In die Stille hineinhören

Stille Nacht, Heilige Nacht„, zum 200-Jahr-Jubiläum wird mit vielen interessanten Vorträgen, Veranstaltungen und Informationen dem wohl bekanntesten Weihnachtslied und dessen Komponist Franz Xaver Gruber und Dichter Joseph Mohr nachgespürt.

Neben zahlreichen wissenswerten Fakten rund um das Lied, ist es allerdings die Stille, die mich besonders interessiert. Herbst, Advent und Weihnachten, das sind Zeiten, in denen sich die Natur auf Ruhe einstellt und auch ich spüre jetzt, dass mir eine kurze Auszeit manchmal guttun würde. Aus diesem Grund habe ich mich aufgemacht, fünf wirklich stille Orte im Tennengau zu erkunden.

Die Heilige Anna am Kopfberg

Begonnen habe ich mit meiner Suche in meiner Heimatgemeinde Annaberg-Lungötz. Vor einigen Jahren entstand am Gipfel des Kopfbergs ein ganz besonderer Platz der Stille. Es ist hier kein Ausblick zu erwarten, sondern eher ein Einblick in sich selbst. Vom Parkplatz Kopfbergbahn im Ortszentrum von Annaberg, folge ich den Wegweisern Richtung Heufigurenweg. Der schöne Forstweg kann zu jeder Jahreszeit begangen werden. Hier haben zahlreiche Heufiguren, die für den jährlich stattfindenden Lammertaler HeuART-Corso gefertigt werden, ihre fixe Bleibe nach dem Fest gefunden. Nach einer Dreiviertelstunde biege ich vom Forstweg rechts ab, gehe vorbei am Kopflackenmann und biege kurz vor der Jausenstation Harreit links in den Wald. Von dort sind es 200 Stufen „himmelwärts“, übrigens ein geniales „Bauch-Beine-Po-Training“ :).

Der Anstieg lohnt sich auf jeden Fall, nach einer guten Viertelstunde erspäht man zwischen den Bäumen eine kleine Rindenhütte, die von Günter Oberauer und seiner Frau Erika ehrenamtlich liebevoll gebaut wurde. In ihr befindet sich die Ortspatronin, Hl. Anna, aus Zirbenholz geschnitzt und mit einem wundervoll-gütigen Gesichtsausdruck. Nach der Rast spürt man die Kraft dieses Ortes: Stille, friedlich – begleitet von Vogelgezwitscher und dem Summen der Insekten. Manchmal hört man in der Ferne eine Motorsäge, einen Flieger … aber diese Geräusche berühren nicht, man fühlt sich irgendwie auf eine ganz eigene Insel versetzt und tankt Energie auf. So gestärkt begibt man sich auf den Weg retour, beim Kopflackenmann kann über einen alpinen Steig abgekürzt werden. Die Gehzeit beträgt ca. 2 Stunden für eine Strecke. Einkehrmöglichkeiten unterwegs sind bei der Jausenstation Harreit oder beim Salzburger Dolomitenhof.

Die Statue der Hl. Anna erwartet die Wanderer am Kopfberg (c)TVB Annaberg-Lungötz
Die Statue der Hl. Anna erwartet die Wanderer am Kopfberg (c)TVB Annaberg-Lungötz

Der alte Kultplatz über dem Ort

Der Scheffenbichlkogel ist ein runder, sanfter Hügel, der nordöstlich wie ein Schutz vor Abtenau liegt. Das dürfte bereits Kelten und andere Völker, die früher hier siedelten, so gesehen haben. Denn es wurden hier einige Kultplätze gefunden und noch heute werden dort Sonnwendfeuer abgebrannt. Ich beginne die Wanderung am Marktplatz vor dem Gasthof „Zum Schiff“. Zuerst schlägt man die Richtung Schwimmbad ein, aber hinter dem Kinderarten geht es bereits rechts ab hinauf zum Wimmwald. Ich folge der Beschilderung zur Jausenstation Fliehofbauer und von dort durch Wiesen und Wald zum Gasthof Sonnleit’n. Von hier hat man bereits eine herrliche Aussicht über den Ort Abtenau.

Ich aber nehme den etwas steilen Pfad zum Scheffenbichlkogel und genieße hier den einzigartigen Rundblick. Das Bankerl, auf das ich mich hier setze, steht dort, wo früher ein besonderer Sonnenkult-Platz gewesen sein soll, der Optimismus und Weisheit fördert. Deshalb bleibe ich hier noch für eine Weile sitzen und bin überzeugt, dass es wirkt – zumindest der Optimismus hat bereits funktioniert :). Zurück wandere ich von der Sonnleit´n auf der asphaltierten Straße talwärts. Die Gehzeit für diese Runde beträgt ca. 2,5 Stunden.

Die Stille der Natur mit Blick über Abtenau (c)TVB Abtenau
Die Stille der Natur mit Blick über Abtenau (c)TVB Abtenau

Wandern und Rodeln auf der Alm

Den nächsten stillen Ort im Tennengau finde ich in Rußbach. Hier, vom Dorfplatz mit dem wunderschönen Brunnen aus fossilem Schneckenstein, führt mich der Weg vorbei am Gemeindeamt bis zur Rinnbachbrücke und weiter entlang des namengebenden Rinnbaches auf einer leicht ansteigenden Forststraße bis zur Rinnbergalm. Die Wanderung ist nicht anstrengend und ich kann meinen Gedanken nachhängen. Im Sommer begleiten zahlreiche Almblumen den Wanderer bis zur Animoshütte und Pfandlhütte. Am Rückweg kann man nach einer halben Stunde Gehzeit abbiegen und über den Mitterweg zurück nach Rußbach wandern.

Im Winter genießt man besonders am Abend den Weg durch den verschneiten Wald und die Stille der Alm. Bei sternenklaren Vollmondnächten glitzern Dachstein und Gosaukamm geheimnisvoll herüber. Die Animoshütte hat im Winter an den Wochenenden und in den Ferien geöffnet. Die Öffnungszeiten befinden sich an der Panoramatafel am Parkplatz, von wo man startet. Gehzeit hin und retour ca. 3,5 Stunden.

Die Animoshuette auf der Rinnbergalm ist ein stiller Ort (c)Anton Nutz
Die Animoshuette auf der Rinnbergalm ist ein stiller Ort (c)Anton Nutz

Die Kapelle im Wald

Stille empfängt mich auch in St. Koloman. Am Weg zum Seewaldsee liegt versteckt im felsigen Gelände am Fuße der Wilhelmswand die Wilhelmskapelle. Sie ist eine der ältesten Sakralbauten Salzburgs. St. Wilhelm am Fagerstein ist als alter Kultort und Kraftplatz bekannt. Wallfahrer fanden den Weg hierher, um für ihre kranken Tiere Heil und Segen zu erbitten.

Bei meinem heutigen Ausgangspunkt Bio-VitalHotel Sommerau, schlage ich an der Kreuzung den rechten Weg, vorbei an der Stockbahn, ein. Zu Beginn führt eine asphaltierte Straße neben einem Bach entlang. Vom Bauernhof (Vorderbichl) zweigt der Weg nach ca. 5 Minuten rechts ab. Ein Gatter trägt das Schild, das nun zur Wilhelmskapelle weist. Man geht ein kurzes Stück den Traktorweg entlang. Bei dem großen Stein mit der rot-weißen Markierung geht es rechts über die Wiese zum Waldrand. Von da aus führt ein ruhiger romantischer Waldweg Richtung Wilhelmskapelle. Einmal kommt man zur Kerzerbrunnstraße, diese überqueren und noch ca. 30 Minuten durch den Wald bis zur Wilhelmskapelle.

Dort, in der Stille der Natur, betrachte ich die Kapelle genauer. Etliche Male wurde das alte Gotteshaus „abgebrochen“, aber immer wieder neu aufgerichtet. Eine kurze Rast und das Genießen der Stille sorgen dafür, dass auch ich mich wieder neu aufrichte und frisch meinen Heimweg antrete. Die Gehzeit beträgt hin und retour ca. 3 Stunden.

Die Wilhelmskapelle in St. Koloman lädt zum Innehalten ein (c)TVB St. Koloman
Die Wilhelmskapelle in St. Koloman lädt zum Innehalten ein (c)TVB St. Koloman

Der Weiher des Heiligen Jakob

In St. Jakob am Thurn in der Gemeinde Puch erwartet mich vor den Toren der Stadt Salzburg ein besonderer Spaziergang. Von der Pfarr- und Wallfahrtskirche Sankt Jakobus d. Ä. aus, welche 1238 erstmals erwähnt wurde, gibt es einen malerischen Wanderweg rund um den kleinen Weiher in St. Jakob am Thurn. Besonders sehenswert bei diesem Waldspaziergang sind hier die Loretto-Kapelle und die lebensgroße Nepomuk-Statue vor der Kirche. Vorbei am Schlossturm und durch den Wald, gelangt man gegenüber der Kirche zu einer Rastbank direkt am See. Ein schöner Platz, um tief durchzuatmen und die Stille in der Natur sowie den Ausblick zu genießen.

Egal zu welcher Jahreszeit, ein Spaziergang um den Sankt Jakober Weiher ist für die ganze Familie zu empfehlen. So, wie jetzt im Herbst, wenn die Blätter von den Bäumen fallen und das Laub zwischen den Füßen raschelt, ist es natürlich besonders spannend für Kinder. Und wenn es wirklich wieder ganz kalt wird und der Weiher tiefgefroren ist, dann packen alle ihre Schlittschuhe und Eisstöcke aus und verbringen den Tag am zugefrorenen Weiher, frei von Hektik und Stress.

Der stille Weiher in St. Jakob am Thurn (c)Barbara Gerber
Der stille Weiher in St. Jakob am Thurn (c)Barbara Gerber

Habt Ihr Lust, einen herbstlichen Ausflug in die Stille der Natur zu unternehmen? Dann probiert doch einen der Wege selber einmal aus. Wo horcht Ihr am liebsten der Stille nach?

Hier findet ihr die Stillen Orte im Tennengau:

Aufgewachsen im Salzburger Land, hat es mich in meiner Jugend vorerst in die weite Welt gezogen. Nach Aufenthalten in London, Rom und der Türkei zog es mich wieder in die Heimat zurück. Ich denke, gerade den Erfahrungen und Erlebnissen aus dieser Zeit, verdanke ich nun den Blick für die wundervollen Plätze, Traditionen und Eigenheiten, die es auch daheim gibt und über die ich gerne im Blog berichte.
Der Spruch „dort wohnen, wo andere Urlaub machen“, trifft voll auf mich zu. Wann immer es geht, zieht es mich in die Natur. Dabei muss es für mich keine hochalpine Tour sein, eine gemütliche Wanderung auf eine der vielen bewirtschafteten Almen in unserer Region genügt oft aus, um den Blick weit schweifen zu lassen, um dann wieder zu mir selber zurück zu finden.
Im Winter teile ich die Leidenschaft Skifahren mit dem aktuell besten Skifahrer der Welt, wenn ich auch nicht so professionell über die Pisten der Skiregion Dachstein-West düse, wie er. Marcel Hirscher aus Annaberg hat es geschafft, fünfmal in Folge den Gesamtweltcupsieg zu erringen und ich bin stolz auf den wohl berühmtesten Sohn des Ortes.

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