Kraftplatz und historische Besonderheit in Kuchl

Jedes Jahr wird im Herbst in ganz Österreich der „Tag des Denkmals“ begangen. Seit der Sonderausstellung „Der Georgenberg“ im Museum Kuchl, heißt das bei uns, „rauf auf’s Bergl“. Denn auf dem Georgenberg gibt es allerhand Geschichtliches zu entdecken. Könnt ihr euch vorstellen, dass dieses „Stück Fels“ für viele Menschen ein starker Kraftplatz ist und schon zur Zeit des Römischen Reiches eine besondere Bedeutung hatte?!

Schon gewusst?
Der Georgenberg ist ein sogenannter „Inselberg“. Solche Inselberge sind Erhebungen, die sich häufig in der Form von steil aufragenden Felswänden in einer flachen Umgebung finden lassen. Auch Ayers Rock in Australien ist so ein „inselberg“. Diese Bergform wird übrigens auch im Englischen so genannt (in der Mehrzahl dann „inselbergs“).

Warum sieht der Georgenberg so aus, wie er aussieht?

Durch verschiedene Warm-Kalt-Perioden im Laufe der Erdgeschichte hat sich in unserem Tal Geröll aus den umliegenden Gebirgen angesammelt. Dieses Geröll wurde von den Wassermassen schmelzender Gletscher ins Tal gespült. An der Stelle, an der sich der Georgenberg heute befindet, ist einiges davon liegen geblieben und hat sich abgesetzt. Zum Glück – sonst hätten wir ihn jetzt nicht! : )

Aber er hat nicht immer so ausgesehen, wie wir ihn heute kennen. Im Gegensatz zur heutigen Bewaldung standen in früheren Jahrhunderten nur einige wenige Bäume auf der Nordseite des Berges. Die Vegetation hat sich also erst nach und nach entwickelt. Und genau sie ist es, die so viele Spaziergänger und Naturliebhaber zum und auf den Berg zieht.

Tipp: Im Buch „Der Georgenberg“, das vom Museum Kuchl als Begleitbuch zur Sonderausstellung 2014/2015 erschienen ist, wird neben geschichtlichen und geologischen Details auch auf die Flora und Fauna am Berg eingegangen. Das Buch ist im Büro des Tourismusverband Kuchl erhältlich.

Faszination Georgenberg - Blick auf Römerstraße ©TVB Kuchl
Faszination Georgenberg – Blick auf Römerstraße ©TVB Kuchl

„Römerstraßen folgen Keltenpfaden“

…sagt ein Sprichwort, und so kannten auch die Römer den Georgenberg.

Wegen seiner Form hat unser Bergl schon früher einen idealen Siedlungsplatz dargestellt. Eine weite Fernsicht, die natürliche Schutzlage durch die steil abfallenden Felswände und die strategisch günstige Position sprechen für sich. Bis in die Jungsteinzeit zurück lässt sich eine Besiedelung nachweisen. Zudem ist die keltische Besiedelung wissenschaftlich gesichert.

In der Tabula Peutingeriana, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte, ist 14 Meilen südlich von Salzburg die Straßenstation Cucullae eingezeichnet. Man nimmt an, dass sich diese im unmittelbaren Nahgebiet des Georgenbergs befindet. Die Römerstraße in Kuchl zeugt heute noch vom Verlauf der damaligen Straße nach Salzburg.

Was war eine Römische Straßenstation?
Entlang römischer Handelswege gab es in bestimmten Abständen immer wieder eine sogenannte „Mansio“ (lat. Rast, Aufenthaltsort). Hier konnten sich Reisende ausruhen und ihre Pferde versorgen.

Forschungen gehen weiter

Bis heute konnte die in Kuchl vermutete Straßenstation leider noch nicht lokalisiert werden. Aber der Museumsverein setzt die Suche intensiv fort. Diese sogenannten geomagnetischen Untersuchungen sehen, wie ich finde, ziemlich lustig aus – aber schaut einfach selbst. Mittlerweile gehen Historiker jedoch schon eher davon aus, dass es sich bei Cucullae gar nicht um eine Straßenstation handelte. Sondern, dass mit dieser Markierung in der Tabula Peutingeriana der Georgenberg als Kraftplatz und Heiligtum gemeint war. Doch diese Vermutung ist bisher nicht wissenschaftlich bewiesen.

Filialkirche St. Georg

Auf dem Bergl thront die Filialkirche St. Georg. Die Kirche ist vor allem bei Brautpaaren sehr beliebt, aber normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Daher ist der Besuch des Kircheninneren auch für mich jedes Mal etwas ganz besonderes. Eine Führung in der Kirche ist am Tag des Denkmals, der dieses Jahr 2017 am 24. September stattfindet, möglich. Wenn auch ihr gern an einer solchen Führung teilnehmen möchtet, könnt ihr alle Details in unserem Veranstaltungskalender nachlesen.

Die Kirche in ihrer heutigen Form stammt aus spätgotischer Zeit (Ende 15. Jhd.), wobei der Westturm erst 1682 dazukam. Jedoch geht die Forschung davon aus, dass es bereits sehr viel früher zwei Vorgängerbauten an derselben Stelle gegeben hat: eine frühchristliche Kirche und eine ottonische Kirche aus dem 10./11. Jahrhundert. Hierzu hat es in den 1960er Jahren Grabungen gegeben. Einen Eindruck von dem, was die Archäologen dabei alles gefunden haben, bekommt ihr heute noch, wenn ihr in die im Boden eingelassenen Grabungsfenster im Kircheninneren schaut.

Barocker Glanz im Kircheninneren

Der Innenraum der Kirche wurde um das Jahr 1700 erneuert und in barockem Glanz ausgestattet. Neben dem Hochaltar befinden sich noch zwei Seitenaltäre, eine Kanzel mit Predigtkreuz, sowie u.a. die Bilder der 14 Nothelfer. Weiterhin wurde Mitte des 17. Jahrhunderts eine Außenkanzel errichtet, um der Funktion einer Wallfahrtskirche gerecht zu werden und von hier zu den Gläubigen predigen zu können.

In der Lebensbeschreibung des Hl. Severin wird erzählt, dass der Heilige Kuchl zwei Mal besuchte und von der Filialkirche predigte. Auch zwei Wunder, die der Heilige hier vollbracht haben soll, sind überliefert: das Kerzenwunder und das Heuschreckenwunder. Weiteres dazu könnt ihr beim Museumsverein Kuchl finden.

Tipp: Mehr zur großen Geschichte des kleinen Bergls und seiner Kirche könnt ihr auch auf dem Erlebnis-Rundweg „Kuchler Zeitreise“ erfahren!

Hier geht’s zum Georgenberg:

Jana
Hallo, mein Name ist Jana – ich komme quasi aus dem „hohen Norden“, fühle mich aber nach mehreren Jahren in meiner Wahlheimat Österreich schon richtig „dahoam“.  In den schönen Tennengau hat es mich durch mein Studium an der FH Salzburg verschlagen und ich bin froh – vom ersten Moment an begeistert von der landschaftlichen Idylle – mit der Region auch nach meinem Abschluss durch die Tätigkeit beim Tourismusverband Kuchl verbunden zu bleiben. In meiner Freizeit zieht es mich in die Natur, die ich auf dem Rücken meines Pflegepferdes in vollen Zügen genieße. Außerdem ist mein Element das Wasser, weswegen mich die wundervollen Seen und Badeplätze in und um Kuchl besonders beeindrucken.

Ich sehe Kuchl und den Tennengau als „Zuagroaste“ sicher aus einer etwas anderen Perspektive und freue mich darauf, diese mit euch über diesen Blog teilen zu können!

2 Kommentare

  1. Sehr schöner Beitrag! Da bekommt man richtig Lust den Georgenberg auch einmal zu besuchen!

  2. Ich hoffe, ich kann heuer am Tag des Denkmals dabei sein. Die Führung klingt wirklich spannend!

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