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G´schichten aus Russbach

„Mein Russbach“ – von Georg Gimpl

Ein Dorf an der Grenze zwischen Salzburg und dem Salzkammergut stand im Zentrum der Forschungen von Dr. Georg Gimpl. Viel zu früh wurde er im Jahre 2015 aus dem Leben gerissen. Nun erscheint ein Buch mit Texten und Fotos aus seiner umfangreichen Sammlung.

Beinahe jeden Haushalt in Russbach hat Georg Gimpl in seinen letzten Lebensjahren besucht. Er suchte nach alten Fotos und Dokumenten für sein „virtuelles Dorfmuseum“. Er wollte seine Sammlung der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Auch zukünftige Generationen sollten Einblick in die spannende Geschichte von Russbach bekommen. Das Dorf am Pass Gschütt war ja bis vor 200 Jahren noch Staatsgrenze. Nicht nur das, Russbach war und ist auch Glaubens- und Kulturgrenze. Hier wurde viel geschmuggelt und mitunter auch Krieg geführt. Georg Gimpl war aber nicht nur Sammler, sondern auch leidenschaftlicher Erzähler. Er hinterließ Theaterstücke, Vortragsmanuskripte und Texte, in denen er sich wie kein anderer mit unserer Vergangenheit auseinandergesetzt hat.

Der Gimpl Schurl…

Georg Gimpl ©Georg Gimpl Archiv

Wo soll ich bloß anfangen? In Russbach kannte den Schurl eigentlich jeder, da bedarf es nicht vieler Erklärungen. Für alle Nicht-Russbacher will ich ein wenig aus Doz. Dr. Georg Gimpl´s Leben erzählen. Georg Gimpl, Sohn des gleichnamigen Schuhmachermeisters im Dorf und seiner Frau Frieda, wurde 1949 in Abtenau geboren. Er wuchs mit seinem Bruder Poldi in bescheidenen Verhältnissen in Russbach am Pass Gschütt auf. Bildung war seinerzeit etwas Besonderes. Dennoch studierte Georg Gimpl in den Jahren 1968-1975 Philosophie, Psychologie und Germanistik an der Universität Salzburg.

Ab 1981 lehrte Dr. Gimpl an der Universität Helsinki in Finnland deutsche Sprache und österreichische Literatur und war zudem Dozent für Ideen- und Wissenschaftsgeschichte an der Universität Oulu. In Helsinki lernte er auch seine Frau Pirkko kennen. Auch wenn er sich anfangs an den nordischen Lebensstil gewöhnen musste, fand er schließlich Gefallen daran. Im Herzen war er allerdings immer Russbacher. Er ließ die Verbindung zu seinen Wurzeln und Freunden nie abreißen. Fast schon legendär waren seine langen Weihnachtsbriefe, die er an seine Freunde in der Heimat schrieb. Die Sommerferien verbrachte der Schurl jedes Jahr in SEINEM Russbach, bis er 2014 viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde.

Wie´s zum Buch kam

Nach dem Tod von Georg Gimpl entschlossen sich drei seiner Freunde, Norbert Höll, Paul Hager und Peter Hafner die Aufzeichnungen und Sammlungen in einem Archiv zusammenzufassen. Mit Unterstützung der Gemeinde Russbach entstand das „Georg Gimpl Archiv“. So wurden in den letzten drei Jahren Fotos und Texte gesichert und archiviert. Mit Hilfe des Salzburger Bildungswerk und vieler Sponsoren entstand nun auch das Buch „Georg Gimpl – Mein Russbach“. Es enthält biografische und lokalhistorische Texte und mehr als 40 historische Fotos von Russbach. Das Buch ist aber keineswegs eine herkömmliche Chronik. „Mein Russbach“, mit seinen leicht lesbaren Geschichten und den alten Bildern, ist ein Muss für alle Einheimischen und Kenner Russbachs.

Die Gschütt Agath – Eine Leseprobe

Russbach, das sind mir in erster Linie die Menschen, einmal von der Natur abgesehen, und zwar durch die Bank ganz gute, freundliche Menschen – und, wenn es ganz besonders hoch hergeht, seine Originale. Und ein solches Russbacher Original, auch wenn die Gosauer da jetzt zu Recht ihre satten Marktanteile in Anspruch nehmen können, war unsere Agath eben nun einmal……

Dagegen ist mir das, was ich nun von der Agath erzähl, alles, aber auch restlos alles aus eigener Anschauung in Erinnerung geblieben. Vor allem, wie eingewickelt sie immer daherkam. Denn ohne ihre Röck – Röck, nicht Kittel, die natürlich auch! – hab ich die Agath ja nie gesehen. Winter wie Sommer. Nun vielleicht hat sie im Winter jeweils zwei oder drei davon getragen; aber zu kalt war´s ihr auch im Sommer bestimmt nicht. Als hätt sie, auf ihre alpine Weise, die Vorteile eines Kimonos für sich entdeckt: Man zieht sich einfach noch einen Rock oder was immer darunter drüber. Die größeren Burschen und jungen Männer haben darüber natürlich jede Menge blöder Witze gemacht, wogegen wir noch einigermaßen unschuldige Dorfspatzen uns nicht einfach gewundert haben.

Sie war klein von Wuchs, aber deswegen nicht schon ein Znichterl. Sondern eher kernig, ledern, abgehärtet. Und was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist ihr spitzbübisches Gesicht, der Kopf immer in leichter Schräglage: die gutmütigen, lebhaften Augen, das ein bissl bauernschlau-verschmitzte Schmunzeln um ihre Mundpartie. So als ob sie schon anders und viel mehr gesehen hätte in Ihrem Leben, was sie deswegen ja auch nicht schon an die große Glocke hing, sondern lieber halt nur für sich behielt. Und natürlich kommt mir jetzt auch noch ihr Kopftuch in den Sinn. Und zwar war das noch ein richtiges Kopftuch im alten Stil, nicht irgend so ein besseres Schneuztüchel á la Souvenir de Paris. Ohne diesem ihrem Kopftuch wär die Agath ja gar nicht die Agath gewesen. Das ersparte ihr natürlich auch die viele Müh (und das Geld) für die blöde Kamplerei. Wozu den auch?….

Übrigens: Die Gschütt Agath samt Wirtshaus am Pass Gschütt ist heutzutage eine wahre Legende. Sie ist bis weit ins Salzkammergut hinüber bekannt. Viele Einheimische und auch Gäste erzählen noch heute Geschichten von durchzechten Nächten und der ein oder anderen wilden Rodelpartie zurück ins Tal.

Buchpräsentation

Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen dieses außergewöhnlichen Buches. Ich hoffe euch wird es auch so gehen. Die offizielle Buchpräsentation findet im Rahmen des Russbacher Adventmarktes von 01.-03. Dezember 2017 statt. Am Freitagabend um 19.00 Uhr präsentieren Norbert Höll, Paul Hager und Peter Hafner das Buch „Mein Russbach“ – von Georg Gimpl in der Pfarrkirche Russbach. Musikalisch unterstütz werden sie von MixTaxe und Freunden, sowie der Trachtenmusikkapelle Russbach und den Schülern der Volksschule Russbach. Das Buch wird direkt am Adventmarkt Russbach verkauft.

Viele weitere Adventveranstaltungen im Tennengau findet ihr im aktuellen Adventfolder.

Hier geht´s nach Russbach:

2 Kommentare
  1. Manfred Hron
    Manfred Hron sagte:

    „Geschichte“ begreift man erst, weiß man ua über die nähere Vergangenheit seiner Familie, seiner engeren Umgebung, seiner Heimat Bescheid. Daher ist es unglaublich wichtig, dies in Form von Erzählungen, von Niederschriften sowie von anderen Medien der Nachwelt zu erhalten. Gratulation den Initiatoren des Projektes „Mein Russbach“, viel Erfolg !!
    mh

  2. Christian Stowasser
    Christian Stowasser sagte:

    Ich hatte das Glück und besonders auch die Ehre, die Gschütt Agath noch persönlich sehen zu dürfen, von kennenlernen kann aber eher nicht die Rede sein. Wir Saaldorfer aus dem Rupertiwinkel haben damals mit einem Bus einen Schützenausflug nach Gosau gemacht. Am Pass Gschütt wurde Pause gemacht und eingekehrt. Natürlich verschwand die ganze Busgruppe in der damals neuen Gaststätte auf der Passhöhe. Wir waren damals Buben und hatten zusammen mit zwei „Altschützen“, dem Baumgartner Wast (Post Wasti) und dem Hr. Seibert (beide leben nicht mehr) kein Interesse, auch in dieses neue Gasthaus zu gehen. Wir haben uns lieber die Füße vertreten, gingen etwas zu Fuß und haben uns die nähere Umgebung angeschaut. Dabei sind wir natürlich auf das Gasthaus mit der alten Marmortafel über der Tür mit dem Hinweis, dass dort der Kaiser mal ein Frühstück eingenommen hat, gestossen. Es war offen und man konnte reingehen. Der Wast und der Hr. Seibert haben von der Gschütt Agath ein Flaschenbier kredenzt bekommen, wir Buben ein (Flaschen)kracherl. Die beiden Altschützen haben sich gut mit der Agath natürlich über frühere Zeiten unterhalten, wir Buben mussten damals noch staad sein, wenn die Älteren sich unterhalten haben. Ich erinnere mich noch, dass die Agath geschimpft hat, weil unser Bus auf ihrem Grund und Boden geparkt hatte, alle sind aber zur Brotzeit in das neue Gasthaus gegangen. Vor der Abfahrt unseres Busses ist sie aber, genau wie auf Euerem Foto ersichtlich, mit einer Schnapsflasche unterm Arm, einem Geschirrtuch und einem Schnapsglas herausgekommen und der Wast und der Hr. Seibert haben die älteren Teilnehmer unseres Ausfluges aufgefordert, bei der Agath einen Schnaps zu trinken, weil eben unser Bus auf ihrem Grund geparkt hat. Für mich war das so eindrucksvoll, dass diese damals schon sehr alte Frau noch selber ein Gasthaus betreibt, das hat sich bei mir irgendwie eingprägt. Die alte Wirtin hat wohl wilde Zeiten erlebt mit ihren Gästen, als dort noch Landesgrenze war und viel geschmuggelt worden ist. Ich bin inzwischen in Altersteilzeit und habe bald mehr Freizeit, da werde ich mal wieder über den Pass Gschütt nach Gosau fahren, ich brauche einen guten Schleifstein und die gibt es dort. Vielleicht ergibt sich ja auch eine Einkehr auf der Passhöhe? Das alte Gasthaus Grünwald mit der Marmortafel über der Tür wird es ja wohl nicht mehr geben. Ich hoffe, man konnte die alte Tafel retten und vielleicht kann man sie heute in einem Museum anschauen?

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