Große Festprozession in St. Jakob am Thurn!

Jährlich wird am zweiten Donnerstag, 10 Tage nach Pfingsten der römisch-katholische Feiertag „Fronleichnam“ im ganzen Salzburger Land gefeiert. Es ist das “Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ und weist auf die Elemente der Eucharistie hin. Zudem ist das Hochfest auch ein gesetzlicher Feiertag in Österreich.

Festprozession unter der alten Kaiserlinde
Festprozession unter der alten Kaiserlinde

Seit Jahren ist zu erkennen, dass wieder vermehrt Gläubige und Gäste das Fest miteinander feiern. Für viele ist es der Beginn der Sommerfeste und es werden die bunten Dirndlkleider und zünftigen Lederhosen wieder aus dem Schrank geholt. Im idyllischen Wallfahrtsort St. Jakob am Thurn in Puch ist der sogenannte „Prangertag“ ein schönes Fest unter freiem Himmel für die ganze Familie. Doch was bedeutet das Fronleichnamsfest eigentlich und was ist das besondere daran?

Für mich ist dieses Hochfest ein Fixtermin im jährlichen Kirchenkalender. Früher als Kind, danach als “Frauträgerin” und später jahrelang als Marketenderin. Jetzt als Mutter mit Kleinkind ist es wieder ein ganz anderes, besonderes Erlebnis. Jedenfalls habe ich einige Bilder für Euch in den letzten Jahren gesammelt und erkläre Euch mit diesen 5 Fakten nun gerne die Hintergründe von Fronleichnam!

1. Was wird gefeiert – Fronleichnam oder Prangertag?

Wie nennt oder kennt Ihr diesen besonderen Festtag in Salzburg? Ich bevorzuge den bei uns bekannten Dialekt-Ausdruck “Prongatog“. Aber was bedeutet dieses Wort? Da sich an Fronleichnam alles und jeder schön machte – wurde vom PRANGEN oder auch PRAHLEN gesprochen. Nicht nur die Häuser und Straßen wurden für die Prozessionen mit Blumen und Birkenzweigen geschmückt. Auch die Leute selbst holten ihr bestes Festtagsgewand heraus und prangen somit um die Wette. Und wenn wir uns ehrlich sind, ist es heutzutage nichts anderes 🙂

Wie man vielleicht meinen würde, hat das Wort Fronleichnam nichts mit einer Leiche zu tun. Im Gegenteil. Der Name stammt vielmehr von “fron = Herr” und “lichnam = Leib“. Es bedeutet eher Danksagung und weist auf die Elemente der Eucharistie hin. Fronleichnam besteht auch bereits seit dem Jahr 1209 durch die Mission von der Ordensfrau Juliana von Lüttich. Sie erkannte in einem Traum, dass dieses Fest vom Sakrament der Eucharistie noch im Kirchenkalender fehlte. Papst Johannes XXII machte im Jahr 1317 einen Festtag draus, der bis jetzt gefeiert wird. Egal wie ihr es nennt, rein in Eure Festtagstracht und auf zum Kirchplatz!

2. Die Prozession: Festlicher Umzug um den Weiher

Zu Fronleichnam finden in vielen Orten im Tennengau (einige erst am Sonntag darauf, wie bei der Pfarrkirche Puch) am Vormittag feierliche Prozessionen durch die idyllischen Ortschaften – durch Straßen, Feld und Flur statt. Beim Bittgang begleiten die Gläubigen die Monstranz, welche vom örtlichen Pfarrer stolz unter dem “Himmel” getragen wird.

Jeder hat seinen fixen Platz

Die Ministranten führen die Prozession an
Die Ministranten führen die Prozession an

In St. Jakob führt die traditionelle Prozession nach der heiligen Messe am Kirchplatz, um den idyllischen Weiher. Unter dem von vier Jakobischützen tragenden Himmel – einem Baldachin (ein besticktes Dach aus Stoff mit vier Stangen an jeder Ecke zum Tragen), trägt der Herr Pfarrer die „Monstranz“. Von Station zu Station. Bei den vier schön geschmückten Altären entlang des Waldweges erteilt er dann den Segen in alle Himmelsrichtungen. Gerne erinnere ich mich noch an früher, wo sogar der Herr Pfarrer mit dem Himmel und den Ministranten mit einem kleinen Boot von Station zu Station über den Weiher gefahren ist. Leider wird dies aber nicht mehr so gemacht.

Die Prozession wird von drei Ministranten mit Kreuz angeführt. Dahinter folgt ein Jakobischütz hoch zu Ross, die Musikkapelle Puch, der FF Löschzug St. Jakob, der Trachtenverein D´Puachstoana und die historischen Jakobischützen mit der Heiligen Jakob Statue. Anschließend folgen die jungen Mädchen mit der Statue der Muttergottes, die Erstkommunion-Kinder und der Herr Pfarrer mit der Monstranz unter dem Himmel. Abgeschlossen wird der festliche Umzug mit dem Kirchenchor und der Bevölkerung. Wobei zuerst die Männer und danach die Frauen gehen.

Die Stationen zu den 4 Altären

Beim Bio-Gasthof Der Schützenwirt und dem alten Kaffeehaus vorbei, bis hin zum Schlossturm und zurück zur Wallfahrtskirche St. Jakob am Thurn, führt der Umzug rund um den Weiher. Während der Prozession wird der Rosenkranz gebetet, Kirchenlieder gesungen und der Umgang von der Musikkapelle Puch musikalisch begleitet. Um den Leib Christi und auch den Feiertag zu feiern, werden vielerorts mit Fahnen und Birkenzweige die Prozessionstrecke geschmückt.

Beim Frühschoppen der Musikkapelle Puch im Garten des Bio-Gasthaus Schützenwirt lassen wir das Hochfest jährlich noch gemütlich ausklingen. Dabei darf auch das ein oder andere Schnapserl von den Marketenderinnen nicht fehlen. TIPP: Für die Kinder ist direkt nebenbei der Spielplatz!

3. Der Mittelpunkt der Prozession: die Monstranz

Monstranz mit Pfarrer unter dem Himmel
Monstranz mit Pfarrer unter dem Himmel

An Fronleichnam wird der Leib Jesu gefeiert, also seine Gestaltwerdung in der Eucharistie. Symbolisch befindet sich daher in der Monstranz eine Hostie, die zur Verehrung feierlich gezeigt wird. Die Monstranz ist ein liturgisches Schausgefäß, kostbar in Gold und mit Edelsteinen verziert. Zum Festtag wird sie noch mit Blumen geschmückt. Wie ihr am Bild auch gut sehen könnt, hält der Herr Pfarrer die Monstranz nicht mit bloßen Händen. Als Schutz und zur Ehrfurcht sind die Hände mit dem Schulter-Velum (der liturgischen Kleidung) verhüllt.

Die konsekrierte Hostie in der Monstranz bleibt das ganze Jahr über im Kirchraum. Vielerorts wird sie zum Erntedankfest im Herbst nochmals ausgetragen, oder wie bei uns bei der Prozession zum Jakobikirtag am letzten Sonntag im Juli.

4. Die Prozessionsfiguren: Madonna & Jakobus

Genauso wie die Monstranz, stehen zwei besondere Figuren das ganze Jahr über in der Wallfahrtskirche St. Jakob in verschlossenen Glasvitrinen. Neben der schwarzen Loretomuttergottes wird auch die Elfenbeinstatue des Heiligen Jakobus mit Pelegrine und Pilgerhut zur Prozession aus der Kirche geholt und feierlich mitgetragen. Die Madonna von vier jungen Mädchen und den Jakobus von vier Jakobischützen!

Schon am Tag zuvor schmücken vier Mädchen (traditionell auch “Jungfrauen” genannt) aus dem Ort und die Marketenderinnen der Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn die wertvollen Statuen mit frischen Blumen und einem Buchskranz. Ich hatte jahrelang selber die Ehre zuerst die Prozessions-Madonna und danach als Marketenderin den Heiligen Jakobus zu schmücken. Gemeinsam wurden Blumen gepflückt oder bei den umliegenden Bauern besorgt. Ein Buchskranz gebunden und an das Holzgestell befestigt. Jedesmal sehen die Statuen anders aus – je nachdem welchen Blumenschmuck man zur Verfügung hat.

5. Schifteln – ein Muss für Groß und Klein

Schifteln © Elke Ellinger
Schifteln © Elke Ellinger

Die Festprozession ist vorbei, die letzten Ehrensalven der Schützen wurden abgefeuert und beim Wirt fließt das Bier in Strömen. Doch eines fehlt noch – genau die “Schifteln“. Schon als Kind war es ein Muss sich diese süße Leckerei zu kaufen bzw. schenken zu lassen. Schifteln sind – so in der Art – klein geschnittene Lebkuchen und gehören zum “Prongatog” einfach mit dazu. Nicht überall in Salzburg und in St. Jakob auch erst wieder seit ein paar Jahren. In Puch gibt es sie zum Beispiel schon länger. Da holten wir als Kinder, damals noch beim “Wachtler” diese leckere Süßigkeit. Am besten schmecken die Schifteln frisch gekauft noch vor dem Mittagessen. Meistens hält so eine Packung nicht lange, da jeder vom Tisch einmal zupackt. Also am besten immer gleich ein zweites Sackerl für zu Hause kaufen 🙂

In St. Jakob sind sie an Fronleichnam bis Mittag bei unserer Kramerei “Elke Ellinger, Gemischtwarenhandel” erhältlich! So strömen, vorallem die Kinder vom Schützenwirt nochmals über den Kirchplatz zum “Schifteln” kaufen – und was es sonst so an Kleinigkeiten in dem kleinen Laden gibt.

Einen schönen Feiertag!

Wann im welchen Ort im Tennengau Fronleichnam oder eben Prangertag gefeiert wird findet ihr im Veranstaltungskalender. Unter Brauchtum & Tradition bekommt ihr weitere Informationen zu Bräuche und traditionelle Feste im Salzburger Land. Und wenn ihr Eure Bilder auf Instagram von der Fronleichnamsprozession, der Monstranz oder dem wohlverdienten Schnapserl danach macht, dann vergesst nicht den Tennengau mit @visittennengau und #visittennengau zu verlinken! Hier noch ein paar meiner Schnappschüsse aus den letzten Fronleichnamsfesten in St. Jakob am Turn!

Euch allen einen schönen Feiertag und gemütliche Stunden nach der Festprozession beim Frühschoppen!

Nächste Prozession: Jakobikirtag mit historischen Schützentanz

Bereits am Sonntag, den 30. Juli 2017 könnt Ihr beim alljährlichen Jakobikirtag die nächste Prozession in St. Jakob am Thurn mit erleben – dieses Mal zwar nicht um den Weiher sondern vorbei an der Volksschule um das Hauserbauerfeld. Besonders Highlight an diesem Tag ist sicherlich nach dem Frühschoppen im Festzelt der traditionelle Schützentanz der historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn um 16.00 Uhr. Der Tanz zeigt die Legende der früheren Türkenvertreibung in Salzburg und wurde 1926 erstmals aufgeführt.

Hier geht`s nach St. Jakob am Thurn in Puch bei Hallein:

Barbara
Grias Enk!

Ich heiße Barbara Gerber (geb. Lackner), komme aus Puch – genauer gesagt aus St. Jakob am Thurn – und ich bin in der Genuss- & ErlebnisRegion Tennengau viel unterwegs. Privat, sowie auch als Tennengau Magazin Autorin im Gästeservice Tennengau. Besonders gerne berichte ich über die zahlreichen Genuss- & ErlebnisFeste, einzigartigen Ausflugsziele und schmackhaften GenussPunkte in der Region. Mir liegt neben dem Tourismus, auch die Volkskultur am Herzen. Als Bauerndirndl, langjähriges Mitglied des Trachtenvereins D`Puachstoana und ehemalige Schützen-Marketenderin der historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn, lebe und gestalte ich die traditionellen Bräuche im Salzburger Land mit. Zudem bin ich seit Dezember 2014 Mutter eines Sohnes und viel mit dem Kinderwagen (TFK Joggster III 12´) oder dem Tragetuch in der Region unterwegs. Ich freue mich von meinen Tätigkeiten zu berichten und hoffe, dass Euch meine Geschichten gefallen. Gerne könnt Ihr mir bei den Beiträgen ein Kommentar hinterlassen!

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