Schatztruhe Dürrnberg

Heute bin ich in Hallein im Keltenmuseum unterwegs. Ich dachte mir ich stöbere mal im Keller oder im Dachboden und suche nach den Schätzen des Dürrnbergs. Dr. Anna Holzner, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Keltenmuseum Hallein und Expertin für die archäologischen Grabungen am Dürrnberg, zeigt mir die wertvollen Schätze, die je am Dürrnberg gefunden und im Keltenmuseum Hallein ausgestellt wurden.

 

c Keltenmuseum Hallein Andreas Hechenberger

 

Die Schnabelkanne vom Dürrnberg

Es war im September 1932, als der Grabungsleiter Oliver Klose einen eigenartig geformten Hügel am Fuße des Mosersteins auf dem Dürrnberg entdeckte. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen keltischen Grabhügel handelte, der bereits in der Antike beraubt wurde. Bei der Ausgrabung legte man in 25 Zentimetern Tiefe einen Steinkranz frei, indem sich eine hölzerne Grabkammer befunden hatte. Nur mehr wenige Stücke der einstigen Grabausstattung konnten gefunden werden: Eiserne Radreifen eines hölzernen Streitwagens, Reste von Gefäßen und – eine wahre Sensation – eine Schnabelkanne aus Bronze. Die Frau des Bezirkshauptmanns von Hallein – Nora von Watteck – nahm an der Grabung teil und berichtete über die Auffindung:

Prof. Klose saß innerhalb der ovalen Steinumwallung und war dabei, Scherben frei zu legen. Er bat mich, den Bronzegegenstand der unter einem Steinblock steckte und nur mit der Spitze heraus sah, frei zu legen. Als ich begann die Erde und Wurzeln zu entfernen, kamen die elefantenartigen Tiere am Hals des Gefäßes zum Vorschein. Ich grub und grub, ohne dass sich der Umfang des Gegenstandes abzeichnete. Auf eine derartige Form war man durch keine Abbildung anderer Funde vorbereitet. Ich hob sie feierlich heraus und hielt sie hoch empor. Da erst ließ Prof. Klose von seiner Keramik ab. Sofort begann er mit der Vermessung der Kanne.

Bisher wurden nur wenige keltische Schnabelkannen aus Bronze gefunden. Die Gefäße gelten als Meisterstücke keltischer Handwerkskunst und sie belegen – durch ihre Formensprache – den kulturellen Austausch der Kelten mit Griechen und Etruskern.

 

Die Goldkugeln vom Dürrnberg

Ein sehr heißer August im Jahr 2001, der lehmige Boden am Eislfeld war steinhart und kaum zu bearbeiten. Ein Bagger lieferte die Vorarbeit, indem er die Oberfläche abschob. Bei einer Sondierung mit dem Metallsuchgerät gab es einen deutlichen Ausschlag. Bei der Bodenuntersuchung kam knapp unter der Oberfläche ein massiver gerippter Beinring aus Bronze zum Vorschein. Es handelte sich um ein Frauengrab aus der ausgehenden Hallstattzeit (um 450 v. Chr.), in der dieser Schmuck von Frauen getragen wurden. Eine ausreichend große Fläche wurde ausgemessen und dann mit der Freilegung begonnen. Die Steinsetzung der Grabkammer musste zuerst festgestellt werden, dann erst konnte der Bereich innerhalb der Kammer untersucht werden. Vom Skelett war außer einem Schienbein und einigen Zähnen nichts mehr zu finden. Dort wo der Kopf liegen sollte fanden sich neben- und untereinander fünf Fibeln, körbchenförmige Haarringe aus Gold und zusammengedrückte Halbkugeln aus dünnem Blattgold, mit geometrischen Mustern verziert. Zur Sicherheit – solange der Fund nicht geborgen werden – konnte hielten GrabungsteilnehmerInnen abwechselnd Grabwache. Nach der Restaurierung, die fast ein Jahr dauerte, stand fest, es handelt sich hier um einen bis dahin für den Dürrnberg und auch sonst in der keltischen Welt einzigartigen Schmuck. Sieben verschieden große Kugeln aus Goldblech, zusammengesetzt aus zwei Hälften, verziert mit punzierten geometrischen Mustern. Die Größe der Kugeln (zwischen ca. 5 und 6 cm) lässt vermuten, dass sie am Kopf getragen wurden und nicht um den Hals. Die Grabausstattung weist auf eine sozial hochgestellte Frau hin. Aufgrund des schlecht erhaltenen Skeletts konnte lediglich das Alter der Frau ermittelt werden, das zwischen 16 und 25 Jahren liegt.

 

 

Bernstein und schön geformte Bronze

Unter der Grabungsleitung von Kurt Zeller wurde 1967 am Eislfeld auf dem Dürrnberg in 90 Zentimetern Tiefe ein weibliches Skelett gefunden. Die vergangene hölzerne Grabkammer konnte nur noch durch, an Metallgegenständen ankorrodierte, Holzreste nachgewiesen werden. Das Skelett selbst war ebenfalls stark vergangen. Anthropologische Untersuchungen legen nach, dass es sich im eine 25 bis 35-jährige Frau handelt. Das Grab gehört zu den ältesten auf dem Dürrnberg und kann etwa mit 530 v. Chr. datiert werden.

Neben den zwei großen Brillenfibeln (Funktion wie eine Sicherheitsnadel zum Verschließen des Gewandes) aus Bronze wurde ein aufwendiges Bernsteinkollier gefunden. Das herausragende Kollier besteht aus 390 Bernsteinperlen, die unterschiedlich geformt wurden. Dazu zwei Knochenschieber mit und vermutlich noch organische (Holz)Perlen, die nur durch Abdrücke im Boden ersichtlich waren. Die Anordnung der Perlen konnte nicht mehr festgestellt werden. Der Bernstein stammt ausschließlich von der Ostsee und wurde von den Kelten am Dürrnberg gegen andere Waren eingetauscht.

Keltischer Schmuck
Bernsteinkollier und Brillenfibeln, © Keltenmuseum Hallein/Thorsten Rabsilber

 

Hier finden Sie das Keltenmuseum Hallein

 

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