Maibaumaufstellen im Tennengau: Tradition & Manneskraft

Geschmückte Bäume auf rollenden Anhängern hinter einem Traktor. Umringt von vielen Männern und oftmals auch mit einem voran schreitendem Ziehharmonika-Spieler. Ihr findet das seltsam? Nicht wenn ihr am 1. Mai im Tennengau unterwegs seid und sich die Vereine und Gruppen zum Maibaumaufstellen aufmachen. Der Maibaum muss ja vom Wald irgendwie zum Dorfplatz kommen. Doch warum das so ist und was da so gemacht wird erzähle ich Euch!

Was ist ein Salzburger Maibaum?

Maibaum in Golling
Maibaum in Golling

Der Brauch des Maibaums ist vor allem im Salzburger Land, Oberösterreich und dem benachbarten Bayern weit verbreitet. Der Maibaum ist ein dicker Fichtenstamm ohne Rinde und Äste, geschmückt mit Kränzen und Bändern. Nachdem der Baum gefällt worden ist, wird er entastet, entrindet und mit Kränzen und Bändern geschmückt. Der Wipfel des Baumes wird nicht entastet. Der Baumschmuck ist in jedem Ort im Salzburger Land unterschiedlich. Auch der Verein, der für das Aufstellen und Umschneiden des Maibaums zuständig ist, unterscheidet sich in den einzelnen Gemeinden. Oftmals helfen einfach alle Männer aus dem Ort tatkräftig mit um den Baum aufzustellen.Traditionell in Lederhose natürlich!

Jährlich wird der Baum am 1. Mai frühmorgens gefällt. Dies übernehmen in Golling die Mitglieder des Trachtenvereins D’Rabenstoana. Passiert dies bereits in der Woche vor dem 1. Mai, wird der Baum an einem geheimen Ort versteckt, damit er nicht gestohlen wird. Jetzt denkt ihr euch bestimmt, warum der Maibaum gestohlen werden kann? Doch das erkläre ich euch später!

Vom Waldbaum zum Maibaum

Ich habe letztes Jahr für euch den Trachtenverein am 1. Mai begleitet und den Tagesablauf festgehalten. Für die männlichen Mitglieder des Trachtenvereins geht’s am 1. Mai schon ganz früh los. Nach einem gemeinsamen Frühstück um 6:00 Uhr machen sich die „Schuhplattler“ auf in den Wald. Der ausgesuchte Baum wird gefällt, entastet und geschöpst (entrindet). In der Zwischenzeit bereiten die Mädchen des Trachtenvereins den Baumschmuck vor und hängen die weißen und roten Bänder auf die bereits gebundenen Kränze für den Maibaum. Die Kränze aus Tannenzweigen wird meistens schon ein paar Tage zuvor an einem Vereinsabend gemeinsam gebunden.

Brumm…Brumm! Lautes Motorsägengeräusch zieht durch den Wald. Dann auf einmal – ACHTUNG… der Baum fällt! Einer der Burschen schreit laut durch den Wald und warnt die anderen Mitglieder. Dann liegt er da in seiner vollen Pracht. Die Äste werden hurtig entastet und der “nackte” Baum danach an den Traktor gehängt. Nun machen sie sich auf zum Gasthof Göllhof, wo jedes Jahr das Maibaumaufstellen in Golling stattfindet. Dort werden die Männer schon von den Frauen erwartet. Gemeinsam werden die Kränze angebracht und der Baum “liegt” bereit für das Maibaumaufstellen am Nachmittag. Dann ist starke Manneskraft gefragt.„Hoo-ruck, hoo-ruck!“

Beim Aufstellen des Maibaums packen alle mit an. Unterstützung gibt es meistens von den männlichen Besuchern. Mit aller Kraft wird der Baum in die Höhe gestemmt und dann kann der schöne Baum auch schon bewundert werden. Doch nicht so schnell. Es braucht schon seine Zeit und viel Motivation der Zuseher um den Baum in die Höhe zu bekommen. Verantwortlich dafür ist der “Moa“. Das ist jene Person, welche die Kommandos mit einem “Auf geht`s Buam – hooooo-Ruck” gibt und schaut das alle gmeinsam und gleichzeitig mit anpacken. Nur wenn alle auf einmal kräftig schieben, kann es funktionieren. Jahrelang war Malter Niki der Moa in Golling, ab diesem Jahr übernimmt Trachtenvereins-Obmann Reinhard Wieser diese ehrenvolle Aufgabe. Na dann viel Erfolg und eine kräftige Stimme!

In folgendem Video könnt ihr das gesamte Maibaum-Aufstellen nachverfolgen. Rudi Wallmann (ein Freund des Trachtenvereins) hat den Verlauf mitgefilmt und für euch einen Time Lapse zusammengestellt.

Spaß für Groß und Klein

In Golling gibt es nach dem Aufstellen das traditionelle “Maibaumkraxeln” (Maibaum-Klettern) bei dem Kinder und auch Erwachsene ihr Geschick und ihre Schnelligkeit, den Baum hinauf zuklettern, unter Beweis stellen können. Auf den Gewinner oder die Gewinnerin wartet jedes Jahr eine “süße” Belohnung.