23. offizielle landesweite Bauernherbsteröffnung SalzburgerLand

Die Vorbereitungen für die 23. offizielle landesweite Bauernherbsteröffnung im SalzburgerLand laufen bereits auf Hochtouren! Jedes Jahr wird die offizielle Eröffnung in einem anderen Bauernherbst-Ort gefeiert, dieses Jahr ist Abtenau der Austragungsort der traditionsbewussten Veranstaltung.

Am 26. August ist ganz Abtenau in Feierlaune!

Das diesjährige Motto der Bauernherbsteröffnung lautet „Land- und Forstwirtschaft damals und heute“. Ich finde den Titel sehr passend für unsere Gegend, da viele in unserem Ort noch von Land- und Forstwirtschaft leben und Abtenau mit ca. 300 landwirtschaftlichen Betrieben zur größten Bauerngemeinde im SalzburgerLand zählt. Viele Vereine und freiwillige Helfer gestalten das Bauernherbst-Eröffnungsfest mit. Geplant ist ein großer Umzug durch das Ortszentrum, aufgeteilt in die Themen Landwirtschaft und Forstwirtschaft.

Zu Besuch bei den „alten“ Holzknechten

Einen großen Teil des forstwirtschaftlichen Umzugs organisieren und gestalten Abtenauer Vereine gemeinsam mit den alten Holzknechten.
Heute kommt mir die Ehre zuteil, den Holzknechten bei den Vorbereitungen zur Bauernherbsteröffnung über die Schultern zu blicken. Christian, Pep, Rupert, Wof und Hias bereiten einen der zehn Wägen für den Umzug vor. Eine Fuhre Holz steht schon bereit zum Beladen des alten Zugschlittens. Aber vorher muss das Holz noch „gschäpst“ (entrindet) werden.

Der „älteste“ Holzknecht aus Abtenau erzählt…

Wolfgang Pranieß, oder „Pfannhaus Wof“ wie er von allen genannt wird, ist mit 96 Jahren der älteste Holzknecht in Abtenau. Während die anderen die Holzfuhre vorbereiten, setze ich mich mit Wof an ein kleines Tischchen. Was ich gerne wissen möchte, fragt er mich. „Alles“, ist meine Antwort, „vom Umschneiden des Baumes bis zur fertigen Lieferung.“ Gespannt spitze ich meine Ohren, zücke den Kugelschreiber, um alles zu notieren und beginne mit meinen Fragen:

Petra: Wolfgang, wann hast du mit der Holzarbeit begonnen?

Wof als Forstarbeiter von früher (c)www.abtenau-info.atWOLFGANG: 1946 hab‘ ich bei den Österreichischen Bundesforsten (ÖBF) die Holzarbeit begonnen. Ich war mit meiner Holzknecht-Partie, die aus sechs Holzknechten bestand, eigentlich immer in der „Schönau“ im sogenannten Elendgraben eingeteilt. Von Montag bis Freitag waren wir dort und sind dann am Wochenende wieder nach Hause gegangen – natürlich alles zu Fuß!

Petra: Wo habt ihr dort geschlafen?

WOLFGANG: Es gab dort eine schöne Holzknechthütte, die wir behaust haben. Wenn der Arbeitsplatz jedoch mal weiter von der Hütte entfernt war, blieben wir in einer „Rindenhütte“, die wir uns voher bauen mussten.

Petra: Wie sah so eine Rindenhütte aus?

WOLFGANG: Es wurde zuerst die Rinde von den Baumstämmen geschält, dann daraus eine kleine Hütte gebaut. In der Mitte wurde eine Esse, also eine Feuerstelle, errichtet, wo jeder einen Feuergaul für seine Pfanne hatte. Im Winter kam es schon vor, dass wir den Schlafplatz erst vom Schnee befreien mussten, der durch die Spalten in die Hütte durchdrang.

Petra: Das hört sich ja nicht unbedingt gemütlich an…Was gab´s zur Stärkung?

WOLFGANG: Natürlich ein „Muas“ (Anm. Mehl, Salz, Wasser oder Milch vermischen und in Butter anrösten), oft haben wir es zweimal am Tag gegessen. Das gab einfach am meisten Kraft! Von zu Hause nahmen wir uns auch oft Knödel oder Nudeln mit und die Speckjause zwischendurch musste auch sein. Wir haben den ganzen Tag hart gearbeitet, da verbrennt man auch viel!

Tipp: Bei der Bauernherbsteröffnung wird auch ein „Muas“-Kocher den forstwirtschaftlichen Umzug begleiten. Dann könnt ihr die traditionelle Speise verkosten!

Petra: Apropos arbeiten, kannst du mir erzählen wie so ein typischer Holzknecht-Arbeitstag ausgesehen hat?

WOLFGANG: Das war natürlich unterschiedlich, je nachdem welche Jahreszeit gerade herrschte. Vom Frühjahr bis Herbst waren wir mit der Schlägerung beschäftigt, im Sommer konnte das Holz gut trocknen, dann war es leichter bei der Lieferung. Um ca. 07.00 Uhr am Morgen gingen wir in den Wald. Es gab eine gute Aufteilung unter den Holzknechten: Zwei Männer waren am Holzfällen mit der 2-Mann-Zugsäge, zwei Männer haben die Baumstämme geputzt, also entastet, und die anderen zwei haben mit dem „Schäpser“ (Schäleisen) entrindet. Ein Mann hatte noch zusätzliche Aufgaben: die Hütte aufräumen, mit dem Holzfass namens „Diadara“ Wasser holen, anheizen und kochen. Diese Person wurde „Geimel“ genannt. Im Winter musste der Geimel auch noch den Weg für die Holzrückarbeiten vom Schnee befreien und herrichten.
Im Spätherbst wurden die Stämme auf einen Haufen zusammengehievt, um für die Lieferung im Winter bereit zu sein. Den ganzen Winter waren wir dann mit der Lieferung beschäftigt. Das Holz wurde auf dem Zugschlitten befestigt und mit dem Schlitten dann ins Tal gebracht. Man musste im Sommer die Lagerplätze schon so wählen, dass die Lieferung bergab erfolgte, ansonsten musste man bei den Ebenen den Schlitten wieder selber ziehen. Nur ab und zu oder in der Vorbereitung kam der Bauer mit seinem Abtenauer Noriker (Anm. kräftiges und ausdauerndes Kaltblutpferd) um zu helfen.
Die Arbeit als Holzknecht wurde zum größten Teil mit purer Manneskraft vollrichtet. Hilfsmittel gab es dazumal noch keine außer eine Säge, Axt, Sapie und ein Schäleisen.

Petra: Das war bestimmt eine große Erleichterung als ihr die Motorsäge bekommen habt?!

WOLFGANG: Naja, die erste 2-Mann-Motorsäge war extrem schwer und man konnte sie nicht kippen, daher war sie zum Umschneiden der Bäume fast ungeeignet. Das Kürzen und Abschneiden der Stämme ging natürlich viel schneller, war aber durch das Gewicht auch sehr anstrengend!
1959 hatten wir dann die 1-Mann-Motorsäge, mussten sie aber privat kaufen, das bedeutete damals 10 Monatslöhne – das war sehr viel Geld!

Petra: Wenn wir schon von Geld sprechen…Wie viel habt ihr damals verdient?

WOLFGANG: Den Lohn für die Holzknecht-Partie verhandelte immer der Vorarbeiter. Ein Monatslohn waren ca. 1.000 Schilling. Als Werkzeugpauschale bekamen wir noch 15% dazu, wir mussten uns ja wie gesagt die Arbeitsgeräte, Fuhrschlitten und später die Maschinen selber kaufen. Zum Vergleich: die ÖBF bekam für den Festmeter etwa 400 Schilling.
Es war eine harte Arbeit, aber wir hatten auch viele schöne und lustige Zeiten bei der Holzarbeit!

Petra: Danke Wof für das sehr interessante Gespräch!

Während wir plauderten haben die anderen Holzknechte bereits mit der Beladung des Schlittens begonnen:

Die Begeisterung in ihren Augen ist nicht zu übersehen, als sie die Holzfuhre für das Bauernherbstfest fertig gestellt haben. Am Schluss präsentieren sie mir noch, wie man am Schlitten sitzt und sie früher die Fuhre im Winter ins Tal gebracht haben!

Großen Respekt gebührt den „alten Holzknechten“, die nach all den Jahren harter Holzarbeit nicht die Freude daran verloren haben und vor Lebensenergie strotzen!
Es scheint, dass die Arbeit im Wald und im Einklang der Natur ihnen Vitalität bis ins hohe Alter gegeben hat!

Was es bei der landesweiten Bauernherbst-Eröffnung alles zu sehen gibt:

Wie gesagt, wird der Umzug durch das Ortszentrum in die Themen Landwirtschaft und Forstwirtschaft aufgeteilt. Es werden verschiedenste Arbeitsgeräte und Techniken von einst und jetzt gezeigt. Wird sicher sehr interessant werden!

Ebenso wird für die kleinen Gäste ein Kinder-Platzl mit einem Kletterturm der Bergrettung Abtenau, einer Hüpfburg, einem Ballwurfspiel und einem kleinen Streichelzoo angeboten. Die Pfarrkirche Abtenau bietet ein tolles Rahmenprogramm: Impulsvorträge, Volksmusik, Orgelmusik, persönliche Gespräche zum Thema „Was glaubst denn du?“ und auch ein Gastauftritt des Poetry-Slamers „Lukas Wagner“. Im Festzelt der Landjugend Abtenau sorgt die Gruppe „Pongau Power“ für beste Unterhaltung!
Ich freue mich aber auch schon sehr auf den Genuss- und Handwerksmarkt regionaler Produzenten und Künstler sowie die vielen musikalischen und kulinarischen Leckerbissen.
Weitere Infos zur Bauernherbsteröffnung findet ihr in der Festbroschüre.

Na dann, bis bald zur Bauernherbsteröffnung!

Ich freue mich auf eure Bilder vom Bauernherbstfest auf Instagram und würde mich freuen, wenn ihr unsere Hashtags #visittennengau, #visitabtenau anführt und die Bilder mit @visittennengau und @visitabtenau markiert.

Die 23. offizielle landesweite Bauernherbsteröffnung findet im Zentrum von Abtenau statt:

HALLO! Mein Name ist Petra und ich komme aus dem sonnigen Abtenau im Lammertal. Seit November 2013 bin ich im Tourismusverband Abtenau tätig. Nach einigen Winter- und Sommersaisonen im Ausland und in verschiedenen Ortsteilen Österreichs hat es mich schlussendlich nach Hause zurück verschlagen. Weil´s daheim ja doch am Schönsten ist

2 Kommentare

  1. Toller Beitrag Petra! Auch dass die alten Ausdrücke erklärt werden, finde ich sehr lehrreich. Ich freue mich schon auf die Bauernherbst-Eröffnung

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