Pilgern: Beten mit den Füßen im Lammertal

Pilgern ist wieder modern geworden. Menschen, die sonst nicht viel mit Kirche anfangen können, machen sich auf den Weg. Es gibt viele – im wahrsten Sinne – „BewegGründe„, warum man pilgert. Ich muss zugeben, ich bin ein „Pilger-Rookie„. Ich habe noch keinen der schönen Pilgerwanderwege durch Österreich erkundet. Doch heute ist es soweit. Das gemeinsame Pilgern von Abtenau bis nach Lungötz am St. Rupertus Pilgerweg wird meine erste Strecke werden. Ich bereite mich vor und erlebe etwas ganz Neues für mich!

Wanderrucksack, Bergschuhe und Karte zum Pilgern (c) pixabay.com
Wanderrucksack, Bergschuhe und Karte zum Pilgern (c) pixabay.com

Was muss ich beim Pilgern beachten?

  • Vor der Wanderung nehme ich das Streckenprofil in Augenschein. Es werden rund 400 Höhenmeter sein.
  • Etwas Kondition braucht es schon für den stundenlangen Weg bergauf und bergab.
  • Gutes Schuhwerk, ich ziehe meine Bergschuhe an.
  • Kleine Jause nicht vergessen! Genug zu trinken einpacken und einen Apfel für den schnellen Energieschub.

St. Rupert Pilgerweg: „Der Weg ist das Ziel“

Der gesamte Pilgerweg umfasst 17 Tagesetappen von Altötting über den Rupertiwinkel bis in die Stadt Salzburg, von dort nach Laufen bis St. Wolfgang und über die Postalm nach Abtenau, Annaberg-Lungötz bis aufs Hochgründeck. Wir nehmen uns diesmal die Etappe 14 vor, von Abtenau über Annaberg bis nach Lungötz. Das sind immerhin 12 Kilometer und 400 Höhenmeter Aufstieg, wozu wir rund 5 Stunden ohne Pausen gebraucht haben. Der Weg ist bereits ab der Pfarrkirche Abtenau gut ausgeschildert und kann jederzeit gegangen werden. Allerdings ist es doch schöner, gemeinsam zu gehen, oder? Es wird ja nicht die ganze Zeit über gebetet, sondern nur an verschiedenen Punkten Halt gemacht und dort gesungen oder Impulse für das Weitergehen gegeben. Dann bleibt es einem selber überlassen, ob man seinen Gedanken nachhängt oder mit den Mitpilgern ins Gespräch kommt.

Der Heilige Rupert und das Pilgern

Organisiert wird die Wanderung, die heuer zum ersten Mal durchgeführt wird, vom Pfarrverband Lammertal und Hermann Hinterhölzl. Er hat den St. Rupert Pilgerweg ins Leben gerufen. Warum St. Rupert? Das Areal rund um die Ruine der römischen Festung Juvavum (Salzburg) machte der Bischof zum Mittelpunkt seines Wirkens. Hier gründete er 696 das Benediktinerkloster St. Peter und wurde damit der Landespatron von Salzburg. Auch in der Pfarrkirche Annaberg gibt es eine Statue des Heiligen Rupert. Das wiederentdeckte Rupertuskreuz wurde zum Symbol des St. Rupert Pilgerweges.

Wir machen uns auf den Weg

Pünktlich um 9.30 Uhr geht es vor der Pfarrkirche in Abtenau los. Hermann Hinterhölzl erwartet uns bereits mit einem bunt geschmückten Pilgerstab in der Hand. Über 100 Pilger marschieren los. Zuerst geht es ein Stück durch Abtenau. Einem Bächlein entlang führt der Weg gemütlich Richtung Süden. Hier komme ich ins Gespräch mit einem Herrn aus dem Flachgau, der mit seinem Enkel unterwegs ist: „Ich habe schon 17 Pilgerreisen durch Österreich gemacht„, erzählt er mir.

Nach einer Viertelstunde wird bei der Fischbachstube die Straße überquert. Im beginnenden Waldstück rät uns Hermann, noch einen Schluck Wasser zu trinken, denn von nun an geht es bergauf. Der Wald schützt uns vor der direkten Sonne, die Vögel zwitschern und wir gehen Schritt für Schritt auf dem alpinen Steig hinauf.

Ein bisschen schnaufen müssen wir jetzt schon. Das gemütliche Tempo schafft trotzdem jeder, auch nicht durchtrainierte Pilger wie ich, kommen locker mit den anderen mit. Oberhalb des Bauernhofs Eppenreit werden wir mit einem herrlichen Rundumblick belohnt. Danach gelangen wir in ein kleines Wäldchen. Hier steht ein großer Baum, der irgendwie auf uns gewartet zu haben scheint. Ein wahrer Kraftplatz zum Energietanken! Ich hab schon lange keinen Apfel mehr mit so viel Genuss verspeist.

Pilgern: Kontemplation und Kommunikation

Pilgern: Impulse am Weg ©Sylvia Schober
Pilgern: Impulse am Weg ©Sylvia Schober

Pastoralassistentin Elisabeth hat für unsere kurze Rast schöne Texte vorbereitet. Sie beinhalten Impulse, die uns auf dem Weg begleiten sollen. Denn Pilgern ist nicht nur Wandern, wir machen uns gemeinsam auf den Weg, aber jeder geht ihn für sich allein. So soll der Weg auch Ziel sein, sich mit seinen Gedanken auseinander zu setzen. Kontemplation nennt man diese innere Einkehr, hab ich gelernt.

Auf einer Forststraße geht es nun gestärkt weiter bis zum so genannten „Gsengmarterl„. Ein Marterl ist ein schön geschmückter Bildstock mit einem spirituellen Motiv, die man hier öfter sieht. Hermann Hinterhölzl meint zu dieser Darstellung: „Das Kreuz ist kein Motiv, dem man sich völlig unterordnen soll. Im Volksmund spricht man ja davon, dass jeder sein Kreuz zu tragen hat. Deshalb stellt es vielmehr die Solidarität von Jesus zu uns Menschen dar.“ Ein schöner Gedanke, finde ich.

Nun geht es ein Stück bergab, da gehöre ich zu den schnellsten! Nun ist auch mir mehr nach Kommunikation und ich freue mich, einige Bekannte unter den Pilgern zu finden und sich mit ihnen unterhalten. Denn beim nächsten Anstieg brauche ich die Luft wieder zum Schnaufen! Nach einer weiteren Bergaufpassage sind wir schon im Ortsgebiet von Annaberg unterwegs. Der Weg führt durch Wiesen, Wäldchen und das letzte Stück bergab auf einer Asphaltstraße. Unten im Ort angekommen, halten wir Rast beim Gasthof Musikantenwirt, wo wir uns die sehr gute Pilgersuppe schmecken lassen.

Von Annaberg nach Lungötz

Bernhard Ponemayr bei der Kirchenführung ©Sylvia Schober
Bernhard Ponemayr bei der Kirchenführung ©Sylvia Schober

Nach der Rast erwartet uns schon Bernhard Ponemayr in der Pfarrkirche Annaberg. Der Kustos des Heimatmuseums Gererhof in Annaberg weiß auch viel über die Geschichte der Kirche, die zwischen 1750 und 1752 gebaut wurde. Wurde früher das Lammertal von Abtenau aus betreut, fürchtete man in der Zeit der Protestantenbewegung um die katholischen Schäflein und baute die Kirche „St. Anna im Berg„. Daraus entstand später der Name „Annaberg„. Sehr interessant, was wir dort alles erfahren haben!

Jetzt folgte der letzte Abschnitt der Pilgerwanderung von Annaberg über den Höhenweg nach Lungötz. Der schöne Weg ist auch als Baumlehrpfad ausgeschildert. Viele regionstypische Baumarten werden hier am Weg entlang beschrieben. Außerdem gibt es dort eine Kneippanlage zur Erfrischung. Das macht unsere müden Füße wieder fit, bevor es weiter geht!

Nach einer guten Dreiviertelstunde kamen die Pilger in Lungötz an. Die Mesnerin hat dafür extra die Glocken geläutet, ein schöner Empfang! Wen es interessiert, wie sich das anhört, für den gibt es hier eine Hörprobe.

Ein ereignisreicher Tag mit vielen Eindrücken und Ausblicken geht dem Ende zu. Nach einer kurzen Andacht geht es für die Pilger mit dem Postbus wieder retour zum Ausgangspunkt nach Abtenau. Ich habe es ja nicht weit, winke den Pilgern im Bus zu und gehe auch das letzte Stück noch zu Fuß wieder heim. „Pilgern„, denke ich, „könnte echt meins werden.“ Das Gehen in der Gruppe vermittelt das Gefühl, nicht allein zu sein. Aber dennoch kann man seinen eigenen Gedanken nachhängen. Vieles, auch Perspektiven und Sorgen, ändern sich beim Gehen. Und das Ankommen vermittelt ein wunderbares Gefühl von Leichtigkeit.

Habt Ihr Lust bekommen, Euch auch einmal auf den Weg zu machen? Vielleicht treffen wir uns ja einmal. Insgesamt drei Pilgerwege führen durch meinen Heimatort Annaberg-Lungötz:

  • Der St. Rupert Pilgerweg verbindet die Wirkungsstätten des Hl. Rupert, heilige Orte und künstlerische Zeugnisse seiner Verehrung.
  • Seite Ende Juni 2008 verbindet der Leonhardsweg die Strecke zwischen dem Dom zu Salzburg und der Wallfahrtskirche St. Leonhard im Lungau.
  • Der Arnoweg passiert als einer der wichtigsten und schönsten Weitwanderwege Österreichs auf einer Strecke von rund 1200 Kilometern die atemberaubenden Landschaften Salzburgs.

Der Tourismusverband Annaberg-Lungötz bietet Pilgern und Pilgergruppen günstige Pauschalen zur Übernachtung im Ort an!

Hier geht`s nach Annaberg und Lungötz:

Sylvia
Aufgewachsen im Salzburger Land, hat es mich in meiner Jugend vorerst in die weite Welt gezogen. Nach Aufenthalten in London, Rom und der Türkei zog es mich wieder in die Heimat zurück. Ich denke, gerade den Erfahrungen und Erlebnissen aus dieser Zeit, verdanke ich nun den Blick für die wundervollen Plätze, Traditionen und Eigenheiten, die es auch daheim gibt und über die ich gerne im Blog berichte.
Der Spruch „dort wohnen, wo andere Urlaub machen“, trifft voll auf mich zu. Wann immer es geht, zieht es mich in die Natur. Dabei muss es für mich keine hochalpine Tour sein, eine gemütliche Wanderung auf eine der vielen bewirtschafteten Almen in unserer Region genügt oft aus, um den Blick weit schweifen zu lassen, um dann wieder zu mir selber zurück zu finden.
Im Winter teile ich die Leidenschaft Skifahren mit dem aktuell besten Skifahrer der Welt, wenn ich auch nicht so professionell über die Pisten der Skiregion Dachstein-West düse, wie er. Marcel Hirscher aus Annaberg hat es geschafft, fünfmal in Folge den Gesamtweltcupsieg zu erringen und ich bin stolz auf den wohl berühmtesten Sohn des Ortes.

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