Wohnen und Arbeiten – zwei Bereiche der Lebenshilfe
In Abtenau gibt es zwei eigenständige Einrichtungen, die beide zur Lebenshilfe Salzburg gehören: das Wohnhaus unter der Leitung von Bernhard Lichtenegger und die Werkstätte unter der Leitung von Erich Winkler.
Das Wohnhaus besteht seit 2019 und bietet derzeit 16 Menschen mit Behinderungen ein dauerhaftes Zuhause. Einige Bewohner werden rund um die Uhr im Wohnhaus betreut, andere verbringen ihren Tag in der Werkstätte und gehen dort einer Beschäftigung nach. Zusätzlich gibt es ein Gästezimmer. Es steht Menschen mit Behinderungen zur Verfügung, die normalerweise bei ihrer Familie leben und vorübergehend eine andere Betreuung benötigen – etwa wenn Angehörige verhindert oder auf Urlaub sind.
Die Werkstatt gibt es bereits seit 1996. Heute sind dort 26 Klienten aus dem Lammertal, Gosau und Scheffau beschäftigt. Während ein Teil von ihnen im Abtenauer Wohnhaus lebt, kommen andere täglich von zu Hause in die Werkstätte. Und dort ist einiges los: für die Voglauer Möbelwerke werden kleinere Auftragsarbeiten erledigt, in den kreativen Bereichen entstehen beispielsweise selbst gegossene Kerzen und auch Bewegung und Sport gehören zum Alltag. Je nach Jahreszeit geht es zum Langlaufen, Schneeschuhwandern, Klettern oder Fußballspielen nach draußen. Darüber hinaus übernehmen die Beschäftigten immer wieder kleinere Hilfsarbeiten für Abtenauer Betriebe.
Und dann gibt es natürlich noch das ganz normale Leben: gemeinsame Unternehmungen, Ausflüge und Urlaubsaktionen. Im Herbst steht für einige beispielsweise eine Reise nach Wien auf dem Programm.
30 Jahre – ein Grund zum Feiern!
Die Werkstätte der Lebenshilfe kann heuer bereits auf 30 Jahre in Abtenau zurückblicken. Ein Jubiläum, das am 19. September 2026 gebührend gefeiert wurde!
Beim Tag der offenen Tür konnten die neuen Räumlichkeiten im ehemaligen Sportgeschäft Schwaighofer besichtigt werden. Sie sind speziell auf die Bedürfnisse von Klienten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf abgestimmt. Reizarme Räume schaffen dort eine ruhige Umgebung und bieten Rückzugsmöglichkeiten, wenn Erholung und Entspannung gebraucht werden.
Die vielen Besucher haben bei Kaffee und Kuchen, kühlen Getränken und bester Stimmung ausgelassen gefeiert – es wurde gesungen, gelacht, getanzt und auf die 30 Jahre angestoßen. Auf der Bühne im Gemeindegarten gab es Ansprachen, die Mitarbeiter und Beschäftigten wurden vorgestellt – und natürlich durfte auch die Musik nicht fehlen! Ein schöner Nachmittag, der einmal mehr gezeigt hat, wie selbstverständlich die Lebenshilfe zu Abtenau gehört.
Wenn aus einem Schulfach ein Beruf wird
Wie wertvoll Begegnungen sein können, zeigt die Zusammenarbeit mit der Mittelschule Abtenau besonders schön.
Die von Gabi Posch initiierten “Helping Hands” sind ein Interessensfach, bei dem Schüler einmal pro Woche die Lebenshilfe Werkstätte besuchen. Gemeinsam wird spazieren gegangen, gespielt und vor allem Zeit miteinander verbracht.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Programm unterzubringen, sondern dass Berührungsängste und Hemmschwellen abgebaut werden. Aus erst ungewohnten Begegnungen wird ein ganz normaler und selbstverständlicher Umgang miteinander.
Dass daraus sogar berufliche Wege entstehen können, zeigen zwei heutige Mitarbeiter der Lebenshilfe. Sie lernten die Einrichtung während ihrer Schulzeit durch die “Helping Hands” kennen und konnten in diesen Bereich hineinschnuppern. Dabei stellten sie fest, dass genau hier ihre berufliche Zukunft liegen könnte.
Gemeinsam auf den Berg
Auch beim Wandern begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderung immer wieder, wie zum Beispiel bei der Wander-WM 2023, wo eine Gruppe der Lebenshilfe als Teilnehmer mit dabei war – oder die inklusiven Wanderungen, die zusammen mit dem Alpenverein organisiert werden.
Ein besonderes Projekt gab es im September 2023: Wegewart Peter Reschreiter brachte die Alpenvereinsjugend und die Lebenshilfe rund um Martina Schmiderer zusammen und gemeinsam erneuerten sie am Weg zur Gsengalm Entwässerungsrinnen, bauten Trittsteine ein und entfernten loses Gestein. Nach getaner Arbeit wartete natürlich eine Belohnung: ein gemeinsames Gipfelerlebnis auf der Gsenghöhe und eine gemütliche Einkehr auf der Gsengalm-Hütte.
Eine enge Verbindung besteht außerdem zur Meissnitzer Band. Seit vielen Jahren begleitet und unterstützt sie die Lebenshilfe – bei Wanderungen ebenso wie bei Festen, Auftritten und musikalischen Begegnungen. Beim Okotberfest im Wohnhaus wurde zum Beispiel zusammen gefeiert und auch beim 30-jährigen Bandjubiläum auf der Rohrhofhütte durfte die Lebenshilfe nicht fehlen.
Die Musik spielt dabei eine ganz zetrale Rolle. Schon 2013 entstand ein gemeinsames Video zum Song “Du bist anders” – einem Lied für Menschen mit Behinderungen. “Die beste und schönste Energie entsteht immer beim Miteinander-Musizieren”, erzählt Christiane Meissnitzer. Dabei kann es schon mal passieren, dass die Leute am liebsten gar nicht mehr aufhören möchten.
Plötzlich entsteht ein kleines Konzert
Eine besonders schöne Geschichte spielt sich regelmäßig in der Werkstätte ab.
Hans Könighofer besucht dort seinen ehemaligen Musikerkollegen Christian, der seit einem schweren Unfall bei der Lebenshilfe lebt. Fast jede Woche holen die beiden ihre Trompeten hervor und musizieren gemeinsam.
Und meistens bleibt es nicht lange bei dem Duo – wer von den Kollegen Lust hat, darf sich ein Instrument schnappen und mitmachen. So entsteht ganz spontan ein kleines Konzert.
Und vielleicht braucht gelebgte Inklusion manchmal wirklich nicht viel mehr: ein paar Instrumente, Menschen, die gerne Zeit miteinander verbringen – und niemanden, der auf die Uhr schaut.
Ein kleines Missgeschick mit schönen Folgen …
… trug sich bei der Landjugend Abtenau zu:
zu Fronleichnam blieb ihre Vereinsfahne etwas länger als üblich in der Kirche stehen. Der damals noch neue Fähnrich hatte schlicht darauf vergessen, sie rechtzeitig abzuholen.
Pater Virgil nahm die Sache mit Humor – und die Fahne in Verwahrung. Um sie wieder “auszulösen”, stellte er der Landjugend eine besondere Aufgabe: gemeinsam mit der Lebenshilfe sollte ein soziales Projekt umgesetzt werden.
Für die Landjugend passte das perfekt, denn eine solche Aktion war ohnehin bereits geplant. Also wurde aus der kleinen “Fahnenpanne” ein gemeinsamer Nachmittag mit Osterjause.
Ein Apfelbau für mehr Inklusion
Ein sichtbares Zeichen für das Miteinander aller Menschen wächst hinter dem Gemeindeamt: dort wurde ein “Apfelbäumchen für mehr Inklusion” gepflanzt.
Die Idee dahinter passt eigentlich sehr gut zu all den Geschichten, die sich rund um die Lebenshilfe in Abtenau erzählen lassen: Inklusion entsteht nicht durch eine einzelne große Aktion – sie wächt dort, wo Menschen einander begegnen, miteinander arbeiten, wandern, musizieren oder einfach Zeit miteinander verbringen.
- Mittendrin in Abtenau – gelebte Inklusion mit der Lebenshilfe - 29. September 2026
- Tradition mit Taktgefühl - 13. August 2026
- Weinmarkt in Abtenau - 14. July 2026




©Martina Gappmaier