Die Heiligen Drei Könige ziehen durchs Land

Caspar, Melchior und Balthasar (c) pixabay.com
Caspar, Melchior und Balthasar (c) pixabay.com

In fast jedem Haushalt im Salzburger Land steht eine Weihnachtskrippe mit den vielen traditionellen Figuren, wie Josef und Maria, die Hirten, Ochse und Esel. Kommt am 24. Dezember das Christuskind in den Stall dazu, folgen am 6. Jänner die Heiligen Drei Könige mit ihren Gaben: Weihrauch, Gold und Myrrhe. Doch woher kommen die „Drei Weisen aus dem Morgenland“ und warum ziehen sie Anfang Jänner durch den Tennengau?

Fakt ist, dass der Evangelist Matthäus im neuen Testament nur schrieb: „Weise, Magier oder Sterndeuter kamen aus dem Morgenland, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen“ (Matthäus 2,1-12). Erst im 3. Jahrhundert sprach man durch den Volksglauben von drei Königen und im 9. Jahrhundert bekamen sie ihre Namen „Caspar, Melchior und Balthasar“. Erst seit dem 12. Jahrhundert werden die Könige den Kontinenten Afrika (Caspar), Europa (Melchior) und Asien (Balthasar) zugeordnet.

In Österreich ist der „Drei Königstag“ am 6. Jänner ein gesetzlicher Feiertag. Bereits Tage zuvor sind die „Sternsinger“ unterwegs, im Lammertal sogar hoch zur Ross.

Die Sternsinger sind da!

Bevor sie kommen, hört man die lustigen Stimmen der Sternsinger. Und man riecht schon den Weihrauchduft, den sie den ganzen Tag mithaben. Heute besuchen mich Karin, Carina, Sophie und Magdalena, die sich wie einst Caspar, Melchior, Balthasar und der Stern aufgemacht haben, um das Jesuskind zu finden. Heute singen die Sternsinger Weihnachtslieder und lassen gute Wünsche für das neue Jahr da. Ausgerüstet sind sie mit einem duftenden Weihrauchfass, Weihrauch, einer Kassette für das Sammelgeld und natürlich dem Stern.

Der Stern hat es übrigens in sich, was ich aus eigener Erfahrung weiß. Als ich vor einigen Jahren als Begleiterin mit zog, war es nicht einfach, „Königinnen“, Equipment und Stern im Auto zu verstauen. Denn die Wege im Lammertal können weit werden und manchmal muss man fahren. Es muss komisch ausgesehen haben in meinem Auto: Vorne der dampfende Weihrauchkessel beim „Caspar“ und hinten ein offener Kofferraum für den Stern. Aber es war eine tolle Erfahrung, wie gut wir überall aufgenommen wurden!

Was es mit der Sternsinger-Aktion auf sich hat

Doch was hat es mit den Sternsingern auf sich? Seit den 1950er Jahren gibt es alljährlich die Sternsinger-Aktion in ganz Österreich. Unter dem Motto: „Der Stern von Bethlehem weist den Weg zu einer gerechten und friedlichen Welt“ ziehen die Heiligen Drei Könige von Haus zu Haus. Sie wünschen den Bewohnern viel Glück und Segen im neuen Jahr.

Gleichzeitig erinnern sie aber daran, dass es nicht überall auf dieser Welt den Menschen gut geht und deshalb sind sie unterwegs und sammeln. Die Sternsinger nehmen sich den ganzen Tag Zeit, sie stapfen durch Schnee, Regen, Kälte oder auch bei Sonnenschein, wenn die anderen auf der Piste sind: „Das macht nichts, wir merken, dass sich die Leute freuen, wenn wir zu ihnen kommen„, erklärt Melchior. In manchen Ferienunterkünften wissen die Gäste nicht, worum es sich bei diesem Brauch handelt. Aber alle haben eine kleine Spende und auch ein paar Süßigkeiten für diesen unerwarteten Besuch.

Bevor sie gehen, erinnert Balthasar noch an etwas Wichtiges: „Jetzt müssen wir noch das Segenszeichen über der Türe erneuern, es ist doch schon 2017!„. Früher wurden sie meist mit Kreide angebracht, heute gibt es besondere Aufkleber für moderne Wohnungstüren. Die Zeichen sind die gleichen:

Was das bedeutet? Fälschlicherweise wird angenommen, dass es sich bei C + M + B um die Anfangsbuchstaben der Heiligen drei Könige handelt, aber der lateinische Spruch dahinter heißt: „Christus Mansionem Benedicat„, was soviel bedeutet, wie „Christus segne dieses Haus und alle, die darin wohnen„. Danke für euren Besuch, liebe Könige, bis zum nächsten Jahr!

Die Königsreiter hoch zu Ross

Doch bevor die Weihnachtszeit am 6. Jänner beendet wird, bekommen wir in Annaberg-Lungötz noch einmal königlichen Besuch. Hoch zu Ross mit Instrumenten unterwegs, um weihnachtliche Stimmung zu verbreiten.

Bereits um 7.00 Uhr in der Früh steht Monika Oberauer jeden 5. Jänner mit dem Pinsel bereit: „Ich bin zuständig, dass Kaspar, Melchior und Balthasar ein wenig Farbe ins Gesicht bekommen„, lacht sie. Auch Georg Lanzinger ist schon frisch und munter. Der Obmann der Dreikönigsreiter in Annaberg-Lungötz bereitet die prächtigen Pferde für ihren Einsatz vor: „Bei uns empfinden es die Bauern als Ehre, ein Pferd für die Dreikönigsreiter zur Verfügung zu stellen„, meint er. Es beeindruckt mich, dass sie dabei nichts für einen einzigen Hufnagel verlangen.

Herodes darf auch mit

dreikoenige-vor-der-kircheGeorg Lanzinger weiß auch über die Anfänge des schönen Brauchs: „Bereits 1949 sind bei uns die Oberauer-Buam zum Dreikönigsfest gesungen„, erklärt er. Dem damaligen Bäckermeister Bartholomäus Schilchegger hat das gut gefallen. Er stellte sich und ein Pferd samt Schlitten zur Verfügung und so ging es singend durch den Ort. Erst später nahmen die „Könige“ ihre Instrumente mit und saßen selber auf einem Pferd. „Die weihnachtlichen Weisen klingen mit zwei Flügelhörner und zwei Tenorhörnern einfach voller und schöner. Deshalb kam zu den drei Königen auch noch der Herodes dazu. Diese Rolle übernimmt unser musikalischer Leiter, Sepp Oberauer.“

Beim Scherlbauer ist die letzte Station in Lungötz, bis hierher kommen die Spenden der Pfarre in Lungötz zugute: „Das gesammelte Geld in Annaberg wird traditionell zur Hälfte der Pfarre und zur Hälfte an einen sozialen Zweck in der Region aufgeteilt.“

Um 18.00 Uhr kann man am 5. Jänner die Königsreiter vor der Kirche in Annaberg noch einmal hören. Sie blasen „Stille Nacht“, bevor sie sich zum wohlverdienten Abschlussessen, dass der Pfarrer und die Gemeinde übernehmen, zusammen setzen.

Die Königsreiter in Abtenau

Im Gegensatz zu den Annabergern reiten die „Abtenauer Königsreiter“ erst seit dem Jahr 2012 gemeinsam singend und musizierend immer am 5. Jänner durch Abtenau. „Es wird auch nicht immer die gleiche Strecke geritten wie in Annaberg, sondern es wird versucht im Laufe der Jahre das gesamte Gemeindegebiet von Abtenau zu besuchen und auf zentralen Plätzen zuspielen“, so Obmann Josef Moisl.

Hier treffen sich dann alle aus der Nachbarschaft und warten gemeinsam voller Begeisterung auf die Reiter. Im ersten Jahr haben sich die Abtenauer noch die passenden Gewänder von Annaberg ausgeliehen. Doch jetzt erscheinen die Reiter in den alten Messgewändern der Pfarre Abtenau. Der Abschluss findet dann am Marktplatz um ca. 19.30 Uhr beim traditionellen Perchtenlauf mit Einzug zur Krippe statt. Die gesammelten Spenden bleiben zur Gänze im Ort und werden für bedürftige Familien verwendet.

Ich freue mich, wenn uns die Sternsinger und Königsreiter wieder besuchen. Es bedeutet mir viel, dass sie sich freiwillig und ohne Bezahlung auf den Weg machen, um anderen Freude zu bereiten. Mir, durch das Singen und Musizieren und den Menschen in Not, durch das Sammeln der Spenden. Wenn Ihr sie irgendwo unterwegs seht, dann hört ihnen doch einfach zu und freut Euch mit!

Hier geht`s nach Annaberg-Lungötz und Abtenau:

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