Ein fast vergessenes Rezept

Die Wuzelnudeln – nicht zu verwechseln mit Schupfnudeln (!) – sind ein ganz besonderes Gericht aus Abtenau. Soweit ich weiß, gibt es die nur bei uns – und auch hier geraten sie immer mehr in Vergessenheit. Die Zubereitung ist einfach viel zu aufwendig – aber der Geschmack dafür einzigartig, kein Vergleich mit klassischen Nudeln aus dem Geschäft!

Meine Oma hat die kleinen Wuzerl früher oft gemacht, denn fertige Nudeln gab es damals nicht zu kaufen und sie hatte Zeit in Hülle und Fülle.

Das einzige Rezept, das ich je in Schriftform gesehen habe, entdeckte ich im Kochbuch “Postwirt-Schmankerl” von Frau Windhofer, der Senior-Wirtin vom Hotel Post in Abtenau.

Kochbuch "Postwirt-Schmankerl", Gasthof Post in Abtenau

Dieses “Kochbüchl” hat Frau Windhofer zum 100. Geburtstag ihres Familien-Betriebes zusammengestellt und veröffentlicht. Darin findet man klassische Hausmannskost aber auch altbewährte Heilmittel wie Hustensäfte, Nervenkeks, Salben und sogar ein Lebenselixier – und eben auch schon fast vergessene Rezepte aus Abtenau, wie die Wuzelnudeln.

Mein Rezept hier ist eine Kombination aus den Varianten, die ich in Erfahrung bringen konnte.
Die Fotos kommen von meiner Kollegin Petra Gsenger (vielen Dank dafür!).

Zutaten für den Teig (reicht für ca. 7 Personen):

  • 1 kg griffiges Mehl (Frau Windhofer mischt Weizen- mit Roggenmehl)
  • 1,5 EL Salz
  • 0,6 l kochendes Wasser

Zubereitung:

100 g Mehl mit dem kochenden Wasser “abbrennen” und dann mit dem restlichen Mehl und dem Salz zu einem festen Teig verarbeiten. Je mehr man knetet, umso geschmeidiger wird er. Dann die Masse zu einer Rolle formen und in gleichmäßige Stücke schneiden.

Von diesen Stücken reißt man immer ganz wenig ab und “wuzelt” es zwischen Finger und Handfläche. Das “Wuzeln” nimmt ganz schön viel Zeit in Anspruch, besonders wenn man – wie ich – nicht geübt darin ist. Bei der Oma allerdings wurde einem beim Zuschauen fast schwindelig – so schnell ist das gegangen. Ich habe auch gehört, dass die Wuzelnudeln nur “original” seien, wenn sie über den nackten Oberschenkel gewuzelt wurden – das ist aber nur ein Gerücht (hoffe ich).

Die fertigen Wuzerl werden ca. 5 Minuten in Salzwasser wallend gekocht und dann abgeseiht.

Geselchtes Rindfleisch, etwas Speck und Zwiebel fein schneiden, in Butter kräftig anrösten und mit den gekochten Wuzerl vermischen. Je nach Geschmack würzen.

Abtenauer Wuzelnudeln, beim Essen

Dazu passt am Besten ein grüner Blatt-Salat. Und wenn man es ganz original machen möchte, stellt man die Pfanne in die Mitte des Tisches und jeder bekommt einen Löffel.
Da ist es auch noch empfehlenswert, sich einen guten Witz zu überlegen – und während die anderen am Tisch sich die Bäuche halten, vor lauter Lachen, kann man ganz ungestört die köstlichen Wuzelnudeln genießen. Guten Appetit!

2 Antworten zu “Es wird “gewuzelt” – Abtenauer Wuzelnudeln”

  1. Hallo,

    kann meine Großmutter in Golling in meiner Kindheit auch oft zubereitet. Habe ich sehr gerne gegessen.
    Außerdem werde ich ihre Tomatensuppe nie vergessen. Es kam immer eine Prise Zimt hinein. Mache ich heute auch noch.
    Liebe Grüße aus dem Rheinland
    Monika

  2. Hallo Monika,
    freut uns, dass unser Beitrag Dich an Deine Oma und an Ihr Essen erinnert hat.
    Mal ganz ehrlich…Oma’s Essen war einfach ein Hit!
    Liebe Grüße aus dem Tennengau
    Alexandra

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