Winterliches St. Martin (c)Reinhard Heidle

Interview mit einem Gast: Urlaub im Lammertal in den 60er Jahren

Erinnerungen an den ersten Urlaub im Lammertal

Meterhoch Schnee, Bolleröfen, Enzianschnaps und eine riesen Gaudi: Ein Urlaubsgast blickt auf seinen ersten Urlaub im Lammertal zurück.

Seit 56 Jahren besucht Reinhard Heidle aus Deutschland mehrmals im Jahr das Lammertal. Das erste Mal kam er mit der Freiwilligen Feuerwehr ins Salzburger Land. Sechs Jahre später entführte er seine heutige Frau in das Urlaubsparadies in den Bergen. Ihre Freunde und Verwandten fühlten sich im Lammertal bald ebenso wohl, wie später ihre Kinder und heute die Enkelkinder. Die Herzlichkeit der Lammertaler und die herrliche Landschaft inmitten der Berge seien, betont Reinhard, heute wie damals, unverändert.

Interview über den ersten Besuch im Lammertal

Der langjährige Gast Reinhard lässt uns im Interview an seinen Erinnerungen an seinen ersten Urlaub im Lammertal teilhaben.

1965 hast du das erste Mal Urlaub im Lammertal gemacht. Was hat dich damals ins Salzburger Land verschlagen?

Zu jener Zeit war ich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Es war üblich, dass wir nach der Feuerwehrübung ins Gasthaus eingekehrt sind. Bei so einer „Nachbesprechung“ ist unserem Kommandanten eines Abends eine tolle Idee gekommen: Wir könnten zwischen Weihnachten und Neujahr nach Österreich zum Skifahren gehen. Er kenne da einen wunderschönen Ort. Dort sei er schon öfters auf Urlaub gewesen. Meine Kameraden und ich waren von diesem Einfall sofort Feuer und Flamme. Zuerst benötigte ich allerdings noch das Einverständnis meiner Eltern. Zu jener Zeit musste man mit 18 noch um Erlaubnis fragen.

Feuerwehrausflug ins Lammertal (c)Reinhard Heidle

Feuerwehrausflug ins Lammertal (c)Reinhard Heidle

Hattet ihr vor eurem Feuerwehrausflug bereits Erfahrung mit dem Skifahren?

Die kleinen Hänge in unserem Dorf sind wir öfters im Schuss hinuntergesaust. Unten haben wir dann  versucht einen Stemmbogen zu machen. Nur unser Kommandant und sein Sohn konnten damals richtig Skifahren.

Die Skiausrüstung musstet ihr erst kaufen?

Ja, Ski und Skistöcke habe ich mir vor unserem Urlaub gekauft. Diese Stöcke habe ich heute noch in Verwendung! Die Skistiefel habe ich mir ausgeliehen. Die Skihose bekam ich vom Lehrgesellen und einen Anorak hatte ich selber.

Mit was seid ihr damals ins Lammertal gefahren?

Wir sind mit unseren Privatautos gefahren. Ich hatte damals zwar schon den Führerschein und ein eigenes Auto, einen alten Fiat. Der hat allerdings sehr viel Öl gebraucht. Deswegen bin ich bei einem Freund die 400 Kilometer bis ins Lammertal mitgefahren. Bei seinem VW-Käfer sind auf unserer Fahrt aber immer wieder die Fenster vereist. Weshalb mir als Beifahrer die Aufgabe zufiel, unter der Fahrt die Scheiben frei zu kratzen. Nach der dreiviertel Strecke haben wir die erste Rast am Chiemsee gemacht. Dort haben wir uns mit den anderen Feuerwehrkameraden getroffen und Brotzeit gemacht. Frisch gestärkt ging es weiter in Richtung Annaberg im Lammertal. Der Weg führte uns über Abtenau. Damals waren die Straßen ziemlich schmal. Deswegen hatten wir die Anweisung, in jeder unübersichtlichen Kurve zu Hupen.

Erinnerst du dich an deine ersten Eindrücke, die du vom Lammertal hattest?

Landschaftlich war alles neu für uns. Wir waren begeistert von dem, was wir vom Auto aus sahen. So hohe Berge kannten wir nicht. Die meisten von uns waren ja auch sonst noch nirgends gewesen. Für mich war diese Ausfahrt mit der Feuerwehr der erste Urlaub in meinem Leben. Meine Eltern sind nie mit uns verreist. Mein Vater hat immer gesagt, im Krieg hätte er für sein Leben genug gesehen. Als Schuhmacher und mit einer kleinen Landwirtschaft hatten wir weder die Zeit noch das Geld, um zu verreisen. So war dieser Ausflug mit der Feuerwehr nach Österreich etwas ganz besonders.

Wo habt ihr damals genächtigt?

Unser Urlaubsquartier befand sich zwischen Annaberg und Lungötz. Es war ein sehr altes Bauernhaus. Damit wir alle Platz hatten, ist die Vermieterin in den Keller gezogen. In den Zimmern gab es einen Kanonenofen zum Einheizen. Brennholz war im Gang aufgeschichtet. Dort konnten wir uns bedienen, wenn uns im Zimmer zu kalt war. Unter dem Dach gab es allerdings keinen Ofen. So hatten die Burschen, die dort oben untergebracht waren, beim Aufwachen fast Rauhreif um den Mund.

Skiurlaub der Freiwilligen Feuerwehr (c)Reinhard Heidle

Skiurlaub der Freiwilligen Feuerwehr (c)Reinhard Heidle

Das hört sich urig an …

Ja, das war es wirklich. Die Matratzen bestanden aus drei Teilen. Um uns mit warmen Wasser waschen zu können, mussten wir es in einem Topf erhitzen. Ein Waschbecken mit Kaltwasseranschluss war aber vorhanden. Allerdings kam es vor, dass kein Wasser aus dem Hahn gekommen ist, weil es eingefroren war. In diesem Fall haben wir Schnee auf dem Herd schmelzen lassen. Mit dem Schmelzwasser haben wir uns dann gewaschen. Da es keinen Aufenthaltsraum gab, saßen wir bei den Vermietern in der Küche. Es waren sehr freundliche Leute, die uns häufig mit Speck und Käse verwöhnt haben. Auch das Frühstück war immer gut. Die frischen weißen Semmeln waren etwas besonderes für uns. Zu Hause gab es die nicht. Dazu bekamen wir selbstgemachte Butter, Schwarzbeermarmelade und Käse. Nur an den Weihrauchgeruch im Haus gewöhnten wir uns nur schwer. Trotzdem haben wir uns dort sehr wohl gefühlt. Als Dank haben wir das Schneeräumen übernommen.

Urig war es damals! (c)Reinhard Heidle

Urig war es damals! (c)Reinhard Heidle

Wie erging es euch beim Skifahren?

Für unser erstes Ski-Abenteuer hat der Feuerwehrkommandant den Ostermais-Lift in St. Martin am Tennengebirge gewählt. Beim Anblick der Piste hatten wir ganz schönes ‚Muffensausen‘. Diesen Abhang sollten wir auf Skiern runter fahren? Da hätte uns anderen der danebenliegende, kürzere Knabel-Lift viel besser gefallen. Aber diesen Wunsch hat uns der Kommandant nicht erfüllt: „Nichts da, wir fahren gleich richtig!“

Dann ging es also am Ostermais-Lift bergauf?

Ja, das war die erste Schleppliftfahrt in meinem Leben. Diese durfte ich mit unserem Kommandanten unternehmen. Der hatte schon Erfahrung beim Liften. Doch schon beim Einstieg passierte mir ein Malheur. Ich hatte verstanden, dass ich mich auf die Holzbügel setzen muss, sobald der Lift anzieht. Schwupps – schon lagen wir beide auf dem Boden. Die Ski ragten in die Luft. Dies sorgte bei einigen der anderen Skifahrer für Gelächter. Andere schimpften, weil wir nicht schnell genug wieder auf die Ski kamen. Aber schließlich sind wir doch noch gut oben angekommen.

Und dann ging es ans Abfahren?

Ja, das Liften war das Eine, das ‚Den-Berg-wieder-hinunter-kommen‘ das Andere. Wir hatten alle einen riesen Respekt vor der Abfahrt. Wie sollten wir da nur runter kommen? Die Piste war voller Buckel und erschien uns zu steil und viel zu schmal. Eine Familienabfahrt gab es zu der Zeit noch nicht. Jedenfalls hat die Breite der Piste für uns nicht ausgereicht. Wir benötigten die ganze Breite des Hanges. So mussten wir uns auch durch Tiefschnee und kleinen Bäumen durchkämpfen. Vor jeder Wendung wurde gehalten. Eine Kurve schafften wir sonst nicht. So hat es ewig gedauert, bis wir unten ankamen. Aber irgendwie sind wir immer wieder runter gekommen. Einer von uns hat sich einen Skibob gemietet. Dem erging es aber auch nicht besser als uns Skifahrern. Er raste im Schuss den Berg runter, bis es ihn schließlich hingeworfen hat. Aufgegeben haben wir aber nicht, auch wenn eine 30-Punkte-Karte zwei Tage gereicht hat.

Ein Sturz gehört dazu (c)Reinhard Heidle

Ein Sturz gehört dazu (c)Reinhard Heidle

Habt ihr auch den Einkehrschwung geübt?

 Den beherrschten wir von Anfang an perfekt! Im zweiten Jahr klappte es dann auch mit dem Skifahren schon etwas besser. Da kam es sogar hin und wieder vor, dass einer ohne Sturz die Abfahrt meisterte. Derjenige musste uns dann eine Runde Enzianschnaps auf der Buttermilchalm ausgeben. Geschmeckt hat uns dieser zwar nicht, aber für uns war er etwas typisch Österreichisches. Da eine sturzfreie Abfahrt nur selten vorkam, tranken wir immer gleich einen doppelten Schnaps aus kleinen Blumenvasen. In die Buttermilchalm sind wir immer gerne eingekehrt. Anfänglich haben wir Burschen uns in die Wirtschaft gesetzt. Doch schon bald haben wir bemerkt, dass man in der Küche viel schneller bedient wurde. Von da an haben wir uns auch immer in die Küche platziert. Dort war es immer eine Gaudi. Außerdem meinte es die Buttermilchalmwirtin mit uns jungen Burschen besonderes gut. Sie füllte unsere Teller jeden Tag randvoll mit ihrem Eintopf.

Was habt ihr unternommen, wenn ihr mit dem Skifahren fertig ward?

Nach dem Skifahren ging es auf die Kegelbahn in St. Martin. Das war immer ein Spaß! Durch ein Fenster sind wir zwischen Kegelbahn und Wirtshaus hin und her gehüpft. Oder wir sind ins Kino in Lungötz gegangen. Eingekehrt sind wir auch gerne beim Maierwirt in St. Martin. Dort entnahm sich jeder Gast seine Getränke neben der Theke selber. Auch der Besuch eines Heimatabends gehörte jedes Jahr zum Pflichtprogramm. Dabei war es gar nicht so einfach, dort einen Platz zu ergattern. Die Heimatabende waren früher immer sehr gut besucht.

Und das Essen im Lammertal?

Die Salzburger Küche ist sehr gut. Damals mit der Feuerwehr ist mir aber etwas Lustiges passiert. Ich wollte eine österreichische Spezialität kosten. Deswegen habe ich mir Salzburger Nockerl bestellt. Alle anderen hatten bereits gegessen, als meine Bestellung endlich serviert wurde. In Erwartung auf ein deftiges Fleischgericht war ich ganz schön erstaunt, als der luftige, süße Berg aus Teig vor mir stand.

Dem Lammertal bist du bis heute treu geblieben?

Ja, das Lammertal ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Die Menschen dort sind sehr gastfreundlich und herzlich. Daher bin ich bald nicht nur zum Skifahren ins Salzburger Land gekommen, sondern auch im Sommer und Herbst zum Wandern.

Herzlichen Dank für das nette Gespräch. Ich wünsche dir noch viele schöne Aufenthalte im Lammertal!

Das Lammertal immer eine Reise Wert

Urlaub in den Bergen hat bis heute nichts an Attraktivität verloren. Ob Sommer oder Winter, Urlaub im Lammertal ist immer lohnenswert.