Ein besonderer Kraftplatz für Wanderer und Jäger – die Hubertuskapelle

Im Salzburger Land locken im Herbst zahlreiche Wildwochen die Gäste in die warmen Wirtshausstuben und die Jagd ist in aller Munde. Zudem ist am 3. November der Gedenktag des Heiligen Hubertus – dem Schutzpatron der Jäger und Forstleute – dem zu Ehren viele Veranstaltungen stattfinden. Bei uns, ladet die Pucher Jägerschaft jährlich, seit über 20 Jahren, zur Hubertusmesse auf die Schönalm ein. Für mich und meine Familie, ist die Wanderung zur Hubertuskapelle seit Jahren ein Fixtermin im Tennengauer Wanderherbst.

Hubertusmesse Schönalm Puch im Salzburger Land
Hubertuskapelle auf der Schönalm in Puch
Marianne und Anton Hofstätter
Anton und Marianne vor der Hubertuskapelle auf der Schönalm

Doch warum gibt es diese Messe, wer ist eigentlich dieser Hubertus und was hat das alles mit den Jägern aus Puch zu tun?  Fragen über Fragen, auf die ich Antworten haben wollte und sie auch für Euch gefunden habe. Und da ich weder die Jagdprüfung, noch die notwendige Begeisterung für die Jagd besitze, habe ich mir Unterstützung von Marianne und Anton Hofstätter geholt. Zwei Jäger aus Leidenschaft und die Austragsbauern vom Schönbauergut im Hinterwiestal, zu dessen Hof die Schönalm mit der Hubertuskapelle gehört. Und so saßen wir eines Tages in der gemütlichen Bauernstube und es wurde erzählt, erzählt und erzählt.

Eine Hubertuskapelle entsteht

Alles begann damit, dass sich die Jäger aus Puch im November 1996 auf die Suche machten. Aber nicht etwa nach dem besten Bock in der Gegend. Nein! Sondern um den geeigneten Platz für die gewünschte Hubertuskapelle zu finden, so wie es bereits einige im Salzburger Land gab. Schnell wurde die Jägerschaft auch fündig und die Schönalm auf 910 Meter Seehöhe als idealer Platz auserwählt.

Hubertuskapelle auf der Schönalm in Puch
Pucher Jäger bei der Einweihung der Hubertuskapelle

Der Winter wurde damit vollbracht passende Steine im Wald zu sammeln, diese Findlinge dann mit dem Hochdruckstrahler im Tal zu säubern und gesäubert wieder zur Schönalm zurück zu bringen. Ebenso wurde das heimische Holz für die Kapelle gefällt und vorbereitet. Neben den gemauerten Steinen, besteht die Kapelle aus Fichtenholz und das Dach ist mit Lärchenschindeln gedeckt. Darauf ein kleiner Glockenturm, eine Schmiedeeiserne Tür und ein Holzzaun als Schutz rund herum. Alles in feinster Handarbeit von den Pucher Jägern selbst erbaut. Und so steht sie nun da, die Hubertuskapelle mit der Inschrift „St. Hubertus zu Ehren“.

Der Bronzenguss vom Hl. Hubertus mit Hisch von Herbert Trapp
Der Bronzenguss vom Hl. Hubertus mit Hirsch von Herbert Trapp

Im inneren der Kapelle befindet sich dazu ein Bronzeguß von Bildhauer Herbert Trapp (1936-2004), der auch wohnhaft in Puch war. Das bronzene Relief zeigt, dass besondere Ereignis rund um die Legende von dem Heiligen Hubertus. Und die Geschichte dazu, geht so…

Hubertus, der Schutzpatron der Jagd

Allseits ist Hubertus als Schutzpatron für Jäger und Forstleute bekannt. Doch wer ist dieser Heilige und woher kommt er? Der Legende nach wurde Hubertus als Sohn von Herzog Bertrand von Toulouse im Jahr 655 geboren. Als Edelmann wusste er mit Waffen umzugehen und nach einer siegreichen Schlacht mit dem höchsten Beamtenstatus belohnt. Nachdem seine Ehefrau bei der Geburt des ersten Sohnes verstarb, suchte er neben allerlei weltlichen Vergnügen auch jahrelange Ablenkung auf der Jagd in den Wäldern des Ardennengebirges.

Eines Tages zielte er gerade mit der Armbrust auf einen wohlgebauten Hirsch, als sich dieser plötzlich umdrehte. Da erschien ihm auf einmal ein leuchtendes Kruzifix (Kreuz) zwischen dem Hirschgeweih und es ertönt eine Stimme mit den Worten: „Hubertus, warum jagst du nur deinem Vergnügen nach und vertust die wertvollste Zeit deines Lebens!

Tief berührt von diesem Ereignis, wirft der leidenschaftliche Jäger seine Waffe weg, beschloss sein Leben zu ändern und legte alle Ämter zurück, um schlussendlich Priester zu werden. Um das Jahr 700 wurde Hubertus dann zum Bischof von Maastricht geweiht und später im Jahr 993 als Heiliger amtlich ins Verzeichnis aufgenommen. Bis heute verehren ihn die Jäger als Schutzpatron. Sie haben sich in Gedanken an ihm, zur Aufgabe gemacht, mit Wild und Wald in gottgefälliger Weise umzugehen.

Quelle &  weitere Infos zum Heiligen Hubertus unter: www.ooeljv.at www.katholisch.de

Deshalb war es der Pucher Jägerschaft auch wichtig, die Hubertuskapelle auf der Schönalm zu errichten, welche am 19. Oktober 1997 feierlich mit rund 400 Besuchern eingeweiht worden ist. Aus der Einweihung entstand die jährliche Hubertusmesse in Puch. Ein Fest für alle Liebhaber der Jagd und denjenigen, die gerne gemütlich wandern und schöne Stunden auf der Alm genießen wollen.

Hubertusmesse Schönalm Puch im Salzburger Land
Einweihungsfest der Hubertuskapelle 1997 (c) Hofstätter

Wandern zur Messe auf der Alm

Viele Wege führen zur Hubertuskapelle. Von Wiestal aus, über die Erentrudisalm in Elsbethen und von St. Jakob am Thurn oder direkt von Puch ausgehend. Eine Beschreibung findet Ihr in der Tennengauer Tourenkarte:

Rechnet für die Wanderung genügend Zeit mit ein, besonders wenn ihr mit kleineren Kindern unterwegs seid. Denn die Festmesse beginnt pünktlich um 11.00 Uhr und wird dieses Mal wieder von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schleinzer festlich gestaltet.

 

Nach der Festmesse ladet die Pucher Jägerschaft zu erfrischenden Getränken, heiße Würstel und selbstgemachten Mehlspeisen ein. Dazu spielt die „Blechzug Musi“ aus Oberalm auf und die Kinder können sich einstweilen im Wald austoben. So manche Gäste starten mit dem Heimweg erst zu Sonnenuntergang und genießen die gemütlichen Stunden auf der Alm, bis zum letzten Sonnenstrahl.

Hubertusmesse Puch
Musikalische Unterhaltung nach der Festmesse mit Blick auf den Untersberg

Die Hubertusmesse finden zudem bei jeder Witterung statt. „Wobei es in den letzten 23 Jahren sehr schöne Almtage waren und die Hubertusmesse erst einmal nicht stattgefunden hat, da lag aber auch Schnee auf der Alm“ so Marianne.

Hubertusmesse Schönalm Puch im Salzburger Land
Hubertuskapelle auf der Schönalm

Wenn das Jagdhorn schallt!

Besonders ist jedes Mal auch die musikalische Gestaltung der Festmesse mit den Oberalmer und Pucher Jagdhornbläsern. Das Jagdhornblasen als wichtiger Bestandteil des jagdlichen Brauchtums, zählt als altes Kulturgut und wird im heutigen Jagdbetrieb noch gepflegt.

Gespielt wird eine eigens für das Jagdhorn komponierte Messe von Komponist Anton Othmar Sollfelner – die Thomasberger Hubertusmesse. Dazu gibt es weitere Stücke fürs Jagdhorn, wie etwa Märsche und Kompositionen von Haydn. Unser Hornmeister Josef Gimpl schaut immer darauf, dass neue Stücke gelernt werden. Mittlerweile sind es über 40 Stück im Notenheft.“ erklärt mir Anton, der selbst Mitglied der Jagdhornbläser ist. So gibt es die Jagdhornbläser auch unterm Jahr, beim Jägerball, Adventmärkte und diversen Feierlichkeiten, auch außerhalb von Puch und Oberalm zu hören.

Hubertusmesse Schönalm Puch im Salzburger Land
Oberalmer und Pucher Jagdhornbläser

Der Bruch: Auszug aus dem Jäger-Latein

Zu Ehren der verstorbenen Jäger wird bei der Festmesse ein Kranz aus Tannen und diversen Sträuchern, bei der Hubertuskapelle niedergelegt. Darin dürfen alle anwesenden Jägerinnen und Jäger ihren Bruch ablegen. Dazu stecken sich alle Jäger vor der Festmesse einen Tannenzweig als „Standesbruch“ auf die linke Seite vom Jägerhut (nicht rechts) und legen es zu Ehren nacheinander vor der Hubertuskapelle ab. Währenddessen spielen die Jagdhornbläser „Jägers Abschied“. Besonders die älteren Jägern ist der Text von Carl I. F. Umlauf dazu auch bekannt. Die Anfangszeilen davon lauten: “Geh, Diandl liabs, hiaz muaß i fort, Noch unbestimmt an welchen Ort, Wir werden uns einst wiedersehn, Wenn wir vorm Traualtare stehn….”

Zur Erklärung – Standesbruch oder Beutebruch?

Der „Standesbruch“ mit dem Tannenzweig, ist nicht mit dem „Beutebruch“ zu verwechseln. „Dieser kleine Zweig am Hut befindet sich auf der rechten Seite und kann auch ein Almrausch, ein Asterl vom Laubbaum oder Strauch sein. Eben das Stück Natur, dass der Jäger bei der gerade erlegten Beute findet“, erklärt mir Marianne. Wenn der Jäger alleine gejagt hat, bricht er sich selbst den Bruch und benetzt ihn symbolisch mit Schweiß. Waren aber mehrere Jäger daran beteiligt, überreicht der Jagdleiter dem Jäger mit einem Handschlag den Bruch. Der Bruch bleibt einen Tag lang am Jägerhut und es wird auch immer nur ein Bruch getragen. Um es besser zu merken gibt es den Merkspruch: „Rechts Reh, links Leich“.

Der „Standesbruch“ auf der linken Seite, wird auch bei Begräbnissen getragen. Zudem gibt es noch einige weitere Brüche, die direkt bei der Jagd angewendet werden. Genaueres könnt ihr beim OÖ Landesjagdverband nachlesen.

Die Jagd: Leben & Wissen

Das Jägerleben ist – aus meiner Sicht – ein Sache für sich! Viel Leidenschaft für den Wald, Interesse am Wildbestand und generell viel Freizeit wird für die Jagd investiert. Für Marianne ist es einfach die “Zeit in der Natur” die sie an der Jägerei so sehr schätzt und für Anton steht auch nicht die Trophäe im Vordergrund: “Großteils wird nur beobachtet und im Winter muss jeden 2. Tag den Tieren das Futter gebracht werden.” Als Jäger hat man also auch so seine Pflichten und man muss sich an einige Regeln halten. So ist im Abschussplan genau geplant, wer und wieviel aus dem Wildbestand genommen werden darf. Dazu muss ein Abschuss gemeldet werden und ohne Jagdkarte bzw. Jagdschein, sowie der Jungjägerprüfung geht in Österreich sowieso gar nichts. Aber wenn ihr dazu genauere Informationen sucht –  besucht die Salzburger Jägerschaft!

Wild beim Vollererhof Wildgehege

Denn so als Nicht-Jäger freue ich mich einfach auf das schöne Ambiente bei der Hubertusmesse, den standesgemäß gekleideten Jägerinnen und Jäger mit dem Standesbruch am Jägerhut und die einmaligen Klängen der Jagdhornbläser. Und wer gerne Wildtiere sehen möchte, wandert beim Wildgehege beim Kurhotel Vollererhof vorbei. Dort könnt ihr Damwild und Rotwild beobachten.

Hubertusmesse Schönalm Puch im Salzburger Land
Hubertuskapelle

Die Hubertuskapelle ladet ein

Also Bergschuhe putzen und Wanderstöcke suchen! Die nächste Hubertusmesse findet 2019 am Sonntag, den 20. Oktober statt und die Pucher Jägerschaft freut sich auf Euer Mitfeiern und das gesellige Beisammensein nach der Festmesse. Die Hubertuskapelle auf der Schönalm ist ein kleines Juwel, für viele Wanderer ein bedeutender Kraftplatz und für Naturliebhaber stets ein besonderes Wegziel zur erholsamen Rast. Danke an Marianne und Anton Hofstätter für die Einblicke in das Jägerleben und die Geschichten über die Hubertusmesse. Und zum Abschluss noch eine überlieferte Bauernregel für den 3. November – dem Gedenktag des Heiligen Hubertus:

“Bringt Hubertus Schnee und Eis, bleibt’s den ganzen November weiß.”

TIPP: Im Mai findet am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt auf der Schönalm immer die Maiandacht bei der Hubertuskapelle statt.
Hubertusmesse Schönalm Puch im Salzburger Land
Hubertusmesse bei der Schönalm

Hier geht`s zur Hubertuskapelle auf der Schönalm in Puch:

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