Osterbräuche: Was steckt eigentlich hinter Osterhase, Osterei und Co.?

Traditionen zu Ostern im Salzburger Land

Für die Christen in aller Welt beginnt mit dem Aschermittwoch (der Tag nach dem Faschingsdienstag) die Fastenzeit. In diesen 40 Tagen bereitet sich die Christenheit auf Ostern vor, das Fest der Auferstehung. Auch wenn man das mit den Fasten nicht mehr so genau nimmt oder in unterschiedlicher Weise praktiziert wird (Verzicht auf Fleisch, Alkohol, Handy, Autos,..) freuen sich allesamt auf das Osterfest und dazugehörige Karwoche.

Schon seit vielen Jahrhunderten werden die verschiedensten Tennengauer Traditionen in den Familien gelebt und an die Kinder weitergegeben. Besonders zu Ostern gibt es einige Bräuche, welche viele Leute nicht wissen, warum diese eigentliche existieren? Wisst ihr warum der Karfreitag der Ratschentag ist und was der Palmesel mit dem Palmsonntag zu tun hat?

Die Karwoche beginnt: Palmsonntag-Palmweihe und Palmesel

Letzten Sonntag war Palmsonntag. Viele machten sich im Salzburger Land mit ihrer Familie auf den Weg zum Gottesdienst um dort die Palmbuschen weihen zu lassen. Mittlerweile vorwiegend im Trachtengewand – im Dirndl und in der Lederhose! Einfach wunderschön anzusehen – die bunte Farbenpracht der geweihten Buschen und trachtigen Gewänder!

Der Brauch der Palmbuschen geht auf biblische Gerüchte zurück, dass Jesus auf einem Esel als „Friedenskönig in Jerusalem einzog und vom Volk mit Palmzweigen bejubelt wurde. In Erinnerung daran, werden am Palmsonntag die Palmbuschen geweiht. Und wer am Palmsonntag nicht aus den Federn kommt ist der „Palmesel“ (Synonym für Langschläfer). Der „Palmesel“ wurde ursprünglich für den Burschen geprägt, der als letzter mit dem Palmbuschen in die Kirche kommt.

Ein besonderer Brauch dazu wird in Puch bei Hallein gelebt. Ein über 400 Jahre alter hölzerner Palmesel mit Christusfigur wird bei der Palmprozession von vier Burschen durch den Ort getragen. Und das als einer von zwei in ganz Österreich!

Gründonnerstag: Ostereier färben & Eierpecken

Der Gründonnerstag steht für das Paschafest mit den Jüngern Jesu. Im Tennengau wird an diesem Tag traditionell viel Grünes, wie Spinat mit Kartoffel und Spiegelei oder saisonaler Bärlauch gegessen. Besonders gut eignet sich der Gründonnerstag zum Eierfärben, bevor die Feiertage los gehen und die Verwandschaft bzw. der Osterhase kommt.

In der Fastenzeit wurde früher auf tierische Speisen verzichtet, deshalb war das Ei (Zeichen des Lebens und der Auferstehung), welches dann bemalt wurde ein ersehntes Ostergeschenk. In den 40 Tagen legten die Hühner fleißig ihr Eier, die aber wegen der Fastenzeit nicht gegessen wurden. Deshalb machte man sie haltbar und hat sie zu Ostern gegessen. Für die Christen ist es auch ein Symbol, das Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.

Am Ostersonntag findet dann das traditionelle „Eierpecken“ mit den geweihten Eiern statt. Das Ostereierpecken ist ein Spiel bei dem 2 Personen mit einem hartgekochten Ei gegeneinander antreten. Ein Spieler beginnt und schlägt mit der Spitze auf das Ei des Gegners. Gewinner des Eierpeckens ist der Spieler, bei dem die Eierschale noch ganz ist. Dabei gilt immer Spitze auf Spitze und Popo an Popo :-)

Karfreitag ist Ratschentag

Im ganzen Land Salzburg hört man am Karfreitag ein lautes, hölzernes Klappern – das „RATSCHEN“. Der alte Osterbrauch, der die Kirchenglocken einen Tag zum Schweigen bringt, ist weitum bekannt. Das Ratschen ersetzt von Gründonnerstag bis zur Osternacht das Läuten der Kirchenglocken, als Zeichen der Trauer. Man spricht davon, dass die Glocken nach Rom fliegen und erst zu Ostern wieder zurückkommen. Das Karfreitagsratschen wurde 2015 sogar in die Liste der immateriellen UNESCO Kulturerbe aufgenommen.

Im Tennengau ziehen die „Ratschen-Kinder“ von Haus zu Haus und sammeln dabei für diverse Zwecke Spendegelder. Wie ihr vielleicht schon einmal gesehen habt, gibt es verschiedene Ratschen-Formen wie die Schub­karrenratschen, Wal­zenratschen, Hammerratschen. Bei letzterer treffen kleine Holzhämmer durch die Auf- und Abbewegung auf ein Hartholzbrett. Daraus entsteht ein lautes Schlaggeräusch. Bei der Walzenratsche, wie im Bild wird mit einer Kurbel eine gezackte Walze gedreht. Beim Drehen springt der Holzspann von Zacke zu Zacke und erzeugt so das typische, .laute „ratschende“ Geräusch. Für mich ein Laut, der zur Osterzeit genauso dazu gehört wie das zerbrechen der Eierschale beim Eierpecken.

Speisenweihe am Karsamstag und Ostersonntag

Am Ende des Auferstehungsgottesdienstes in der Osternacht oder nach dem Ostersonntagsgottesdienst werden die Körbe mit den Speisen geweiht. Der traditionelle Inhalt des Korbes sind: Ostereier, Schinken, Brot, Salz und Butter, eventuell auch Osterprinzen oder ein Milchbrot. Meistens werden die Speisen nach der Weihe beim Osterbrunch oder Osteressen mit der Familie gegessen.

Auch meine Familie und ich gehen am Ostersonntag um 09.00 Uhr in den Gottesdienst. Natürlich haben wir auch eine Korb mit verschiedenen „Osterspeisen“ dabei. Nach der Weihe fahren wir dann nach Hause, wo wir einen gemütlichen Osterbrunch machen. Besonders freue ich mich immer auf das selbstgemachte Osterstriezel.

Woher kommt eigentlich der Osterhase?

Denkt man an den Osterhasen, denkt man an Ostereier, Schokohasen und kleine Geschenke die im Garten versteckt werden. Kinder lieben diese Tradition und freuen sich schon Tage zuvor auf das große Eiersuchen.

Der Osterhase ist ein weltliches Symbol des Osterfestes und zierte als Abbildung schon mittelalterliche Messbücher für den Monat März. Zu einem Kennzeichen des Frühlings, des Osterfestes und zum Gabenbringer für Kinder machte ihn seine Fruchtbarkeit.

Im Salzburger Land gibt es noch weitere Osterbräuche wie das Osterfeuer die im Tennengau nicht so gelebt werden. In St. Martin wird am Karsamstag die Auferstehung Christi gefeiert. Am Beginn wird vor der Kirche ein Osterfeuer entzündet und danach wird gemeinsam in der Kirche gesungen und gebetet. In der dunklen Kirche wird dann durch Teilen das Osterlicht verbreitet und es wird immer heller und heller. Am Schluss der Auferstehungsfeier gehen die Lichter wieder an, die Glocken werden wieder von den Ministranten geläutet und es wird gemeinsam das Lied “ Der Heiland ist erstanden“ gesungen.

Ich freue mich schon sehr auf das Osterfest, besonders auf das Eierfärben am Gründonnerstag und auf das gemeinsame Feiern im Kreise meiner Familie. Frohe Ostern!