Fast 185 Jahre Musikgeschichte
Die Geschichte der Trachtenmusikkapelle reicht bis ins Jahr 1842 zurück. Damals versammelten sich musikbegeisterte Männer rund um Philipp und Franz Gsenger zur sogenannten „Holzmusi“. Gespielt wurde zunächst ausschließlich auf Holzblasinstrumenten, erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen Blechinstrumente dazu.
Aus der kleinen Musikgruppe wurde im Laufe der Jahrzehnte ein leistungsstarker Klangkörper. Während 1986 rund 30 Musiker aktiv waren, zählt die TMK heute über 90 aktive Mitglieder und begeistert mit einem breit gefächerten Repertoire – von traditioneller Blasmusik bis hin zu modernen Konzertstücken.
Dass Tradition dabei keineswegs Stillstand bedeutet, bringt Hans, mit 78 Jahren einer der erfahrensten Musiker, treffend auf den Punkt: „Obwohl eine Musikkapelle im Grunde eine sehr traditionsbewusste Institution ist, reagiert sie durch neue Kompositionen und musikalische Entwicklungen immer wieder auf gesellschaftliche Veränderungen. Gerade diese Verbindung von Bewahren und Weiterentwickeln macht für mich den besonderen Reiz in der Blasmusik aus.“
Höhen und Tiefen
Wie viele Vereine musste auch die TMK schwierige Zeiten überstehen. Während beider Weltkriege ruhte der Spielbetrieb zeitweise vollständig. Doch jedes Mal fanden sich engagierte Musiker zusammen, die den Verein wieder aufleben ließen.
Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Kapelle stetig weiter. In den 1950er-Jahren erhielt sie ihre, bis heute charakteristische, Lammertaler Tracht und übernahm zunehmend auch Aufgaben im aufblühenden Tourismus – etwa bei Platzkonzerten oder Werbefahrten nach Deutschland.
Musik verbindet Generationen
Was die Trachtenmusikkapelle Abtenau besonders auszeichnet, zeigt ein Blick auf ihre Mitglieder: hier musizieren Menschen, zwischen deren ersten Auftritten mehr als sechs Jahrzehnte liegen.
Hans (78) stand bereits am 1. November 1962 erstmals mit der Kapelle aus seinem Heimatort Rettenegg auf der Bühne. Als er 1971 nach Abtenau übersiedelte, setzte er seine musikalische Tätigkeit am Flügelhorn nahtlos bei der TMK fort. Seine Begeisterung für Musik begann schon in der Kindheit – mit Volksliedern zu Hause, Musik bei Hochzeiten und einer Steirischen Harmonika, die er mit zwölf Jahren zu Weihnachten bekam. „Und so dudle ich seit 65 Jahren durch die Gegend“, erzählt er heute augenzwinkernd.
Am anderen Ende der Generationen steht Lorenz (13). Er ist seit 2025 Mitglied der TMK und wurde von seinen Cousins dazu motiviert, ein Instrument zu lernen. Was die Musikkapelle für ihn bedeutet, bringt er unkompliziert auf den Punkt: Freude am Musizieren und Beisammensein.
Dazwischen liegen ganz unterschiedliche musikalische Lebensgeschichten. Hannes (55) ist seit 1984 dabei, Barbara (51) seit 1989 und Andrea (46) seit mehr als drei Jahrzehnten. Julia (32) hatte schon als Siebenjährige beim Querflötenunterricht ein großes Ziel vor Augen: irgendwann selbst in den Reihen der Trachtenmusikkapelle Abtenau zu stehen. Für Sophia (21) wiederum war die TMK durch ihren Vater schon seit ihrer Kindheit Teil ihres Lebens.
So wird Musik in Abtenau von Generation zu Generation weitergegeben – manchmal von Eltern an ihre Kinder, von Verwandten oder Freunden und manchmal einfach durch die Begeisterung, die entsteht, wenn die Musikkapelle durch den Ort marschiert.
Ein Verein, in dem jeder seinen Platz findet
Fragt man die Mitglieder, was ihre Musikkapelle so besonders macht, fällt ein Begriff immer wieder: Gemeinschaft.
Barbara beschreibt die TMK als einen Verein, wo von Jung bis Alt und unterschiedlichste Leistungsstufen alle ihren Platz finden. Auch Andrea sieht darin eine besondere Stärke: unterschiedlicheste Charaktere, Altersgruppen, Meinungen und musikalische Fähigkeiten – und trotzdem verfolgen alle dasselbe Ziel.
Hannes freut besonders die starke Rolle der Frau innerhalb der Kapelle und dass viele junge Mütter nach ihrer Babypause wieder aktiv zum Verein zurückkehren.
Für Julia liegt die Stärke ebenfalls in der Vielfalt: Jung und Alt sitzen nebeneinander, lernen voneinander und wachsen gemeinsam.
Und der 13-jährige Lorenz formuliert es noch einfacher: „Für mich ist die TMK so besonders, weil man sieht, wie alle Spaß am Musizieren haben.“
Vielleicht liegt genau darin das Erfolgsrezept: Niemand muss gleich sein, damit etwas Gemeinsames entstehen kann.
Mehr als Musik – eine Gemeinschaft fürs Leben
Gemeinsame Proben, Ausrückungen, Konzerte und Ausflüge schaffen Freundschaften,
die oft ein Leben lang halten.
Hans verbindet mit der TMK „Harmonie, Freundschaft, Kameradschaft und Disziplin“ und sieht sie als Bindeglied in Freud und Leid. Für Andrea ist die Probe auch eine Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten und Zeit für sich selbst zu genießen. Hannes wiederum beschreibt die TMK als eine Mischung aus Freundschaft, Gemeinschaft, Herausforderung und willkommener Ablenkung vom Beruf.
Und diese Gemeinschaft spielt sich längst nicht nur im Proberaum ab. Die Musiker nehmen gemeinsam an Skirennen teil, organisieren Ausflüge und gestalten das Vereinsleben mit großer Begeisterung. Ist das Lammertaler HeuART-Fest in Abtenau zu Gast, entsteht in unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden eine beeindruckende Heufigur für den Festumzug.
Auch Bergmessen werden musikalisch umrahmt, das traditionelle Marktfest organisiert und zahlreiche Veranstaltungen mitgestaltet.
Dieses Engagement zeigt: der Zusammenhalt endet nicht mit dem letzten Ton einer Probe –
er verbindet den Verein das ganze Jahr über.
Von Abtenau bis in die große weite Welt
Eine Musikkapelle, die so lange besteht, sammelt natürlich auch unzählige Geschichten.
Und manche davon führen weit über die Grenzen Abtenaus hinaus.
Hans erinnert sich unter anderem an einen Auftritt am Heldenplatz in Wien und an zwei Reisen in die USA. Hannes und Barbara zählen die gemeinsamen Fahrten zum Hopfenfest nach Hagenau in Frankreich zu ihren besonderen Erlebnissen. Hannes erinnert sich außerdem gerne an die Teilnahme am Festzug beim Oktoberfest in München und an die Besuche in Abtenaus Partnerstadt Münster bei Dieburg.
Für Sophia gehört eine Reise zum Monte Grappa zu ihren eindruckvollsten Erinnerungen: dort spielte die TMK ohne vorherige Probe mit einem fremden Chor – ein Zusammenspiel, das für einen echten Gänsehautmoment sorgte.
Andrea denkt dagegen besonders gerne an ein Jubiläumsfest im Jahr 1992 zurück – ihre erste Ausrückung, verbunden mit großer Aufregung und einigen Pannen. Unvergessen ist für sie aber auch ein sehr emotionales Kirchenkonzert, das einer Musikkollegin gewidmet war.
Es sind diese großen Reisen ebenso wie die kleinen, persönlichen Momente, die den Menschen in Erinnerung bleiben.
Wenn aus Tönen Gänsehautmomente werden
Was gemeinsames Musikzieren bewirken kann, beschreibt Julia besonders schön. Ihre Lieblingsmomente sind jene Augenblicke während eines Konzerts, in denen plötzlich alles zusammenpasst: die Musik, die Begeisterung der Musiker und die Reaktion des Publikums.
Dann wird spürbar, dass Musik weit mehr ist als eine Abfolge von Tönen. Sie kann berühren, Erinnerungen schaffen und Menschen miteinander verbinden.
Einen solchen Fixpunkt gibt es für viele Mitglieder jedes Jahr: das Muttertagskonzert.
Hans bezeichnet es als seinen persönlichen musikalischen „Leistungstest“, für Barbara und Andrea ist es Herausforderung und Höhepunkt zugleich. Julia liebt den Moment, wenn die intensive Probenarbeit schließlich Früchte trägt und die Begeisterung auf das Publikum überspringt.
Und Sophia freut sich aus einem ganz besonderen Grund darauf: „Beim Muttertagskonzert haben die Hörner auch mal was anderes zu spielen als nur Nachschlag!“
Warum Musik schon in jungen Jahren begeistert
Dass der Nachwuchs für die Zukunft eines Vereins entscheidend ist, weiß die Trachtenmusikkapelle sehr genau. Viele Kinder beginnen ihre musikalische Ausbildung im Musikum und wechseln später in die TMK.
Die Mitglieder sehen im Erlernen eines Instruments jedoch weit mehr als eine musikalische Ausbildung. Konzentration, Koordination, Disziplin und Durchhaltevermögen werden ebenso gefördert wie die Fähigkeit, zuzuhören und Rücksicht auf andere zu nehmen.
Beim gemeinsamen Musizieren lernen Kinder, dass jeder Einzelne wichtig ist – es aber erst im Zusammenspiel richtigt gut klingt. Sie erleben Gemeinschaft, übernehmen Verantwortung und erfahren, dass Fortschritte Zeit und Übung brauchen.
Gerade in einer zunehmend digitalen Welt sieht Hannes darin einen wertvollen Ausgleich.
Andrea betont zudem, dass Kinder durch die Musik lernen können, abzuschalten und sich auszudrücken. Und Julia, der die Arbeit mit den Nachwuchsmusikern besonders am Herzen liegt, bringt einen weiteren wichtigen Aspekt ins Spiel: sie sind die Zukunft des Vereins.
Lorenz hat ein herrlich unkompliziertes Argument, warum Kinder ein Instrument lernen sollten: „Weil einem nie langweilig wird und es mega Spaß macht.“
Da gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen!
Ein Klang, der zu Abtenau gehört
Wer im Sommer an einem der Konzertabende über den Marktplatz schlendert und den Klängen der TMK lauscht, erlebt ein Stück echtes Abtenau – und sieht gleichzeitig, was ein lebendiger Verein ausmacht.
Da sitzt der Teenager neben seinen Kollegen, die schon seit Jahrzehnten musizieren. Da treffen unterschiedliche Generationen, Berufe, Charaktere und musikalische Erfahrungen aufeinander. Gemeinsam wird geprobt, gelacht, gefeiert, an schwierigen Passagen gefeilt – und schließlich Musik gemacht.
Nächste Termine:
- Markt-Fest in Abtenau -15. August 2026
- Jubiläum Prangerschützen in Scheffau – 06. September 2026
- Erntedankfest mit Frühschoppen in Abtenau – 20. September 2026
- Muttertagskonzert – Anfang Mai 2027
- Tradition mit Taktgefühl - 13. August 2026
- Weinmarkt in Abtenau - 14. Juli 2026
- Hüttenroas auf der Postalm - 11. Juni 2026








©Martina Gappmaier