Wohnen und Arbeiten – zwei Bereiche der Lebenshilfe
In Abtenau gibt es zwei eigenständige Einrichtungen, die beide zur Lebenshilfe Salzburg gehören: das Wohnhaus unter der Leitung von Bernhard Lichtenegger und die Werkstätte unter der Leitung von Erich Winkler.
Das Wohnhaus besteht seit 2019 und bietet derzeit 16 Menschen mit Behinderungen ein dauerhaftes Zuhause. Einige Bewohner werden rund um die Uhr im Wohnhaus betreut, andere gehen während des Tages in die Werkstätte und sind dort beschäftigt.
Zusätzlich gibt es ein Gästezimmer. Dieses kann von Menschen mit Behinderungen genutzt werden, die normalerweise bei ihrer Familie leben, aber vorübergehend eine andere Betreuung benötigen – etwa wenn die Angehörigen verhindert sind.
Und dann gibt es natürlich noch das ganz normale Leben: gemeinsame Unternehmungen, Ausflüge und Urlaubsaktionen. Im Herbst steht für einige Bewohner beispielsweise eine Reise nach Wien auf dem Programm.
Ein Jubiläum und ein neues Kapitel
Die Werkstätte der Lebenshilfe kann heuer (2026) bereits auf 30 Jahre in Abtenau zurückblicken. Dort gehen die Beschäftigten unterschiedlichen Tätigkeiten nach, arbeiten kreativ und übernehmen immer wieder auch kleinere Aufgaben für Abtenauer Betriebe und Einrichtungen – zB beim Kehren von Außenanlagen oder bei Arbeiten rund um den Friedhof.
Viele Abtenauer kennen die Lebenshilfe außerdem von früheren Adventmärkten. Dort war die Werstätte immer wieder mit Selbstgebasteltem und heißen Maroni vertreten.
Am 19. September 2026 werden die 30 Jahre gemeinsam gefeiert – mit einem Tag der offenen Tür und einem Konzert im Gemeindegarten (nur bei Schönwetter).
Gleichzeitig beginnt ein neues Kapitel: im ehemaligen Sportgeschäft Schwaighofer werden die neuen Räumlichkeiten der Lebenshilfe eingeweiht.
Wenn aus einem Schulfach ein Beruf wird
Wie wertvoll Begegnungen sein können, zeigt die Zusammenarbeit mit der Mittelschule Abtenau besonders schön.
Die von Gabi Posch initiierten „Helping Hands“ sind ein Interessensfach, bei dem Schüler einmal pro Woche die Lebenshilfe Werkstätte besuchen. Gemeinsam wird spazieren gegangen, gespielt und vor allem Zeit miteinander verbracht.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Programm unterzubringen, sondern dass Berührungsängste und Hemmschwellen abgebaut werden. Aus erst ungewohnten Begegnungen wird ein ganz normaler und selbstverständlicher Umgang miteinander.
Dass daraus sogar berufliche Wege entstehen können, zeigen zwei heutige Mitarbeiter der Lebenshilfe. Sie lernten die Einrichtung während ihrer Schulzeit durch die „Helping Hands“ kennen und konnten in diesen Bereich hineinschnuppern. Dabei stellten sie fest, dass genau hier ihre berufliche Zukunft liegen könnte.
Gemeinsam auf den Berg
Auch beim Wandern begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderung immer wieder, wie zum Beispiel bei der Wander-WM 2023, wo eine Gruppe der Lebenshilfe als Teilnehmer mit dabei war – oder die inklusiven Wanderungen, die zusammen mit dem Alpenverein organisiert werden. Auch zu den Inklusionsfesten mit der Meissnitzer Band wird immer gewandert.
Ein besonderes Projekt gab es im September 2023: Wegewart Peter Reschreiter brachte die Alpenvereinsjugend und die Lebenshilfe rund um Martina Schmiderer zusammen und gemeinsam erneuerten sie am Weg zur Gsengalm Entwässerungsrinnen, bauten Trittsteine ein und entfernten loses Gestein. Nach getaner Arbeit wartete natürlich eine Belohnung: ein gemeinsames Gipfelerlebnis auf der Gsenghöhe und eine gemütliche Einkehr auf der Gsengalm-Hütte.
Plötzlich entsteht ein kleines Konzert
Eine besonders schöne Geschichte spielt sich regelmäßig in der Werkstätte ab.
Hans Könighofer besucht dort seinen ehemaligen Musikerkollegen Christian, der seit einem schweren Unfall bei der Lebenshilfe lebt. Fast jede Woche holen die beiden ihre Trompeten hervor und musizieren gemeinsam.
Und meistens bleibt es nicht lange bei dem Duo – wer von den Kollegen Lust hat, darf sich ein Instrument schnappen und mitmachen. So entsteht ganz spontan ein kleines Konzert.
Ein kleines Missgeschick mit schönen Folgen
Manchmal entstehen die schönsten Begegnungen aus einem kleinen Missgeschick. So war es auch bei der Landjugend Abtenau:
zu Fronleichnam blieb ihre Vereinsfahne etwas länger als üblich in der Kirche stehen. Der damals noch neue Fähnrich hatte schlicht darauf vergessen, sie rechtzeitig abzuholen.
Pater Virgil nahm die Sache mit Humor – und die Fahne in Verwahrung. Um sie wieder „auszulösen“, stellte er der Landjugend eine besondere Aufgabe: gemeinsam mit der Lebenshilfe sollte ein soziales Projekt umgesetzt werden.
Für die Landjugend passte das perfekt, denn eine solche Aktion war ohnehin bereits geplant. Also wurde aus der kleinen „Fahnenpanne“ ein gemeinsamer Nachmittag mit Osterjause.
Ein Apfelbau für mehr Inklusion
Ein sichtbares Zeichen für dieses Miteinander wächst hinter dem Gemeindeamt: dort wurde ein „Apfelbäumchen für mehr Inklusion“ gepflanzt.
Die Idee dahinter passt eigentlich sehr gut zu all den Geschichten, die sich rund um die Lebenshilfe in Abtenau erzählen lassen: Inklusion entsteht nicht durch eine einzelne große Aktion – sie wächt dort, wo Menschen einander begegnen, miteinander arbeiten, wandern, musizieren oder einfach Zeit miteinander verbringen.
- Mittendrin in Abtenau – gelebte Inklusion mit der Lebenshilfe - 15. September 2026
- Tradition mit Taktgefühl - 13. August 2026
- Weinmarkt in Abtenau - 14. Juli 2026




©Martina Gappmaier