Nicht nur zu Weihnachten –
Glühwein schmeckt eigentlich immer!

Glühwein ist keine Erfindung der Christkindl-Märkte, wie ich bis jetzt immer dachte.
Nein – gewürzte Weine waren schon in der Antike bekannt, damals trank man sie aber kalt.

Im ältesten noch erhaltenen Kochbuch der Welt (von Apicus, ca. 2.000 Jahre alt) gibt es ein Rezept für den Würzwein „Conditum Paradoxem“. Hierfür wurde Honig mit etwas Wein und Gewürzen (Pfeffer, Mastix, Lorbeer, Safran, geröstete Dattelkerne, Datteln) eingekocht und zum Schluss mit zusätzlichem Wein verdünnt. Das hört sich gar nicht so schlecht an, oder?

Das älteste deutschsprachige Glühweinrezept kommt aus Sachsen. Es stammt aus dem Jahr 1843 und wurde von August Josef Ludwig von Wackerbarth aufgeschrieben. Er empfahl für eine Kanne Rotwein (ca 1 L) vier Loth (1 Loth = 16 Gramm) Zimt, zwei Loth Ingwer, ein Loth Anis, ein Loth Granatapfel, ein Loth Muskatnüsse, ein Loth Kardamom sowie etwas Safran, Zucker oder Honig.

Im Mittelalter nutze man den gewürzten Wein sogar als Medizin!
Die rote Variante nannte man „Hypocras“ und die weiße „Claret“.

 

Glühwein heute

Glühwein gibt es in unzähligen Varianten und Preisklassen fertig zu kaufen.
Aber, wie es bei allem so ist: selbstgemacht schmeckt einfach am besten. Ausserdem weiß man dann sicher, was drinnen ist und kann die Zutaten je nach Geschmack variieren. Und wie ich bei meiner Recherche herausgefunden habe, gibt es da eine riesige Vielfalt an Möglichkeiten – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. 

„Echter“ Glühwein darf nach einer EU-Verordnung nur aus Wein, Zucker und Gewürzen bestehen und muss einen Alkoholgehalt von 7-14,5 % haben, aber das gilt nur für den gewerblichen Verkauf – und wie man es schlussendlich nennt, ist ja völlig egal – Hauptsache es schmeckt!

Der Wein

Ein guter Rot- oder Weißwein, vorzugsweise aus den heimischen Weinregionen, ist das Wichtigste!
Bei niedriger Qualität braucht man viel Zucker und Gewürze, sodass man vom Wein eigentlich nichts mehr schmeckt und ausserdem bekommt man einen Brummschädel davon!
Auch sollte der Wein nicht zu viele Gerbstoffe (Tanine) und Säure enthalten. 

Von Weinkennern empfohlen:
Rot: steirischer Zweigelt, fruchtiger Spätburgunder, Dornfelder, Portugieser, …
Weiß: Silvaner, Muskateller, …

Grund-Zutaten

  • Nelken
  • Zimt
  • Zucker oder anderes Süßungsmittel

Weitere mögliche Zutaten

Vanille, rosa Pfeffer, Muskat, Sternanis, Piment, Kardamom, Ingwer, Koriandersaat, Wacholderbeeren, Fenchelsamen, Lorbeerblätter, Orangen, Zitronen, Äpfel, frische oder getrocknete Beeren
(zB Heidelbeeren, Cranberries, Aronia oder Holunder), Honig, Agavendicksaft, Portwein, Brandy, Whisky, Rum, Wodka, Weinbrand, Amaretto, Fruchtliköre, Wasser, …

 

Rezepte

Hier hab ich ein paar Rezepte für euch zusammengestellt:

 

Roter Glühwein (fruchtige Variante)

  • 1 l Rotwein
  • 5 Nelken
  • 2 Zimtstangen
  • 2 Sternanis
  • 3 EL Rohrzucker
  • 2 EL Honig
  • 1 Prise Vanille oder 1 Vanilleschote
  • Saft und etwas Abrieb von 1 Orange und 1 Zitrone
  • Apfelschalen
  • 1/8 l Wasser

Alle Zutaten erhitzen (nicht über 75 °C). Danach noch mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen. Man kann den Glühwein ruhig auch ein paar Stunden ziehen lassen, damit sich die Aromen voll entfalten können. Zum Abschluss wird der Wein durch ein Sieb gegossen und wieder auf Trinktemperatur gebracht.

Mein Fazit: mir war das Ganze ein bisserl zu “hantig” – aber mit einem Schuss Himbeersirup hat es prima geschmeckt!

 

Weißer Glühwein

Dieser weiße Glühwein ist fruchtig und erfrischend und nicht so schwer wie die klassische Variante.
Im Sommer kann der abgekühlte Wein auch als fruchtige Bowle genossen werden.

  • 1 l  heller Traubensaft 
  • 1 l  Ananassaft 
  • 1 l  trockener Weißwein  
  • 1 TL Anis
  • 1TL Nelken
  • 1 TL Kardamom 
  • 1 Zimtstange 
  • Honig nach Belieben

Alle Zutaten in einem Topf erwärmen (nicht kochen) und bei schwacher Hitze
mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen.

Mein Fazit: Ehrlich gesagt, habe ich dieses Rezept nicht ausprobiert. Während ich den Blog schreibe bin ich nämlich in Quarantäne und muss alles selber austrinken, was ich so produziere – und was soll ich sagen, ich kann einfach nicht so viel Alkohol trinken. Deshalb sind hier fremde Fotos – ich hoffe, ihr habt Verständnis. :-)

 

Heißer Schoko-Glühwein – Je nach Geschmack mit Vollmilch- oder Zartbitterschoko.
(die angegebenen Zutaten reichen für 2 kleine Tassen)

  • 170 ml trockener Rotwein 
  • 170 g Schokolade 
  • 125 ml Vollmilch 
  • 2 TL Zucker 
  • 1 Prise Salz 
  • 1 Prise Vanille

Alle Zutaten, bis auf das Salz und die Vanille, in einen Topf geben und langsam auf 70 °C erhitzen bis die Schokolade geschmolzen ist. Vorsicht, Schokolade kann schnell anbrennen!
Vanille und Salz hinzufügen und heiß genießen.

Mein Fazit: Also ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe, aber die Milch ist total ausgeflockt (sowie bei Essig oder Zitrone). Vielleicht hätte ich zuerst die Milch mit der Schoko erwärmen sollen und dann den fertigen Glühwein dazugeben? Das werde ich beim nächsten Mal ausprobieren. Ein nächstes Mal gibt es sicher, denn schmecken tut das abenteuerliche Getränk super!

 

Glühwein-Sirup – mein absoluter Favorit! ♥

  • 1 l Weißwein
  • 50 ml weißer Rum
  • 500 g Kristallzucker
  • 1 Vanilleschote
  • 5 Sternanis
  • 2 Gewürznelken
  • 1 Zimtstange

Wein mit Zucker und Gewürzen erhitzen und mind. 30 Minuten ziehen lassen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Zum Schluss den Rum zugeben und noch heiß in saubere, heiß ausgespülte Flaschen füllen und gut verschließen.

2 EL Sirup können dann bei Bedarf mit 200 ml trockenem Weißwein erwärmt
und heiß genossen werden.

Mein Fazit: Dieses Rezept ist mein absoluter Favorit! Ich hatte keinen Weißwein sondern nur Rosé zuhause und auch nur braunen Rum – deshalb ist mein Sirup etwas dunkler geworden. Und anstatt ihn nachher gemeinsam mit Wein aufzuwärmen, habe ich den Sirup mit Prosecco und Eiswürfel angerichtet – schmeckt einfach genial! Das müsst ihr unbedingt ausprobieren!

 

 

Allgemeine Tipps

  • Apfelschalen, die das ganze Jahr so anfallen, auf keinen Fall wegwerfen, sondern sammeln!
    Man trocknet sie am besten in einem Dörrgerät oder Backrohr. So kann man einen Vorrat für die Glühwein-Produktion anlegen. Schmeckt auch super im Früchte-Tee.
  • Durch die Zugabe von Wasser (ca 1/4 l pro 1 l Wein) wird der Glühwein nicht so stark und ist angenehmer zu trinken.
  • Wenn man die Gewürze in einen Teefilter gibt, sind sie nach der Zubereitung leicht zu entfernen und man braucht kein Sieb.
  • Bei Orangen- und Zitronenzesten nur die äußerste Schicht verwenden, da der weiße Teil in der Haut von Zitrusfrüchten extrem bitter ist.
  • Ein Löffel Orangenmarmelade passt herrlich in den Glühwein – einfach das Marmeladenglas auf den Tisch stellen, dann kann sich jeder selber „nachwürzen“.
  • Sollte etwas vom Glühwein übrig bleiben, kann man den Rest für Desserts wie z.B. die „Besoffene Liesl“ (Rezept weiter unten) verwenden.

Achtung

  • Bei der Zubereitung sollte der Glühwein nicht über 75 °C erhitzt werden, da sonst die filigranen Fruchtaromen verloren gehen – das heißt, er wird bitter. Ausserdem verdampft der enthaltene Alkohol ab 78 °C und der Zucker karamelisiert, wobei das Abbauprodukt „Hydroxymethylfurfural“ entsteht (wird verdächtigt, krebserregend zu sein). 
  • Alkohol und Zucker in Kombination sind eine echte Kalorienbombe! 100 ml Glühwein enthalten ca. 80 bis 100 Kalorien!
  • Im ersten Augenblick wärmt der Glühwein zwar, der Alkohol erweitert aber die Blutgefäße, sodass mehr Blut an die Hautoberfläche gelangt. Der Körper verliert mehr Wärme als zuvor, kühlt ab und man friert schneller.

 

Noch ein Rezept

„Besoffene Liesl“ oder „Durstiger Bauer“
Traditionelles Dessert, bei dem in Stücke geschnittener Kuchenteig in Wein oder Most serviert wird.

Variante A: 

  • 4 Eier
  • 150 g Zucker
  • 200 g Universalmehl
  • 1 gestr. TL Backpulver
  • Butter und Mehl zum Befetten

Die Eier mit dem Zucker schaumig schlagen,  Mehl und Backpulver in die schaumige Masse leicht unterheben. 

Variante B:

  • 6 Eier
  • 6 EL Brösel
  • 6 EL Zucker

Eier und Zucker schaumig schlagen und die Brösel vorsichtig unterheben. 

Weiter geht’s mit beiden Varianten:

Den Kuchenteig in eine bebutterte und bemehlte Kuchenform füllen und ca. ½ Stunde im vorgeheizten Backofen bei mittlerer Hitze backen. Nach dem Auskühlen den Kuchen auf Dessertteller anrichten und mit dem heißen, weißen Glühwein übergießen.

Dieses Rezept hab ich noch nicht ausprobiert. Aber falls es jemand von euch kennt,
freue ich mich über ein Kommentar.

 

 

 

Buch-Tipp

Buchtipp zum Glühwein
Da man zur Zeit ja keine Leute treffen darf, empfehle ich die passenden Bücher zum Glühwein.

 

 

Bastel-Tipp

Becherhalter aus Holz
Früher haben mein Sohn und ich oft gemeinsam gebastelt (sein Medium ist das Holz).
Einmal bauten wir einen praktischen Becherhalter aus dem Internet nach. Der ist super, weil die frisch gefüllten Becher vom Stand vor lauter Hitze eh kaum zu halten sind. Er braucht nicht viel Platz in der Tasche und ist ganz leicht zusammen zu stecken. Der Halter passt für 200ml-Becher. Da ich die Vorlage noch habe, gebe ich sie hier dazu. Vielleicht hat jemand Lust sich kreativ zu betätigen – einfach mit der Laub- oder Dekupiersäge ausschneiden, fertig – und der nächste Christkindlmarkt wird ja hoffentlich bald wieder kommen.

 

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