Hollerkoch – ein Geschmackserlebnis der Kindheit

Ihr kennt das sicher: es gibt Gerüche, die man sofort mit der Kindheit verbindet. So ist das bei mir daheim, wenn Hollerkoch gemacht wird. Dieser ganz besondere Duft, wenn die dunklen Beeren verkocht werden, lässt das Gefühl durch die reifen Früchte den Sommer noch einmal aufleben, gibt aber durch die Gewürze bereits eine Vorahnung auf den nahen Herbst. Auf das Heimkommen und “heimelig” werden. Und ein ungeschriebenes Gesetz bestimmte, dass Hollerkoch ausschließlich von unserer Oma zubereitet wurde. Da kam die ganze Familie zum Mittagessen bei ihr zusammen, genoss das herrliche “Koch”, das man am besten mit einem Mus übersetzen könnte und ließ es sich schmecken. Dazu serviert wurden meist Krapfen und Kaffee.

Heute aber gibt es das Hollerkoch, das auch als Hollerröster bekannt ist, meistens als fruchtige Nachspeise bei uns. Und, wie so viele Rezepte aus der regionalen Küche, ist es mit wenigen Zutaten leicht herzustellen und schmeckt großartig.

Hollerkoch Zutaten für 2 Personen

  • 2 Äpfel
  • 300 g Hollerbeeren
  • 60 g Zucker
  • 1 Prise Zimt (naja, bei mir ist es meist mehr als eine Prise, da ich Zimt liiiiiebe)
  • 1 Schuss Rum
  • 1/2 Pkg. Vanillepuddingpulver

Die Äpfel schälen, entkernen und klein würfeln. Da wir in dieser Jahreszeit früchtetechnisch aus dem erntefrischen Vollen schöpfen können, gebe ich manchmal auch ein paar reife Zwetschken, Brombeeren und/oder Birnen dazu. Die Hollerbeeren kommen aus meinem Garten, in diesem Jahr hängen besonders viele am Holunderstrauch. Ein paar lasse ich dabei immer für die Vögel hängen. Auch sie sollen etwas von der guten Ernte haben.

Die Beeren werden nun verlesen, von Stiel und Dolde befreit und gewaschen. 300 ml Wasser werden in einem Topf aufgekocht, Zimt, Zucker, Äpfel (und wahlweise weiteres Obst) sowie die Hollerbeeren beigegeben. Apropos Zimt, da ich von Gewürzen generell nicht genug bekomme, gebe ich auch meist noch Nelkenpulver, Piment oder auch Kardamom hinzu. Jeweils nur in Prisenmengen, das reicht schon für den Geschmack.

Nun wird alles so lange gekocht, bis das Obst weich ist. Das dauert meist nur gute zehn Minuten. In der Zwischenzeit rühre ich das Puddingpulver mit 2 EL kaltem Wasser glatt. Den Rum in das fertig gekochte Obst geben und alles mit dem Puddingpulver binden. Ja, und dann ist das Hollerkoch auch schon fertig!

Daheim servieren wir das Hollerkoch noch heiß, mein Bruder schwört auf die Kugel Vanilleeis dazu. Ihr könnt das Hollerkoch aber auch durchaus kalt genießen, ich denke, die Gewürze schmeckt man auch hier sehr gut heraus.

 

Kleine Holunderkunde

Wenn die dunklen Beeren von den Sträuchern leuchten, ist der Herbst nicht weit. Wichtig ist, nur wirklich reife Beeren zu pflücken und weiter zu verarbeiten – nicht roh essen! In den Beeren sind im rohen Zustand Bestandteile, die für Menschen unverträglich sind und Übelkeit, Brechreiz und Magenbeschwerden hervorrufen. Roh schmecken sie wirklich nur den Vögeln ohne Nebenwirkung.

Hollerbeeren enthalten aber wichtige Spurenelemente wie Folsäure, Eisen und Kalium. Bekannt sind sie vor allem wegen der großen Menge an Vitamin C. Schon die alten Griechen wussten um das gesunde “Kraftpaket Holler” und den Kelten war der Baum sogar heilig. Übrigens: die Germanen weihten den Holunder einer bis heute sehr bekannten Gottheit, nämlich “Frau Holle”. 

Aufgrund seiner Heilkräfte in den Beeren wird das Hollerkoch bei uns daheim schon eigentlich immer als Hausmittel verwendet. Dazu wird das Mus nach dem Kochen in Gläser abgefüllt und luftdicht verschlossen. Wenn sich dann im Winter eine Erkältung in meiner Familie ankündigt, wird das Hollerkoch mit heißem Wasser aufgegossen und so warm wie möglich in kleinen Schlucken getrunken. Für die Erwachsenen gibt es dazu noch einen Schuss guten Schnaps hinein. Na, wenn das nicht wirkt …

 

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