In den Tennengauer Orten Hallein, Kuchl und Golling haben Hexen und Zauberer ihr Unwesen getrieben. Werwölfe wurden in Krispl-Gaißau gesehen und der neckische Geist “Putzgauch” hänselte die Menschen.
Wenn die Herbstnebel wieder durch die Täler ziehen, kalte Stürme über die Berge fegen und es früh dunkel wird, treiben sich allerlei Unholde herum. Das glaubten zumindest die Menschen in früheren Zeiten, die sich Naturphänomene nicht anders erklären konnten. Im Tennengau soll der Teufel höchstpersönlich für die Form der Barmsteine verantwortlich zeichnen und Hexen verzauberten Mensch und Tier.
Um an übernatürliche Kräfte zu kommen, haben Hexen und Zauberer mit dem Teufel einen Pakt geschlossen. So steht es zumindest im Buch “Gruselwandern in Salzburg” von Clemens M. Hutter, Verlag Anton Pustet. Im 273 Seiten zählenden Buch beschreibt Hutter Wanderungen im Tennengau – viele davon auf dem SalzAlpenSteig – mit dem Titel “Kitzelnde Hexen”, “Die Anfänge des Zauberers Jackl”, “Ein wutentbrannter Teufel”, “Das Schicksal der Barbara Koller”, “Wer den Wind anbläst” und “Werwölfe”. Auf all diesen Routen finden sich Gruselgeschichten kombiniert mit Kulturgeschichte.

Mit dem Buch durch den Tennengau gruselwandern

Mit dem Büchlein im Rucksack mache ich mich auf den Weg. Gemütlich bummle ich durch die Keltenstadt Hallein und starte mit meiner Gruselwanderung in der Nähe der Pfarrkirche. Hier fällt mir die Entscheidung schwer: Spüre ich den “Kitzelnden Hexen” auf dem Dürrnberg nach oder genieße ich die Aussicht auf einem der Barmsteine, die einst schon dem Teufel gefallen haben soll. Da das Wetter traumhaft ist und ich noch nie auf den Barmsteinen war, beschließe ich zu diesen interessanten Felsformationen zu gehen. So wandere ich, den Wegweisern folgend, die alte Dürrnberger Straße hinauf und nähere mich den Barmsteinen in umgekehrter Richtung als diese Wanderung im Buch beschrieben ist. Ganz so wie es auch die Hexen in früheren Zeiten gemacht haben könnten ;-).

Die 45-minütige Wanderung führt durch schattige Wälder und Wiesen. Der kleine Barmstein taucht auf. Der große Barmstein befindet sich ein Stück weiter des Weges und so beschließe ich auf den Stufen und dem gesicherter Steig den Gipfel des kleinen Barmsteins zu erklimmen. Oben werde ich mit einer traumhaften Aussicht auf den Dachstein, den Untersberg, die Stadt Salzburg, die Stadt Hallein und natürlich auf den Tennengau belohnt. Hier hole ich das Gruselwanderbuch aus meinem Rucksack und lese über die Entstehung dieser Felsformation die senkrecht aus dem Wald aufragt.

Freche Geister böse Werwölfe
Vom Gipfel ist der Schlenken – ein Berg in der Osterhorngruppe – gut zu sehen. Auch auf diesem Berg und den umliegenden Orten lässt es sich vortrefflich gruselwandern.”Wer den Wind anbläst” ist eine idyllische rund 2,5-stündige Wanderung auf den Schlenken. Vom malerischen Ort Krispl einfach dem Weg mit der Nummer 1 südwärts nach Zillreith folgen und die traumhafte Aussicht auf das Tennengebirge, dem Watzmann bis weit in das Flachland hinaus genießen. Wer Glück oder Pech hat – trifft während des Weges auf den neckischen Geist “Putzgauch”. Da und dort stellt er dem Wanderer ein Bein oder zerkratzt die Beine beim Vorbeigehen.
Ganz in der Nähe trieben Werwölfe ihr Unwesen. Die Silbe “Wer” bedeutet althochdeutsch “Mann” der sich in einen reißenden Wolf verwandeln kann, weil er in einem Pakt mit dem Teufel den dafür nötigen Gürtel aus Wolfsfell bekam. Die “Werwölfe-Wanderung” beginnt einen Kilometer nördlich von Gaißau und schlängelt sich durch saftige Wiesen, weiter durch schattige Wälder und sanfte Almen hinauf auf den Ochsenberg.

Hexen und Zauberer waren Bettler
Bei der Wanderung “Die Anfänge des Zauberers Jackl” lohnt ein Abstecher auf die Burg Golling. Hier begann 1675 die beispiellose Zauberer Jackl-Hysterie. Jackl, ein junger Bettler, trieb angeblich sein Unwesen im gesamten Tennengau und war der Anführer von mindestens 138 Hexen und Zauberern. Diese Hexenverfolgung war übrigens die größte in Mitteleuropa und betraf vor allem Buben und junge Männer unter 21 Jahre. Da Jackl niemals gefunden wurde, ranken sich zahlreiche Legenden um ihn und bietet Stoff für Bücher und sogar für einen Film.

Heute geht es auf dieser Burg friedlicher zu. Es befinden sich ein Museum und Ausstellungsräume im alten Burggemäuer. Modeschauen und Konzerte finden in diesem romantischen Ambiente statt.

Teufelfuß und Hexenstein
Der Rundwanderweg “Kitzelnde Hexen”, von Hallein über den Dürrnberg, hat einen weniger dramatischen Hintergrund. Auf dieser Wanderung mit einem Anstieg von 300 Höhenmetern und zwei Stunden Gehzeit begegnen aufmerksame Wanderer dem “Teufelssitz”, der “Hexenwand”, dem “Teufelfuß” und dem “Hexenstein”.
Die “Kitzelnden Hexen” klingen spannend. Bei meiner nächsten Wanderung möchte ich diese gerne entdecken.

Gruselwandern und lokale Küche genießen
Im Buch “Gruselwandern in Salzburg” gibt es viele weitere lohnende Ziele, spannende Geschichten und historische Hintergründe. Zudem erfreuen die idyllischen Wanderwege, die traumhaften Aussichten und die vielen schönen Einkehrmöglichkeiten im Tennengau Herz und Gaumen. Und wer weiß vielleicht entdeckt der Eine oder die Andere im wabernden Nebel oder auf einem der Felsen den einen oder anderen frechen Teufel, eine resolute Hexe oder gar den neckischen “Putzgauch”.

 

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Kein Kommentar

  1. Wird echt Zeit, mal im Tennengau auf Erholungsurlaub zu gehen. Die Grusel-Wanderun ist vermutlich auch genau für unsere Kids das Richtige.

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