Föhniger Wind bläst uns an diesem Frühlingstag kräftig um die Ohren. Er bringt mich zwar ein wenig aus dem Gleichgewicht, er hält mich allerdings nicht von der Wyda-Wanderung in die Pucher Au ab. Wyda-Trainerin Sandra Leis zeigt mir und vier weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern im üppig bewachsenen Grün leichte Übungen wie sie bereits die Kelten gemacht haben könnten.

Sandra hat als Treffpunkt den Parkplatz beim Recyclinghof und Pfadfinderheim in Puch bei Hallein gewählt. Wir starten um 18 Uhr und tauchen nach ein paar Schritten in das Naherholungsgebiet Pucher Au ein. Es duftet nach Bärlauch. Immer wieder raschelt es im Unterholz und eine Ente quakt hinter dem grünen Vorhang aus Bäumen und Sträuchern.
Schon bald verlassen wir den Wanderweg und gelangen – entlang eines schmalen Pfades – zu einem mit Schilf bewachsenen ebenen Platz. Hier bleiben wir stehen und die TEM-Wyda-Trainerin (Traditionell-Europäische-Medizin) erklärt: “Wyda ist Achtsamkeit, Erkenntnis und Freude. Die Bewegungsübungen und -meditationen gehen auf die Druiden, die geistige Elite der Kelten, zurück.”

Die Druidenfaust stellt das Kernelement des Wyda dar. Sie ist für die energetische Wirkung bedeutend.

Wir beginnen mit Übungen zur Beruhigung des Geistes. Beim Einatmen geben wir die Arme zur Seite und strecken die Finger aus. Beim Ausatmen bewegen wir die Arme vor dem Körper aufeinander zu und schließen die Finger zur Faust. Die Fäuste berühren sich sanft auf Höhe des Herzens. Die Daumen liegen ebenso sanft aneinander. Wir formen ein Herz, das auf dem Kopf steht, und verneigen uns.

Energiefelder aktivieren
Die Kelten hatten angeblich drei Energiefelder: Bauch, Brust und Kopf. Wir beginnen mit dem Vitalzentrum beim Nabel und legen die Druidenfaust unter den Nabel, die Daumen liegen über dem Nabel. Wir atmen ein und sagen laut Ahhhhhhh. Nach ein paar Atemzügen entspanne ich mich, spüre Wärme und Ruhe im Bauch. Bei Margit beginnt es zu grummeln. Sandra lacht und sagt: “Diese Übung regt die Verdauung an und stärkt das Immunsystem.” Danach strecken wir die Arme zur Seite und legen die Druidenfaust auf Höhe des Herzens. Jetzt sagen alle laut Ohhhhhh. Ich nehme meinen Herzschlag wahr, höre wieder eine Ente quaken und spüre den Wind. Nach einigen Atemzügen hat sich der Herzschlag verlangsamt. Wieder breitet sich Ruhe aus.

Das Emotionalfeld ist für Gefühle zuständig

“Das Emotionalfeld im Brustbereich ist für Gefühle und Intuition zuständig”, erklärt Sandra. Danach strecken wir die Arme ein weiteres Mal zur Seite und legen die Druidenfaust auf die Stirn. Die beiden Daumen zeigen Richtung Herz. Mhhhhhh tönen wir beim Ausatmen. Die Gedanken werden nach ein paar Atemzügen weniger, ich entspanne mich noch mehr und nehme die Umgebung bewusster wahr. Sandra sagt: “Das Mentalfeld beeinflusst die Gehirnfunktion, unsere Sinne und Denkvorgänge. Es ist im Kopfbereich, im Gebiet der Zirbeldrüse, das wir das dritte Auge nennen.”

Bewegung mit der Natur
Wyda ist eine Philosophie ebenso wie ein körperliches und spirituelles Übungssystem, das schon die Druiden der Kelten praktiziert haben sollen. Daher wird Wyda auch als Keltenyoga bezeichnet. Sandra gefällt dieser Name nicht, denn Wyda hat eigene Übungen, auch wenn diese manchmal an Yoga erinnern. Die Adneterin sagt: “Der Unterschied zu anderen Bewegungslehren ist der, dass wir uns als Teil der Natur betrachten und die umgebende Natur in die Übungen mit einbeziehen. Wir bewegen uns nicht nur in der Natur, sondern mit der Natur. Mit all den Energien, den Kräften und den Schwingungen.”
Wir lassen diese Energiefelder- Übungen ein Weilchen nachwirken und beobachten wie sich die Weiden und die trockenen Schilfhalme im Wind wiegen. Danach wandern wir zurück zum Weg und gehen zu einem nahen Grundwasserteich der Salzach. “Das Wasser hilft uns in Balance zu kommen. Außerdem ist es für alle Herzübungen gut”, sagt Sandra.

Baldrian ist eine der gesündesten Pflanzen
Entlang des Weges entdecken wir Pflanzen wie das Mädesüß. “Die Blüten enthalten Acetylsalicylsäure. Dieser Stoff ist auch im Aspirin enthalten”, erklärt die pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin. Die Kräuterpädagogin und TEM-Praktikerin (Traditionell europäische Medizin) macht uns auf ein Büschel sattgrüner, gefiederter Blätter aufmerksam: “Das ist Baldrian, eine der gesündesten Pflanzen überhaupt. Sie beruhigt in geringer Dosis. In hoher Dosis putscht sie allerdings auf.”

Sandra Leis zeigt ein Baldrianblatt

Am Schluss der Wanderung kommen wir zu einer großen Buche. “Sie ist die Mutter des Waldes”, sagt Sandra. Auf dem Boden wächst jede Menge Bärlauch. Hier setzen wir uns im Fersensitz vor die Buche und machen die Übung “Bär”.

Der Bär

Zum Abschluss und zum Dank machen wir die Druidenfaust und verbeugen uns. Dann gehen wir zurück zum Parkplatz. Der Föhn bläst uns wieder um die Ohren. Diesmal bringt er mich nicht aus dem Gleichgewicht. Die Übungen und die Wanderung haben mir gutgetan. Ich beschließe sie morgen zu wiederholen.

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