Skilehrer: Braungebrannt, cool drauf und für alles zu haben?

Skilehrer – Kaum einer anderen Berufsgruppe haftet ein solcher Mythos an: Den ganzen Tag nur Skifahren, abends Apres-Ski, lässig sein und begehrt. Ich habe daher einmal bei Florian Rettenegger, Teilhaber der Skischule freeride-alpin in Annaberg nachgefragt, wie das Skilehrerleben wirklich ausschaut.

Skifahren wie der Weltmeister

Bei der Donnerkogelbahn in Annaberg-Astauwinkel ist schon ordentlich was los. Große und kleine Wintersportler wollen in der Skischule, in der auch Skistar Marcel Hirscher seine ersten Schwünge gemacht hat, das Skifahren erlernen. Eine gut gelaunte Truppe Skilehrer ist bereits anwesend und erhält die letzten Instruktionen für den Tag.

Flo gibt die Listen für den Tag aus ©Sylvia Schober
Flo gibt die Listen für den Tag aus ©Sylvia Schober

Jetzt hat Florian Rettenegger, kurz Flo, Zeit, um mir ein paar Fragen rund um den Mythos Skilehrer zu beantworten.

Mythos Nr. 1 – Reicht es als Skilehrer, einfach gut drauf zu sein?

Müssen Skilehrer gut skifahren können, oder reicht der Schmäh aus?
Flo Rettenegger: “Ein gewisses Eigenkönnen ist auf jeden Fall Voraussetzung, denn du sollst ja den Schülern die Technik professionell vermitteln. Unsere Skilehrer haben alle eine gute Ausbildung über den Salzburger Berusschilehrer & Snowboardlehrer Verband absolviert.  Ich bin selber als Ausbildner tätig und achte darauf, den künftigen Skilehrern so viel wie möglich beizubringen.”

Ist der “Jagdschein” Teil der Ausbildung?
Da muss Flo erst einmal schmunzeln, aber er weiß sofort, was ich meine: “Zur Skihaserljagd? Natürlich darf der Spaß nicht zu kurz kommen. Und ein flotter Spruch erleichtert sicher den Zugang zur Gruppe. Aber es ist schon so, dass speziell die kleineren Skigebiete mit Qualität punkten müssen. Es kommt auf jeden Gast an.”

Was ist das Tolle am Job?
Man ist ständig an der frischen Luft. Die Berge und die Pisten vermitteln ein kleines Stückchen Freiheit. Außerdem arbeiten wir ja großteils mit Gästen. Das heißt also, die Leute sind meist gut drauf und in Urlaubsstimmung.”

Gefühl von Freiheit (c)freeride-alpin
Gefühl von Freiheit (c)freeride-alpin

Mythos Nr. 2 – Party ohne Ende

Und bei schlechtem Wetter geht es lieber in die Hütte?
Das war einmal so. Ich kann mich schon noch erinnern, dass früher bei heftigem Schneefall die Gruppe bei der Harreit Resi eingekehrt ist und dort “picken” blieb. Heute geht das nicht mehr. Die Leute wollen für ihr Geld auch Skifahren lernen. Außerdem gibt es das “schlechte Wetter” nicht. Dann sage ich zu meiner Gruppe: “Toll, heute haben wir sogar eine Pulverschneeabfahrt – und die Piste gehört uns allein.”

Apropos Hütte: Wo trifft man euch Skilehrer denn nach Dienstschluss?
Ganz klar: in der freeride-BAR am Kopfberg. Wenn eine Gruppe gut zusammenpasst, dann kommt es auch durchaus vor, dass wir gemeinsam mit unseren erwachsenen Schülern einkehren. Apres-Ski gehört schon auch dazu.”

Die freeride-Bar, wo sich alle treffen (c)freeride-alpin
Die freeride-Bar, wo sich alle treffen (c)freeride-alpin

Bei aller Professionalität – bahnt sich da in lockerer Runde nicht doch manchmal etwas Zwischenmenschliches an?
Da grinst der Flo verschmitzt und meint ganz gentlemanlike: “Das soll durchaus vorgekommen sein, davon hab ich schon gehört.”

Was sind denn grad die angesagtesen Apres-Ski-Hits?
Da frag ich lieber bei meiner Frau Sabrina nach, die weiß da besser Bescheid.” Nach kurzer Rücksprache erfahre ich, dass die Dauerbrenner der letzten Jahre gleich geblieben sind: “Skifoarn von Wolferl Ambros ist natürlich immer bei den Tophits dabei. Außerdem Helene Fischer, den Text von “Atemlos” kennt doch auch jeder. Und natürlich “Ich und mein Holz”. Naja, da musst was dazu trinken.”

Mythos Nr. 3 – Die Sache mit der Pizza auf der Piste

Ist Pizza die Lieblingsspeise der Skilehrer?
Der Klassiker sind wohl immer noch die Berner Würstel – und ein Skiwasser dazu! Damit kommen wir gut durch den Winter“, lacht Flo, “aber ich weiß schon, worauf du hinauswillst: Die “Pizzaschnitte” ist eine Skistellung, mit der man Kids den Schneepflug leicht verständlich vermittelt.”

Ist ein Kinderskikurs auch ein Kinderspiel?
Im Gegenteil! Am Ende des Tages spürst du genau, was du gemacht hast. Eine Kindergruppe braucht ständig deine 100prozentige Aufmerksamkeit. Rauf in Skiern neben dem Zauberteppich, rückwärts runter und nie die Kids aus den Augen lassen. Im Kinderland bringen wir da schon einige Kilometer zusammen! Und wenn eins der Kinder auf die Toilette muss, dann muss sicher die halbe Mannschaft auch. Dann geht es raus aus dem Skianzug und wieder rein, bis alle wieder fertig sind. Aber es ist toll, wenn man täglich ihre Fortschritte sieht und wie stolz sie selber darauf sind.”

Müssen Skilehrer Windeln wechseln können?
Nein, denn die ganz Kleinen ab einem Jahr sind bei uns in Fuxi´s Kinderclub gut aufgehoben. Dort werden sie betreut, wenn die Eltern und Geschwister skifahren oder selber im Skikurs sind. Auf der Piste geht es los, wenn sie ein bisschen älter sind. Wir sprechen das individuell ab, wann es passt.”

Mythos Nr. 4 – Die Sache mit Fuxi, dem Maskottchen

Achtung, jetzt müssen wir gaaanz stark sein. Leute mit schwachen Nerven und Kinder sollten besser diesen Absatz überspringen. Fuxi, das lustige Maskottchen ist nämlich in Wirklichkeit gar kein ganz so echter Fuchs! Anfangs versucht mich Flo noch hinters Licht zu führen: “Der Fuxi ist schon aus seinem Sommerschlaf erwacht und tummelt sich meist im Kinderland.” Wie schön! Als die Fragen rund um das Maskottchen aber drängender werden, gesteht er: “Der Fuxi ist ein verkleideter Skilehrer. Jetzt, bei diesen Temperaturen ist es noch erträglich, das warme Kostüm zu tragen, aber besonders im März beim Sonnenskilauf, kann es ganz schön heiß darunter werden.” Und welcher der Skilehrer macht uns den Fuxi? “Freiwillig meldet sich eher niemand“, lacht Flo, “meist erwischt es jemand zur Strafe, wenn er oder sie zu spät zum Dienst erscheint. Wir haben ziemlich pünktliche Skilehrer!”

Mythos Nr. 5 – Im Sommer ist Pause

Für alle, die mit dem Gedanken spielen, einmal selber vielleicht eine Saison als Skilehrer zu arbeiten: Verdient man dabei so gut, dass man im Sommer nichts tun muss?
Jetzt muss Flo lachen: “Tja, schön wär´s! Das geht sich zwar nicht aus, aber besonders für Studenten ist es immer noch ein sehr lukrativer Job in den Ferien.”

Um zum Schluss doch noch ein gängiges Klischee zu bedienen: Küssen Skilehrer besser?
Flo hat wieder diesen verschmitzten Grinser im Gesicht und meint ganz cool in perfekter Skilehrermanier: “In allem, was du oft und gerne machst, bist du gut: Erfahrung macht den Meister, also ja!

Aufgedeckt! Skilehrer plaudern aus dem Nähkästchen (c)Sylvia Schober
Aufgedeckt! Skilehrer plaudern aus dem Nähkästchen (c)Sylvia Schober

Die Skischule freeride-alpin bietet vom Anfängerkurs bis zum personal Training für jeden alpinen Wintersportler professionelle Unterstützung an. Neben Rundum-Skiservice erhält man außerdem direkt vor Ort das beste (Verleih)Material unter fachmännischer Beratung. Schaut doch einmal vorbei!

Hier geht´s zur Skischule Freeride Alpin:

Sylvia
Aufgewachsen im Salzburger Land, hat es mich in meiner Jugend vorerst in die weite Welt gezogen. Nach Aufenthalten in London, Rom und der Türkei zog es mich wieder in die Heimat zurück. Ich denke, gerade den Erfahrungen und Erlebnissen aus dieser Zeit, verdanke ich nun den Blick für die wundervollen Plätze, Traditionen und Eigenheiten, die es auch daheim gibt und über die ich gerne im Blog berichte.
Der Spruch “dort wohnen, wo andere Urlaub machen”, trifft voll auf mich zu. Wann immer es geht, zieht es mich in die Natur. Dabei muss es für mich keine hochalpine Tour sein, eine gemütliche Wanderung auf eine der vielen bewirtschafteten Almen in unserer Region genügt oft aus, um den Blick weit schweifen zu lassen, um dann wieder zu mir selber zurück zu finden.
Im Winter teile ich die Leidenschaft Skifahren mit dem aktuell besten Skifahrer der Welt, wenn ich auch nicht so professionell über die Pisten der Skiregion Dachstein-West düse, wie er. Marcel Hirscher aus Annaberg hat es geschafft, fünfmal in Folge den Gesamtweltcupsieg zu erringen und ich bin stolz auf den wohl berühmtesten Sohn des Ortes.

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