Palmesel, Karwoche und gelebte Osterbräuche in Puch bei Salzburg

Ostern im Tennengau – wenn alte Bräuche lebendig werden

Traditionen rund um Ostern im SalzburgerLand haben bei uns in Puch und St. Jakob am Thurn einen ganz besonderen Stellenwert. Ostern ist hier viel mehr als nur ein Termin im Kalender, eine Ferienzeit für die Kinder oder das Suchen von Schokoeiern im Garten. Es ist die Zeit, in der wir im Frühling unsere alten Bräuche wieder aufleben lassen. In unserer schnelllebigen Welt tut es einfach gut, Traditionen zu pflegen und gemeinsam Zeit haben zum Erleben – Bräuche, die schon unsere Urgroßeltern kannten und die wir heute an unsere Kinder und unsere Gemeinschaft weitergeben.

Ostern ist außerdem das Hochfest der römisch-katholischen Kirche – eigentlich sogar wichtiger als Weihnachten. Gefeiert wird die Auferstehung Jesu Christi und damit der zentrale Moment des christlichen Glaubens. Doch bei uns im Tennengau ist Ostern nicht nur ein religiöses Fest. Es ist auch eine Zeit voller Begegnungen, Traditionen und besonderer Momente im Ort.

Die Vorfreude beginnt bei vielen Familien schon einige Tage vorher – beim Binden der Palmbuschen, beim Schmücken von Haus und Garten oder beim ersten Einkauf für die Osterjause und dem „Nesterl“. So richtig startet die Karwoche dann am Palmsonntag mit der Palmprozession und dem berühmten Pucher Palmesel. Ihren Höhepunkt erreicht sie schließlich in der mystischen Osternacht mit Osterfeuer und Scheitelweihe in St. Jakob am Thurn.

Kommt mit – ich nehme euch mit durch unsere Karwoche in Puch und St. Jakob am Thurn und zeige euch, welche Bräuche, Geschichten und (kulinarische) Highlights ihr rund um Ostern im Salzburger Tennengau nicht verpassen solltet.

Palmsonntag in Puch: Palmbuschen und der berühmte Pucher Palmesel

Der Startschuss in die Karwoche ist der Palmsonntag. Während mancherorts „nur“ Palmbuschen geweiht werden, haben wir in Puch eine echte Rarität: den Pucher Palmesel. Die über 400 Jahre alte, holzgeschnitzte Figur ist fast einzigartig in Österreich – nur im Tiroler Ort Thaur gibt es noch ein vergleichbares Stück. Der Palmesel besteht aus einer Christusgestalt die 77 cm hoch ist und einem Esel mit 88 cm Höhe und 138 cm Länge. Die stattliche Figur entspricht etwa drei Viertel der natürlichen Größe und trägt ein festliches Gewand.  Dass er heute noch existiert, grenzt an ein Wunder, denn zur Zeit der Aufklärung sollten solche „theatralischen“ Figuren eigentlich vernichtet werden und auch zur Zeit des Nationalsozialismus musst er sich nochmals verstecken.

Der Legende nach fischten die Pucher ihren Esel kurzerhand aus der Salzach und versteckten ihn heimlich beim Kollerbauern im Stall, um ihn vor der Zerstörung zu bewahren. Heute hat der Palmesel seinen festen Platz im Glockenturm der Pfarrkirche Puch und kann dort das ganze Jahr über bewundert werden. Am Palmsonntag hat er dann seinen großen Auftritt, wenn er bei der feierlichen Prozession von vier kräftigen Burschen des Trachtenvereins D`Puachstoana durch den Ort getragen wird.

Ein süßer Tipp für euren Besuch: Vor und nach der Palmsonntagsfeier werden bei der Pfarre die beliebten Lebkuchen-Palmesel verkauft. Das ist nicht nur eine nette Erinnerung, sondern schmeckt auch herrlich! Wer genau hinschaut, entdeckt beim Kirchenwirt in Puch beim Eingangsbereich sogar eine kleine Holzfigur des Pucher Palmesels als Hommage an diese einzigartige Tradition. Diesen Mini-Pucher-Palmesel könnt ihr auch immer an dem festlich geschmückten Altar bei der Palmsonntag Prozession am Kirchenwirt-Parkplatz sehen.

Palmbuschen und Palm-Bäume – ein alter Brauch im Tennengau

Zum Palmsonntag gehören natürlich auch die traditionellen Palmbuschen. Sie werden aus immergrünen Zweigen gebunden – meist aus Buchs, Wacholder oder anderen winterfesten Pflanzen – und mit Palmkatzerln sowie dünnen Holzscharten, bunt bemalt oder naturbelassen, geschmückt. Gebunden werden sie traditionell auf einen Haselnussstecken.

Im Tennengau gibt es vielerorts daneben noch die sogenannten Palm-Bäume. Junge Burschen tragen dabei einen großen geschmückten Palm-Ast zur Weihe – oft sogar um einiges höher als sie selbst. Einen passenden Palmbaum zu finden ist allerdings gar nicht mehr so einfach geworden und daher oft den Kindern von Bauernhöfen oder Häusern mit entsprechendem Garten vorbehalten. In Puch sowie auch in St. Jakob werden vereinzelt geschmückte Palm-Äste noch zur Festmesse getragen. So wie auch mein Sohn. Es ist schön, diesen Brauch weiterhin aufrecht zu erhalten und an die nächste Generation weiter zu geben.

Eines darf jedoch bei beiden nicht fehlen: Salzbrezeln, am besten selbst gebacken. Sie werden meist am Palmbuschen befestigt – und von den Kindern am liebsten schon während der Kirche ein wenig abgeknabbert. Nach der Weihe in der Kirche nehmen die Familien ihren Palmbuschen mit nach Hause und stellen ihn im Herrgottswinkel auf oder stecken ihn später in den Garten oder auf die Felder. Der gesegnete Buschen soll Haus, Hof und Ernte schützen.

Die stillen Tage der Karwoche im Tennengau

Nach dem Palmsonntag folgen zunächst ruhigere Tage in der Karwoche. Von Montag bis Mittwoch stehen liturgisch keine großen Feiertage oder besonderen Traditionen auf dem Programm. Es ist eine besondere Zeit zwischen Stille, Tradition und Vorfreude auf das Osterfest.

In vielen Familien werden jetzt Osterlämmer gebacken, Eier gefärbt, die letzten Geschenke für die Liebsten gebastelt und die ersten Vorbereitungen für die Osterjause und die Osternester getroffen.

Die Fastenkrippe in der Pfarrkirche Puch

Eine besondere Tradition der Karwoche ist die Fasten- oder Passionskrippe in der Pfarrkirche Puch. Während Weihnachtskrippen die Geburt Jesu zeigen, erzählt diese Krippe die Geschichte der letzten Tage Jesu – von seinem Einzug in Jerusalem über das letzte Abendmahl bis hin zur Auferstehung. Das Besondere daran: Die Szenen verändern sich im Laufe der Karwoche Schritt für Schritt. Besucherinnen und Besucher können so die Ereignisse der Passionsgeschichte bildlich mitverfolgen.

Die Tradition der Osterkrippen reicht weit zurück. Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert waren solche Darstellungen sehr verbreitet, bevor sie in Mitteleuropa fast vollständig verschwanden. In den letzten Jahren erleben diese besonderen Krippen jedoch wieder eine kleine Renaissance. Die Fastenkrippe in der Pfarrkirche Puch wurde auf Initiative von Gabi und Hans Greiseder vom Krippenbauverein Grödig aufgebaut und bleibt traditionell bis zum Weißen Sonntag, dem ersten Sonntag nach Ostern, in der Kirche stehen.

Gründonnerstag – das letzte Abendmahl

Am Gründonnerstag feiern wir das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Mit diesem Tag beginnen die sogenannten drei österlichen Tage, die ihren Höhepunkt am Ostersonntag erreichen. In vielen Familien kommt an diesem Tag traditionell etwas Grünes auf den Tisch – meist Spinat mit Spiegelei und Erdäpfeln. Der Name Gründonnerstag hat zwar nicht direkt mit der Farbe Grün zu tun, doch das gemeinsame Essen dieser einfachen Speise gehört für viele einfach dazu. Passend zur Jahreszeit wird am Gründonnerstag auch Köstlichkeiten rund um den Bärlauch serviert.

Ein alter Volksglaube erzählt außerdem von den sogenannten Antlasseiern. Das sind Eier, die am Gründonnerstag gelegt werden und später oft auch bei der Speisenweihe im Osterkorb mitgeweiht werden. Ihnen wurden früher besondere Kräfte zugeschrieben: Sie sollten Haus und Hof vor Unheil schützen und wurden deshalb häufig aufbewahrt oder im Stall versteckt.

Karfreitag – Ratschen statt Glocken

Der Karfreitag ist ein Tag des Gedenkens und der Stille. Ebenso ein Fasttag, wo man traditionell auf Fleisch verzichtet – so wie am Aschermittwoch. Dazu schweigen auch die Kirchenglocken – im Volksmund sagt man, sie seien „nach Rom geflogen“. Als Ersatz ziehen die Ministranten mit ihren hölzernen Ratschen durch den Ort. Das laute Geräusch der Ratschenkinder ersetzt das Glockenläuten und ruft die Gläubigen zur Andacht. Es ist ein archaischer Klang, der ganz typisch für die Osterzeit im SalzburgerLand ist. Dazu rufen die Kinder:

Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß,
den jeder katholische Christ beten muß.
Kniet nieder auf eure Knie,
und betet das Vater unser und drei Ave Marie.

In St. Jakob am Thurn gibt es zudem einen besonders schönen Brauch: Zur Karfreitagsliturgie am Nachmittag bringen viele Besucher Blumen mit, die bei der Kreuzverehrung niedergelegt werden. Diese Blumen werden anschließend verwendet, um die Kirche für das Osterfest festlich zu schmücken.

Karsamstag – Grabesruhe und Osternacht

Der Karsamstag gilt als Tag der Grabesruhe. In der Pfarrkirche Puch und in der Lorettokapelle in St. Jakob am Thurn könnt ihr am Heiligen Grab beten und die besondere Stille dieses Tages erleben.

Wenn es am Abend dunkel wird, beginnt in St. Jakob am Thurn einer der stimmungsvollsten Bräuche unserer Region: die Osternacht mit dem Osterfeuer am Kirchplatz und der traditionellen Scheitelweihe vor dem Auferstehungsgottesdienst.

Bei der Scheitelweihe werden die vorbereiteten Buchenholzstücke – die sogenannten Scheitel – auf Drähte gefädelt und im Osterfeuer angekohlt. Nachdem der Herr Pfarrer die Scheitel geweiht und die Osterkerze mit dem Osterfeuer entzündet hat, werden die Scheitel im Jakobsbrünnlein abgelöscht und von den Menschen nach der Festmesse mit nach Hause genommen. Dort hängen sie oft im Herrgottswinkel und gelten als starkes Segenszeichen für Haus und Hof im kommenden Jahr. Es ist jedes Mal ein ganz besonderer Moment, wenn das Feuer im Anbruch der Dunkelheit lodert und die Gemeinschaft zusammenkommt. Man sollte nur darauf achten, dass der Scheitel nicht zulange im Feuer liegt. So mancher ging auch schon nur mehr mit dem Draht nach Hause.

Nach der Scheitelweihe beginnt mit dem Einzug des Pfarrers, der Ministranten und der Osterkerze, der Auferstehungsgottesdienst mit Speisenweihe in der Kirche. Bis zur Auferstehungsfeier hält jeder Besucher lediglich eine kleine Kerze mit dem geweihten Osterfeuer in der Hand. Ein besonderer Moment der Stille  in unserer Wallfahrtskirche in St. Jakob am Thurn.

Ostersonntag – das Fest der Auferstehung

Der Ostersonntag ist der Höhepunkt des Osterfestes. Christen feiern die Auferstehung Jesu Christi und damit den Sieg des Lebens über den Tod. In vielen Kirchen der Region beginnt der Tag mit dem feierlichen Auferstehungsgottesdienst, bei dem auch die Speisenweihe stattfindet. Viele Familien bringen dafür ihren liebevoll gefüllten Osterkorb mit – mit Eiern, Brot, Schinken, Kren, Osterlamm und anderen Köstlichkeiten. In St. Jakob am Thurn wird der Gottesdienst traditionell vom Kirchenchor musikalisch gestaltet.

Nach der Kirche beginnt für viele Kinder der spannendste Teil des Tages: die Suche nach dem Osternest im Garten oder im Haus. Danach trifft man sich gern mit der Familie zum Osterbrunch oder zur gemeinsamen Osterjause, bei der der geweihte Osterkorb gemeinsam geleert wird.

Die Karwoche schließt mit dem Ostermontag ab, der liturgisch an die Begegnung der Jünger mit dem auferstandenen Jesus auf dem Weg nach Emmaus erinnert. Heute ist dieser Tag vor allem ein Tag für Familie, Ausflüge und gemeinsames Feiern. Viele nutzen den Feiertag vor dem Start in den Alltag nach den Osterferien für einen Spaziergang, einen Besuch bei Verwandten oder ein gemütliches Festessen mit regionalen Spezialitäten.

Regionaler Genuss für euer Osternest

Für das perfekte Osterfest dürfen regionale Schmankerl nicht fehlen. Die besten Eier – auch schon fertig gefärbt – bekommt ihr beim Schartengut in Puch. Wer handgemachtes Ostergebäck und süße Leckereien sucht, sollte unbedingt in der Süsserei by Theresa Jahoda oder bei der Bio-Bäckerei Pföß vorbeischauen. Hier schmeckt man die Liebe zum Handwerk in jedem Bissen.

Ein weiterer Tipp für Genießer: Besucht am Freitagvormittag den Bauernmarkt am Winklhof in Oberalm. Dort findet ihr aus Puch Bio-Brot vom Moosbauer und erstklassige Fleischspezialitäten vom Filindhof. Hochwertige Milchprodukte, Käse, Fisch und frisches Gemüse aus der Region runden das Angebot am Winklhof perfekt ab.

Veranstaltungstipps rund um Ostern

Auch kulturell hat der Tennengau zu Ostern viel zu bieten. Ein Fixpunkt für Musikliebhaber ist das PalmKlang Festival in Oberalm, das hochkarätige Konzerte an besonderen Orten verspricht. Für Familien ist die Oberalmer Osterdult ein absolutes Muss – ein Grillhendl beim Frühschoppen am Ostersonntag gehört für mich einfach dazu, egal ob die Sonne scheint oder es regnet.

In Puch selbst ist der Schützenball der Historischen Schützenkompanie Puch am Ostersonntag ein traditioneller Höhepunkt. Beim Zimmergewehr-Preisschießen und bei Live-Musik lässt man die Fastenzeit schwungvoll hinter sich. Es ist die perfekte Gelegenheit, die Gemeinschaft im Ort zu feiern und die Feiertage gesellig ausklingen zu lassen.

Frohe Ostern und bis bald im PUCH MAGAZIN!

Ostern bei uns in Puch und St. Jakob am Thurn ist ein Erlebnis für alle Sinne und eine ganz besondere Zeit – voller Traditionen, Begegnungen und gemeinsamer Momente. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in unsere Bräuche geben. Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, einige dieser Bräuche, wie den Pucher Palmesel oder die Scheitelweihe einmal selbst zu erleben oder die Karwoche bei einem Spaziergang durch unsere Region zu genießen. Hier findet ihr eure passende Unterkunft für Euren Aufenthalt im Salzburgerland und eine Liste von unserer Pucher Gastro für den genussvollen Einkehrschwung im Frühling.

Schaut für noch mehr Geschichten, Rezepte und Ausflugstipps unbedingt im PUCH MAGAZIN vorbei – dort gibt es immer etwas Neues zu entdecken! Aktuelle Videos und Bilder von unseren Festen findet ihr zudem auf Instagram unter @visitpuch

Frau mit Palmbuschen

Ich wünsche euch und euren Liebsten eine wunderschöne Karwoche und ein gesegnetes, friedvolles Osterfest. Wir sehen uns in Puch!

Barbara