärend, finde ich. Viel spannender halte ich den Eintrag aus dem „Seelenbuch“ von 1733, das jeden Menschen, also jede Seele, erfasst hat. Dort heißt es über den Knecht Simon Pöschner, dass er wegen Zauberei aus dem Buch ausgestrichen wurde und vom Gerichtsdiener fortgeführt worden war. Der Bauer holte seinen Knecht aber wieder heim. Unheimliche Zeiten, damals …

Genau wie der Name Teufelsgraben nahe dem Dieterergut. Dieser bildet zum Teil die Grenze zwischen Annaberg und Abtenau. Allerdings hat hier nicht der Satan seine Hand im Spiel. Nach heftigen Regenfällen kollern im Oberlauf des steilen Grabens die Steine deutlich hörbar talwärts. Das genügte früher bereits, um das Grollen dem Teufel zuzuschreiben …

Von Bären und Pferden

Im so genannten Astauwinkel, geht es weiter zu zwei Nachbarhöfen:

  • Der Windhof der Familie Schilchegger liegt auf einer sonnigen Anhöhe. Sollte man auf den ersten Blick meinen, dass es dort eben des Namens wegen windig sein sollte, so ist es wahrscheinlich gerade umgekehrt. Früher nannte man das Anwesen auch „Windhag“, also einen Zaun bzw. eine Errichtung gegen den Wind. So kann man hier Sommer wie Winter die herrliche Aussicht zwar in vollen Zügen, aber nicht zugig erleben :) Übrigens: Andrea Schilchegger ist Seminarbäuerin, also ausgebildet, um die Lebensmittel, die am Hof produziert werden, zu wahren Gaumenfreuden zu veredeln. Sie lässt sich dabei immer wieder über die professionelle Schulter schauen. Wandertipp: Zum Windhof gehört auch die Stuhlalm, die unmittelbar am Fuße des Gosaukammes und der Bischofsmütze gelegen ist.
  • Gleich in der Nachbarschaft befindet sich der Bärhof der Familie Haigermoser. Ob der Name tatsächtlich etwas mit einem Bären zu tun hat? Glaubt man der Chronik, dann war es wohl eher ein Besitzer namens Pero, der dem Hof den Namen gab. Besondere Tiere gibt es am Bärhof allerdings bis heute, werden hier doch seit langer Zeit bereits Haflinger gezüchtet. Barscht, der Bauer, nimmt seine Gäste gerne auf einer Ausfahrt mit der Kutsche mit.
  • Außerdem lädt er im Advent ein, mit seinem Pferdeschlitten ab dem Parkplatz, den idyllischen Adventmarkt am Winterstellgut zu besuchen. Im Winterstellgut wurden übrigens die Tiere, die im Sommer auf den noch höher gelegenen Almen friedlich grasen durften, wie der Name schon sagt, im Winter eingestellt. Dass man hier nun ausgezeichnet essen und schlafen kann, soll nicht unerwähnt bleiben.

Urlaub mit Geschichte frei Hof

  • Auf einer Anhöhe im Zentrum von Annaberg befindet sich das Gererhofgut der Familie Quehenberger. Ger deutet nicht nur auf einen germanischen Wurfspieß hin, in diesem Falle ist es eher die Bezeichnung für eine Geländespitze. Ruhig und sonnig am Rande der Straße befindet der der Hof heute noch. Gut 400 Jahre lebte die Familie hier im alten Haus, das nun der Gemeinde als Heimatmuseum Gererhof dient und wunderbare Einblicke in das ländliche Leben im Lammertal ab dem 17. Jhd gibt. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.
  • Nun sind wir schon im Ortsteil Lungötz, auf der Salzburger Dolomitenstraße, unterwegs. Ein alter Name sticht hier ins Auge: Pfenwerthgut. „Pfennwert“ ist ein Begriff aus dem alten Bergwerkswesen. Lebensmittel, die von den Bauern an ihre Gurndherrschaft abzuliefern waren, wurden nicht direkt an diese ausgeliefert, sondern wirtschaftlich gleich vor Ort an Knappen und Holzknechte verkauft. Diese Kaufleute aus Abtenau hatten laut Bürgerbuch das Recht, „mit allerlei Pfennwerthen zu handlen“.
  • „Sommerauwiesgütl“ – ein Name wie ein Urlaubsprogramm! Wahrscheinlich waren die Besitzer hier nur früher, um die doch recht steilen Hänge im Sommer abzuernten, aber im Winter wohnte dort niemand. Anders als jetzt, denn im heutigen Sauschneiderhof (der Name leitet sich von der Berufsbezeichnung eines Besitzers ab), ist man im Sommer und Winter gut aufgehoben.

Es gibt noch so viele Bauernhöfe und ihre interessante Geschichte, die hinter ihren Hofnamen steckt. Vielleicht sehen wir uns gemeinsam demnächst wieder einige davon an? Auf welchem Bauernhof verbringt Ihr gerne Euren Urlaub? Wisst Ihr über die Familienhistorie Bescheid? Mögt Ihr uns wissenswerte, lustige oder gar gruselige Details mitteilen? Wir freuen uns über Eure Reaktionen!

Hier geht´s zum Tourismusverband Annaberg-Lungötz:

1 Kommentar
  1. Barbara Ortner
    Barbara Ortner sagte:

    Interessanter Beitrag über die Geschichte der Höfe. Mit den alten Bildern dazu gefällt mir sehr:
    Hoffentlich bleiben uns diese Bauernhöfe noch lange erhalten mit echten Bewohnern die ihn bewirtschaften.
    Es ist ein großer Verlust für unsere Kulturlandschaft und auch für den Tourismus wenn die Bauernhöfe durch „Hütteldörfer“ ersetzt werden.

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