Eisbaden ist gefühlt gerade überall Thema, vor allem auf Social Media. Warum springen deiner Meinung nach immer mehr Menschen freiwillig ins kalte Wasser?
Martin: Vor allem, weil Longevity gerade „in“ ist – und damit auch das Eisbaden. Viele glauben, sich damit etwas Gutes zu tun und den täglichen Konsumgiften entgegenzuwirken.
Viele sprechen von mehr Energie, besserem Immunsystem und mentaler Stärke. Was davon erlebst du selbst – und wo wird deiner Meinung nach übertrieben?
Martin: Entscheidend ist die Frage: Will ich nur ein kurzes Erlebnis oder wirklich etwas an mir verändern? Von zehnmal Eisbaden wird das Immunsystem nicht automatisch besser und beim Thema Energie spielt auch viel Einbildung mit.
Für eine anhaltende Wirkung ist entscheidend, ob ich mich tiefer darauf einlasse: Wie oft gehe ich pro Woche ins kalte Wasser – und zwar das ganze Jahr über. Schaue ich dabei nur auf die Uhr oder kann ich wirklich entspannen und loslassen? Genau das ist für mich der Kern. Eisbaden ist – im Gegensatz zum Eisschwimmen – ohne Druck und Zwang. Es geht nicht darum, länger als gestern oder länger als jemand anderer drinzubleiben, sondern den Kopf freizubekommen. Es hat einen stark meditativen Charakter. Wenn es dann auch noch gelingt, dabei Chakra-Arbeit zu leisten, entsteht ohne Zwang ein Maximum an körperlicher, mentaler, emotionaler und seelischer (spiritueller) Gesundheit. Das lässt sich allerdings nicht erzwingen – das dauert oft mehr als einen Winter und kommt von selbst, wenn man gelernt hat, auf den eigenen Körper und seine Reaktionen zu hören.
Wie bist du persönlich zum Eisbaden gekommen?
Martin: Ehrlicherweise genau entgegengesetzt zum Mainstream: ich bin vom Eisschwimmen zum Eisbaden gekommen.
Ist Eisbaden für jeden geeignet?
Martin: Wenn keine gesundheitlichen Einschränkungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Krampfadern usw. bestehen, ja – man muss dafür ja nicht einmal schwimmen können. ;)
Braucht es eine spezielle Ausrüstung zum Eisbaden?
Martin: Nicht für das Baden an sich. Wenn man ins offene Gewässer geht, empfehle ich Schwimmschuhe, da man oft die Steine beim Herausgehen nicht mehr spürt und sich leicht schneiden kann. Für hinterher sind weite Socken und Kleidung von Vorteil.
Was sollten absolute AnfängerInnen unbedingt wissen, bevor sie zum ersten Mal ins kalte Wasser steigen?
Martin: Niemals alleine ins kalte Wasser gehen – dein Körper kann jedes Mal anders reagieren! Nicht baden, wenn man krank ist oder sich auch nur krankt fühlt. Kein Alkohol vor dem Eisbad, denn der zieht – genauso wie das kalte Wasser – die Arterien zusammen, was zu großen Problemen führen kann. Ein ärztlicher Check vor dem ersten Eisbad ist absolut empfehlenswert. Metallimplantate, sowie Ringe und Schmuck erhöhen das lokale Auskühlen. Für danach: warmen Tee trinken – aber nur warm und nicht heiß!
Welche drei Grundregeln sollte jede Person beherzigen, die das Eisbaden ausprobieren möchte?
Martin: Zuerst sollte man sich ehrlich fragen: Warum will ich das? Weil es andere machen? Weil es gerade „in“ ist? Weil es ein Abenteuer ist? Weil ich etwas für meinen Körper oder mein Immunsystem tun will? Weil ich meinen Körper besser kennenlernen möchte? Weil ich mir mental etwas erwarte oder an meine Grenzen gehen will?
Zweitens: entsprechende Bekleidung wie schon erwähnt.
Drittens: Kein Alkohol davor, wie auch schon oben gesagt.
Viertens: Niemals alleine ins Wasser gehen und vorher ärztlich abklären lassen.
Welche Fehler beobachtest du bei EinsteigerInnen häufig?
Martin: Falsche Motive. Viele denken: „Ah, geht ja easy, ich bleib noch eine Minute länger“ – aber dann kommt das Zittern hinterher.
Wie lange sollte man beim ersten Eisbad wirklich im Wasser bleiben und warum ist „länger“ oft keine gute Idee?
Martin: Genau so lange, wie es einem gefällt und keine Sekunde länger. Es geht ja nicht um Zeit, sondern um Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis.
Welche Rolle spielen Atmung, mentale Vorbereitung und Ruhe vor dem Einstieg?
Martin: Atmung spielt immer eine sehr große Rolle. Mentale Vorbereitung braucht es vor allem beim ersten Mal, damit man weiß, warum man es macht. Später wird das Eisbaden selbst zur mentalen Übung des Tages.
Was sollte man auf keinen Fall direkt vor oder nach dem Eisbaden tun?
Martin: Alkohol trinken – auch hinterher soll man zumindest eine Stunde warten.
Welchen Tipp gibst du Menschen, die das Eisbaden gerne ausprobieren möchten, aber noch überlegen, ob es das Richtige für sie ist?
Martin: Einfach mal vorbeikommen und zuschauen, wie wir das zwei Mal wöchentlich im Waldbad Lungötz anbieten und dann gegebenenfalls selbst ausprobieren. Der Vorteil bei uns: hinterher gibt es eine Fasssauna!
Tipp: Eisbaden in Annaberg-Lungötz
- Bis ca. Ende März jeweils am Montag & Mittwoch von 15 – 17 Uhr
- Normalpreis € 7,- | mit TennengauPLUS Card € 5,-
- Anmeldung beim TVB Annaberg-Lungötz bis jeweils 12 Uhr
unter info@annaberg-lungoetz.com oder +43 6463 8690
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©Martina Gappmaier
TVB Abtenau