Schon bevor die ersten Sonnenstrahlen vom Tag künden, beginnt im Frühjahr ein grandioses Vogelkonzert. Amseln, Drosseln, Fink und Star singen was ihre Kehlchen hergeben. Sobald der Kuckuck ruft, beginnt die warme Zeit. Im Sommer verstummt das Vogelkonzert und im Herbst machen sich viele Piepmätze wieder auf die Reise in den warmen Süden.

“Hast du den Kuckuck gehört?”, fragt mich eine Freundin bei einem Spaziergang rund um den Eglsee in Abtenau. Ich bleibe stehen und lausche. Ein Buchfink zwitschert auf einem Ast einer nahen Buche, ein anderer piepst zurück. Und ein Amselmännchen singt dazwischen. Blaumeisen fliegen emsig hin und her, hüpfen auf dem Waldboden und picken Futter auf. Ein Stieglitz lässt sich auf dem Wipfel einer Fichte nieder. Von dieser Aussichtswarte aus, beobachtet dieser bunte Vogel die Umgebung. Kuckuck-Rufe höre ich nicht. Ich lausche und vernehme endlich: “Kuckuck. Kuckuck. Kuckuck.” Sogleich hole ich meine Geldbörse aus dem Rucksack und schüttle diese, denn im Volksmund heißt es: “Wenn der Kuckuck ruft, schüttle deine Geldbörse. Dann ist das ganze Jahr Geld darin.” Ich bin zwar nicht abergläubisch. Mache es aber jedes Jahr trotzdem sobald ich den Ruf dieses Zugvogels höre.

Buchfink © Hans Glader

Blaumeise © Josef Limberger

Vogelkonzert im Frühling
Amseln trällern im Frühling schon vor Sonnenaufgang ihr Lied. Sie sitzen auf dem Wipfel einer Fichte oder Tanne und pfeifen was ihre Kehlchen hergeben. Mit dem Sonnenaufgang stimmen nach und nach andere Sänger in das vielstimmige Vogelkonzert mit ein. “Der Hauptgrund, warum die Vögel ihre morgendlichen Zwitscherkonzerte abhalten, ist zu signalisieren: Hier ist mein Revier!“, erklärt Vogelkundlerin Christine Medicus vom Haus der Natur in der Stadt Salzburg. Um ihr Revier abzugrenzen und zu verteidigen, pfeifen die Männchen jedem Vogel etwas, der ihnen ins Gehege kommt. Zudem locken sie damit Weibchen an. Je mehr Konkurrenz die Männchen haben, desto mehr singen sie”, sagt Medicus. Und es ist wie ein Wechselgesang. Wenn einer anfängt, setzen die anderen ein.
Was die Kräfteökonomie betrifft, lohnt sich das Gesangsverhalten der Vögel für den einzelnen Sänger ebenso wie für seine Zuhörerinnen und Zuhörer, besagen Studien der Berliner Humboldt-Universität. Demnach können Vögel im Gesangsduell ihre Kräfte viel schonender messen als in Revierkämpfen. “Wenn die Reviergrenzen klar sind, reicht es, wenn das Männchen an den Grenzen singt”, beobachtet Medicus.

Das Amselmännchen füttert seine Jungen © Otto Reder

Der Kuckuck ruft und taucht dann im dichten Blattwerk unter
Meine Augen suchen den Rufer. Endlich entdecke ich das gut getarnte Tier auf einem Baum. Nach seinem Ruf fliegt der Kuckuck weiter und verschwindet bald im Blätterwerk eines weiter entfernten Baumes. Wieder höre ich seinen Ruf und freue mich.

Kuckuck © Gerhard Woschitz

Der Kuckuck (Cuculus canorus) ist circa so groß wie eine Taube. Nur das Kuckucks-Männchen ruft. Dieser Zugvogel hat eine Flügel-Spannweite von circa 60 und einer Körperlänge von gut 30 Zentimetern. Im Flug sieht diese Art einem Sperber ähnlich, hat jedoch spitzere Flügelenden. Im Sitzen fächert und hebt er oft den gestuften Schwanz leicht an. Die Flügel spreizt er ebenfalls etwas ab. Uhrmacher früherer Zeiten haben diesen Vogel genau beobachtet und ihn samt seinem Ruf in einer Kuckucksuhr nachempfunden. So können die Besitzer das ganze Jahr den Ruf des Frühlingskünders hören.

Spechte trommeln im Wald
Wir wandern weiter und tauchen auf einem schmalen Wanderweg in den Wald ein. Da hören wir ein schnelles Tak.Tak.Tak. Ein Specht holt sich sein Mittagessen oder grenzt sein Revier ab. Wir entdecken den Buntspecht. Er klopft solange in den Baumstamm bis er sich die Maden herausfischen kann.

Buntspecht © Josef Limberger

Vogelliebhaber gehen mit ihrem Fernglas in den Wald um die Piepmätze besser beobachten zu können. Dagmar Breschar vom Naturschutzbund braucht dazu keines. Momentan begeistert sie die Spatzenbande vor ihrem Haus. “Sie fliegen im Schwarm von einer Straßenseite auf die andere und schimpfen”, erzählt sie lachend. Stieglitze oder auch Distelfinken (Carduelis carduelis) genannt, zählen ebenso zu ihren Lieblingsvögeln. Wenn jemand einen Garten hat wäre es schön, wenn die Blumen blühen und fruchten dürfen. Breschar: “Disteln sind wertvolle Blumen mit nahrhaften Samen im Herbst. Für den Distelfink sind diese überlebenswichtig.”

Stieglitz © Hans Glader

Im Sommer wird es ruhiger im Wald und auf der Wiese. Sobald die Reviergrenzen abgesteckt sind, singen Männchen seltener. Sie suchen nach Nahrung für ihre Jungen und um die heiße Mittagszeit ein schattiges Plätzchen für ein Nickerchen. Im Herbst sammeln sich die Zugvögel und dann geht`s ab in den Süden. Im nächsten Jahr kommen sie wieder und beginnen ihr Lied von neuem.

Titelbild Singdrossel © Wolfgang Schruf
Fotos hat der Naturschutzbund für diesen Artikel zur Vergügung gestellt. Vielen Dank dafür! Titelbild Singdrossel © Wolfgang Schruf

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