Glasgraveur – ein altes Handwerk

Petra´s Glasstüberl – ein unscheinbarer Name, aber es steckt viel Handwerkskunst, Tradition und Leidenschaft dahinter. Petra Holztrattner führt das kleine aber feine Geschäft im Ortszentrum von Abtenau bereits viele, viele Jahre. Oft war ich schon in ihrem kleinen Laden und habe geschmökert und Geschenke gekauft, aber ich habe mir ehrlich gesagt noch nie so richtig Gedanken über den Beruf der “Glasgraveurin” gemacht. Petra graviert das Glas selbst in ihrem Geschäft, direkt hinter dem Schaufenster, also jeder kann zusehen, wenn man kurz am Gehsteig stehen bleibt.
Um genaueres über den seltenen Beruf des Glasgraveurs/der Glasgraveurin herauszufinden, habe ich Petra in ihrem Geschäft im Salzburger Tennengau besucht und ein paar Fragen gestellt!

 

 

Liebe Petra, du hast ja einen sehr seltenen Beruf gewählt, wie ist die genaue Berufsbezeichnung?

Ich bin Glasgraveurin, wird aber auch Hohlglasveredlerin genannt.

Ich habe ein bisschen im Internet recherchiert und nach Glasgraveuren in Salzburg gesucht, allerdings bin ich nicht sehr fündig geworden. Wie viele Glasgraveure*innen gibt es hierzulande noch?

Ich kenne in Salzburg nur mehr drei Glasgraveure, mich eingerechnet. In einem davon habe ich auch in meinen ersten beiden Berufsjahren gearbeitet…

Da kommen wir gleich zu meiner nächsten Frage: Wo hast du diesen speziellen Beruf erlernt bzw. wie bist du überhaupt auf darauf gekommen, Glasgraveurin zu werden?

Naja, ich war schon immer recht kreativ veranlagt und mein damaliger Hauptschullehrer hat mich ermutigt, einen künstlerischen Beruf zu erlernen. Daher habe ich mich schlussendlich für die Glasfachschule in Kramsach entschieden, welche ich von 1976 bis 1980 besuchte. Die Schule machte mir sehr viel Spaß, ich lernte viele hippe Leute kennen, Heimweh war ein Fremdwort ;) Leider wurde unser heuriges 40-jähriges Klassentreffen wegen der jetztigen Coronakrise verschoben, aber das werden wir auf alle Fälle nachholen. Ich weiß allerdings, dass ich eine der einzigen Absoventen bin, die den Beruf als Glasgraveurin heutzutage noch ausüben!

…und nach deinem Fachschulabschluss?

Nach meinem Abschluss war ich zwei Jahre in Salzburg in der Sigmund-Hafner-Gasse tätig, worauf ich 1982 in Abtenau “Petra´s Glasstüberl” öffnete. Unglaublich wie die Zeit vergeht..nun habe ich mein kleines Geschäft schon beinahe 40 Jahre!

Wow, 40 Jahre – eine lange Zeit!

Ja stimmt! Obwohl ich meinen Laden schon fast 40 Jahre habe, macht es mir immer noch sehr viel Spaß! Ich bin ja hier sozusagen “Lady für Alles” – neben Glasgraveurin auch Dekorateurin, Verkäuferin, Einkäuferin, Buchhalterin und schließlich auch Putzfrau.

Was macht “Petra´s Glasstüberl” aus?

Am allerwichtigsten ist mir die persönliche Beratung! Ich weigere mich nach wie vor meine Ware online anzubieten, das ist einfach nicht das selbe! Ich will mit den Kunden reden und das gemeinsam ausmachen, was ich graviere. Im Prinzip ist jedes Stück individuell und einzigartig – ein Unikat. Natürlich habe ich meine Vorlagen, aber schlussendlich ist ja trotzdem alles handgemacht!

Was gravierst du am liebsten?

Am allerliebsten ist graviere ich Motive der Jagd! Spezialaufträge mache ich auch sehr gerne, da es immer wieder eine Herausforderung neben den üblichen Aufträgen ist. Im Prizip ist ja alles möglich und ich graviere viele Schriftzüge, aber geradlinige Logos und Gravuren in Druckschrift muss ich leider ablehnen, das wird nicht so schön.

Welche Eigenschaften müssen deiner Meinung nach Glasgraveure unbedingt haben?

Ein “Künstlerblick” – dann ist es schon leichter, aber man kann das natürlich auch erlernen und Geduld! (lacht dabei und erwähnt, dass sie privat eigentlich überhaupt keine Geduld aufbringen kann!)

40 Jahre ist ja eine lange Zeit, was hat sich deiner Meinung nach am meisten am Markt geändert?

Seit es den Onlinehandel gibt, habe ich zu kämpfen, wie auch alle anderen Einzelhändler. Es wird viel maschinell hergestellt, da kann ich preislich nicht mithalten. Es ist auch sehr schwierig geworden, Rohware zu bekommen. Früher gab es in Salzburg eine Hohlglashütte, jetzt kenne ich nur mehr eine in der Glasstadt Rattenberg. Die meiste Rohware importiere ich allerdings.

Leider muss ich sagen, dass mein Beruf in Zukunft wohl und übel aussterben wird.

In zwei Jahren darft du die Pension antreten. Freust du dich schon oder siehst du ihr eher wehmütig entgegen?

Am meisten betrübt mich, dass ich nach fast 40 Jahren nun am Ende nicht weiß, ob ich die jetzige Sitzuation der Corona-Krise überlegen kann. Ich lebe von Einheimischen, die Geschenke für Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen, etc. bei mir kaufen oder Preise für Vereine wie Eisstockverein, Skiklubs usw., aber auch von den Gästen, die Mitbringsel aus dem Urlaub kaufen und auch Stammgäste, die Geschenke von den Gastgebern für ihre langjährige Treue bekommen. All diese Kunden fehlen mir jetzt in dieser Krise. Es wäre ein trauriges Ende, wenn ich jetzt coronabedingt frühzeitig zusperren müsste.

Das wünsche ich dir natürlich nicht und hoffe, du hast noch viel Freude in deinen letzten zwei Jahren vor deinem Ruhestand! Vielen herzlichen Dank für das nette Gespräch und deine Zeit! 

 

Es war überaus spannend mit Petra zu sprechen und ich hoffe, dass ich euch etwas Einblick in den Beruf als Glasgraveurin gegeben habe.  Ich habe selbst einige Glasvariationen mit Gravur von Petra´s Glasstüberl zu Hause und sehe diese nun mit einem ganz anderen Blick – es steckt mehr als nur ein Glas dahinter: Individualität und Handwerkskunst mit viel Liebe zum Detail.

Petra´s Glasstüberl | Markt 291, 5441 Abtenau | 0043 6243 3022 | Facebook: Petras Glasstüberl

Hier befindet sich Petra´s Glasstüberl:

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