Der Geschichte vom Heimatmuseum Bad Vigaun auf der Spur

Jetzt wohne ich doch schon einige Jahre in Bad Vigaun und bin noch nie in unserem kleinen Heimatmusem – auch als „Mesnerhäusl“ bekannt, bei einer Führung dabei gewesen. Auf der Anschlagetafel im Tourismusverband Bad Vigaun hole ich mir die Informationen zu den Führungsterminen. Beim Museum angekommen bewundere ich erst einmal den schönen Blumenschmuck bei den Fensterbänken, welcher jedes Jahr auf’s Neue erblüht. Hier pflegt sichtlich jemand die Blumen, mit einem riesengroßen grünen Daumen! :-)

Beim Eintreten ins Museum muss ich aufpassen, damit ich mir den Kopf nicht stoße. Da merke ich erst, wie alt dieses Haus wirklich ist.

Bevor ich zu den einzelnen Räumlichkeiten gehe, möchte ich noch erwähnen, dass Herr Dir. Josef Neureiter, der 1962 als Schulleiter nach Bad Vigaun kam, seine ganze Kraft in dieses Objekt gesteckt und das ehemalige „Armenhaus“ vor dem Verfall gerettet hat.

Das Häuschen war damals in einem recht desolaten Zustand – nicht so wie heute mit Holzschindeln, weißgetünchten Wänden, Bretterbalken und Blumen an den Fenstern.

 

Die Renovierung vom Heimatmuseum

Das Gestalten und Einrichten des Museums war eine Herausforderung. Nach einem Aufruf an die Bevölkerung, wurden Herrn Neureiter viele Gegenstände und brauchbare Geräte zur Verfügung gestellt. Die Verwirklichung dieses Vorhabens war nur möglich, weil er in diesen drei Jahren jede freie Stunde und die Ferienzeit größtenteils zur Bewältigung dieser Aufgabe widmete.

Die Finanzierung, damals rund 300.000 Schilling, musste das Land übernehmen da die Gemeinde außer der Zurverfügungstellung des Objektes zu keiner finanziellen Leistung bereit war.

Vermutlich hätte er dieses Projekt nicht in Angriff genommen, wenn er schon vorab gewusst hätte, wie viele freiwillige Arbeitsstunden er leisten müsse.

Natürlich war er dann sehr stolz auf sein Ergebnis als es fertig war. Im Rahmen der 1. Bildungswoche in Vigaun wurde das Mesnerhäusl 1966 von Herrn Pfarrer Franz Brunauer, feierlich umrahmt von den örtlichen Vereinen, eingeweiht.

 

Im Vorhaus angekommen, fällt mein Blick sofort auf den offenen Herd. Auf der Feuerstelle steht der Dreifuß mit einer Muaspfanne. Hinter der Feuerstelle ist noch eine Maueröffnung, damit die warme Luft in die Wohnstube zum Mitheizen gelangt.

Angeregt von der Muaspfanne, hier ein Rezept für ein Holzknechtmuas. Dies war früher eigentlich ein kräftiges Armenessen, aber in der heutigen Zeit wieder eine gern gegessene Mahlzeit.

Rezept Holzknechtmuas

Zutaten:

  • ½ kg Weizenmehl
  • ½ l Milch
  • Salz
  • 200 g Butter

Zubereitung:

Es handelt sich dabei um ungefähre Mengenangaben. Das Muas wird meist nach Gefühl zubereitet. Das gesalzene Mehl in eine Schüssel geben und die kochende Milch leicht einrühren.

Der Teig soll noch etwas mehlig sein. In einer Pfanne reichlich Butter erhitzen, den Teig kurz anbacken und auf kleiner Flamme die Masse immer wieder wenden und zerkleinern bis das Muas leicht gebräunt ist. Man kann vor dem Servieren noch Apfelscheiben oder Kirschen unterheben.

Zucker darüber streuen und schmecken lassen!

Guten Appetit!

Die verschiedenen Räumlichkeiten im Museum

Das Stüberl

Der nächste Raum ist das Stüberl mit einem gemütlichen Kachelofen, der alten Bauerntruhe und dem Herrgott, geschnitzt von Kasparek. Dieser war einer der letzten Bewohner, der sich als Herrgottschnitzer einen Nebenverdienst erwarb. An der früher mit Ochsenblut gebeizten, rußgeschwärzten Holzdecke hängt eine Petroleumlampe.

Der Nebenraum

Eine Vitrine auf einer Marmorplatte birgt verschiedene Funde aus früherer Zeit. Bei einer Führung kann man sich viele alte Fundstücke anschauen, welche alle in der Gegend von Bad Vigaun gefunden wurden.

Das Milchkammerl

Vom Vorhaus kommt man ins Milchkammerl. Dort befindet sich eine Brotrebe, alte Gewichtsteine, Zuckerzange, Rührkübel und Almgerät. Besondere Aufmerksamkeit verdient das sogenannte „Halla Schaffö“ – Halleiner Schaff. Das wurde früher von den Bergbäuerinnen mit Butter und Schotten gefüllt und auf dem Kopf nach Hallein zum Markt getragen. Auch den Ausdruck „Halla Tasch“ gab es. Das ist ein Korb oder Stoffsackerl, das verwendet wurde, wenn man nach Hallein zum Einkaufen gegangen ist.

Der Söller

Eine alte Holzstiege führt in den oberen Stock. Jagdtrophäen, alte Fallen, Holzknecht Werkzeug, eine Bergsteiger Ausrüstung sowie alte Schier und Schneereifen sind zur Schau gestellt.

Das Plumpsklo

Natürlich gab es früher auch keine richtige Toilette. Das Plumpsklo erregt bei den Besuchern immer besondere Heiterkeit. Aber viele Leute kennen das ja noch von der Kindheit.

Das Schlafkammerl

Das Schlafkammerl mit dem bemalten Bett, dem alten Bauernkasten, der Kommode mit dem Glaskasterl, der Wiege und dem sogenannten„Flohkisterl“ strahlt eine gewisse Geborgenheit aus.

Das Flohkisterl ist das Bett für Kleinkinder, wenn das Baby aus der Wiege rausgewachsen ist.

In den ärmlichen Verhältnissen vieler Bauernfamilien in der Region, hatte man die Kinder auch in Kommoden gelegt. Die Schubladen wurden rausgezogen und somit hatte das Kleinkind einen Schlafplatz

Das Nebenkammerl

Im Nebenkammerl steht die letzte alte Schulbank mit Schiefertafel und altem Lesebuch. In einer Vitrine kann man die alte Festtracht der Bäuerinnen bestaunen.

Der Dachboden

Zuletzt besuchen wir noch den alten Dachboden. Auf dem sind alte bäuerliche Geräte, wie ein Holzpflug, die Getreide-Putzmühle, Brechl und Hachel, Krauthobel und ein Marktwagerl untergebracht.

 

Am Ende der sehr interessanten Führung bin ich dann doch wieder froh, dass ich ohne Beule am Kopf wieder nach draußen gehen kann.

Wer jetzt Lust und Laune auf eine Führung im Bad Vigauner Heimatmuseum bekommen hat, ist jederzeit herzlich dazu eingeladen.

Die Führungen im Heimatmuseum sind kostenlos!

Die nächsten Führungen in der Saison 2019 finden jeweils von 18:30 Uhr bis 19 Uhr statt:

  • 16. Mai
  • 6. + 27. Juni
  • 11. Juli
  • 1. + 22 August
  • 12. September
  • 3. Oktober

 

Parkmöglichkeiten beim Nah & Frisch Bad Vigaun oder beim Feuerwehr- und Vereinshaus Bad Vigaun.

Hier geht`s zum Heimatmuseum “Mesnerhäusl” in Bad Vigaun

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