Im Wald rührt sich was: Rehe knabbern frisches Grün, Ameisen krabbeln emsig hin und her, Eichhörnchen huschen von Ast zu Ast und ein Feuersalamander kriecht langsam auf dem Waldboden dahin. Viele Tiere finden im schattigen Blätterdach gute Verstecke, Höhlen als Wohnstätte und genügend Futter.

Wie Säulen ragen Bäume in den Himmel. Bei meinem Spaziergang durch den Wald in Abtenau entdecke ich Fichten, Buchen, Ahorne und Tannen. Es duftet nach Harz, nach Pilzen und vermoderndem Laub. Die Blätter der Buchen rascheln flüsternd im Wind. Sonst ist es still.
Wald in Abtenau © Christine Fröschl

Wer leise und aufmerksam durch den Wald wandert, vernimmt das Zwitschern der Buchfinken, das Krächzen der Raben und ein Knistern im Unterholz. Ein Eichhörnchen huscht flink einen Fichtenstamm rauf und runter. Dann springt es von Ast zu Ast und verschwindet im dichten Blätterwerk.


Eichhörnchen © Markus Plesz

Beim Weitergehen höre ich ein Rascheln. Mein Blick sucht die Umgebung ab und da entdecke ich ein Reh, das aufgescheucht leichtfüßig davon springt. Als es bemerkt, dass niemand folgt, verlangsamt es seinen Schritt und entfernt sich gemächlich. Fuchs und Hase sind ebenso scheue Tiere. Kein Wunder. Durch die Jagd haben sie – so wie das Reh – Menschen fürchten gelernt. Daher verlegten diese Wildtiere viele ihrer Aktivitäten in die Dämmerung und in die Nacht. Andererseits folgen die Vierbeiner den Menschen sogar bis in die Städte. Hier bieten die Parks, die Gärten und die Uferböschungen der Flüsse genügend Lebensraum und Nahrung für sie.

Meister Reineke und Meister Lampe
Der Fuchs stärkt sich mit Fröschen, Mäusen, Beeren und nascht in Städten auch mal aus Mülltonnen. Meister Reinecke hat ein schlechtes Image. Es reicht vom listigen Hühnerdieb bis zum bemerkenswerten Wildtier. Wenn der Überlebenskünstler eine Familie gründen will, gräbt seinen Bau meist nicht selbst. Lieber ziehen Fuchseltern in verlassene Dachshöhlen ein oder bauen einen bereits existierenden Hasenbau aus.
Dabei komme es hin und wieder auch zu recht ungewöhnlichen Wohngemeinschaften. Zum Beispiel findet neben dem “Hausbesitzer” Dachs im großen unterirdischen Bau auch eine Fuchsfamilie Unterschlupf. Sonst gehen sich die beiden Säugetiere lieber aus dem Weg. Noch ungewöhnlicher ist allerdings, wenn sich Füchse mit Hasen den gleichen Bau teilen. Dabei soll es angeblich keine Übergriffe geben. Burgfrieden nennen Verhaltensbiologen dieses Phänomen.


Fuchs © Wolfgang Schruf

Im Mai und Juni gebären Rehe ihre Kitze. Die kleinen Wesen mit ihren weißen Flecken auf dem Rücken bleiben regungslos im hohen Gras liegen. Wer Kitze entdeckt, sollte sie nicht anfassen. Denn ihre Mutter erkennt ihre Jungen am Geruch. Wenn diese nach Mensch riechen, säugt und beschützt die Rehmutter ihre Junges nicht mehr. Auf sich allein gestellt, können die “Bambies” nicht überleben.

Rehmutter mit Kitz, © Christine Fröschl

In der Nähe eines Baches kriecht ein prächtiger gelb-schwarz gefleckter Feuersalamander auf dem Waldboden. Seine gelben Flecken signalisieren: Lass mich in Ruhe! Ich bin giftig! In den gelben Flecken befinden sich Drüsen, diese sondern bei Berührung Gift ab. Feuersalamander gehören wie Frösche und Kröten zu den Amphibien. Gewässer benötigt das Krabbeltier nur zum Legen seiner Eier und für seine Larven. Bei Regen oder hoher Luftfeuchtigkeit kriecht dieser Salamander über den Waldboden, sonst verzieht er sich in Höhlen oder Stollen. Feuersalamander fressen neben Spinnen und Raupen Nacktschnecken was viele Gartenfreunde freut.
Bei feucht-kühlem Wetter queren und rasten Feuersalamander, Frösche und Kröten auch auf Straßen die sich durch den Wald schlängeln. Da ist Vorsicht und langsames Fahren geboten. Auch wenn sie kein Autoreifen berührt, kann der Strömungsdruck der Autos auf die Fahrbahn zu schweren inneren Verletzungen führen. Schon bei einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern ist der Druck auf die weichen Amphibienkörper fast immer tödlich. Die einzige Möglichkeit den Tieren das Leben zu retten, ist langsam fahren!


Feuersalamander © Christine Fröschl

Ameisen: faszinierende soziale Wesen
Wohngemeinschaften gründen auch die roten Waldameisen. Die Krabbeltiere wohnen zu Hunderttausenden in ihren Bauten zusammen. Auf den Ameisenhaufen wuseln diese Tiere emsig hin und her, kreuz und quer. Mich fasziniert die Kommunikation unter den Ameisen: Vom Bauplan über die Hygiene bis hin zum Sterben ist ihr Leben geregelt. Im Ameisenstaat werden die Aufgaben geteilt: So gibt es Pflegerinnen für die Brut und für Kranke, Sammlerinnen und jene die den Bau bewachen. Manche Ameisenarten betreiben sogar Viehzucht indem sie Läuse halten. Von diesen  Pflanzensaugern “melken” die Krabbeltiere Honigtau.

Wolf und Wildkatze kommen zurück
Nur wer viel Glück hat, entdeckt die sehr scheue Wildkatze, den Birkhahn oder auch den Wolf. Meister Isegrimm geht den Menschen nach Möglichkeit aus dem Weg. Dagmar Breschar vom Naturschutzbund: “Der Wolf kann Menschen schon aus drei Kilometer Entfernung wahrnehmen und sucht das Weite.”
Nur Experten ist es möglich die Wildkatze von der Hauskatze zu unterscheiden. Breschar: “Mit Sicherheit ist der Unterschied nur genetisch nachweisbar.”

Bei Wanderungen durch den Wald entdecke ich immer wieder Müll. Bitte bei Aufenthalten im Wald den eigenen Müll wieder mitnehmen.
Einige Fotos für diesen Artikel wurden vom Naturschutzbund zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

 

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