Vogelgezwitscher, würzige Waldluft und ein Knacken im Unterholz: Waldbaden bedeutet in den Wald eintauchen. Im Tennengau laden zu diesem besonderen Bad unter anderem der Lammertaler Urwald, die Auwälder entlang der Lammer und der Salzach sowie zahlreiche Bergwälder ein.

Bei meinem Bad im Wald nehme ich kein Handtuch und auch keinen Bikini mit. Vielmehr tauche ich ohne Gebäck in die Waldluft ein und freue mich über den würzigen Duft, die Bäume, Käfer und Ameisen. Schon beim Betreten hört das Gedankenkarussell in meinem Kopf auf sich zu drehen und ich bin ganz im Hier und Jetzt. Das hat einen wunderbaren Effekt auf den Körper, den Geist und die Seele. Beim Waldbaden zählt nicht die zurückgelegte Strecke, sondern das langsame und achtsame Bewegen durch die Natur. In der Stille gelingt es mir meist alle Sinne zu öffnen und in den Moment einzutauchen.

Blick in den Himmel

Die wohltuende Wirkung eines Spazierganges im Wald ist vor allem durch japanische Forscher wissenschaftlich belegt. Sie nannten ihre Arbeit Shinrin-Yoku. Das bedeutet übersetzt Waldbaden. Seit den 1980er Jahren ist diese Methode in der Gesundheitsvorsorge in Japan verbreitet. In wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass die belebende und zugleich beruhigende Waldatmosphäre und die in der Luft enthaltenen Stoffe wie Terpene (sekundäre Pflanzenstoffe) einen positiven Einfluss auf unsere Körperfunktionen und auf unseren Geist haben.

Über Stock und Stein wandern
Am liebsten gehe ich auf schmalen Waldwegen über Wurzeln, Stock und Stein. Wenn ein Specht trommelt, ein Buchfink zwitschert oder Bienen summen, bleibe ich stehen und lausche. Oft berühre ich auch die raue Rinde einer Fichte oder die moosig-weiche Stelle auf einem Stein. Immer wieder halte ich an und sauge die würzige Luft tief ein.

Pilze auf einem Baumstamm

Terpene spielen nicht nur für uns Menschen eine wichtige Rolle, sondern auch im Sozialleben der Pflanzen. Während wir telefonieren, twittern oder ein Whats App verschicken, verwenden Bäume, Sträucher und Kräuter chemische “Wörter” – die so genannten Botenstoffe. Diese informieren die Waldgemeinschaft zum Beispiel über ankommende Schädlinge. So können alle Pflanzen des Waldes ihre Immunsysteme hochfahren und sich mit vereinten Kräften gegen die ungebetenen Besucher schützen.
Der österreichische Biologe und Bestseller-Autor Clemens G. Arvay in seinem Buch „Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald“ über die positiven Auswirkungen: „Unser Immunsystem kommuniziert mit dem Wald! Wir können Terpene entschlüsseln. Der Wald vergrößert nicht nur die Anzahl von wichtigen Abwehrzellen in unserem Körper, er macht sie auch aktiver.” Ein Tag im Wald könne zu einem 40-prozentigen Anstieg natürlicher Killerzellen im Blut, zwei Tage sogar zu einer Steigerung um 50 Prozent führen. Wer mindestens zwei volle Tage pro Monat in einem Waldgebiet verbringt, könne sogar mit einer dauerhaft positiven Wirkung auf das Immunsystem rechnen, wobei die Regelmäßigkeit der Waldbesuche ein sehr wichtiger Faktor sei.

Waldbaden mit Heidelbeeren und Nadelbäumen

Der Duft des Waldes verändert sich
Je nach Höhenlage, Wetter und Jahreszeit duftet der Wald im Tennengau anders. Zudem wechselt er regelmäßig sein Kleid und seine Lieder: Im Frühling pfeifen die Vögel jedem etwas der vorbeikommt, Veilchen blühen und Schlüsselblumen recken ihre gelben Köpfchen in die Sonne. Die Laubbäume hüllen sich in zartes Grün. Im Sommer dringen nur da und dort Sonnenstrahlen auf den Waldboden. Buchen und Ahorne breiten ihr Blätterdach aus, Spechte trommeln Maden aus den Stämmen und Bienen summen in den Baumkronen. Wenn die Sonne heiß vom Himmel brennt, zieht es mich noch öfter in den Wald, denn hier ist es schattig und kühl. Auch der Gehalt von Terpenen ist im Sommer am höchsten. Bei feuchtem Wetter, nach Regen und bei Nebel befinden sich ebenfalls besonders viele Terpene in der Waldluft.

Wald im Nebel

Im Herbst, wenn sich das Laub bunt färbt, riecht es vor allem nach Pilzen und abgefallenem Blättern. Vögel und Eichhörnchen haben es eilig. Sie sammeln emsig Beeren und Nüsse. Im Winter wird es still im Wald. Nur mehr hie und da krächzt ein Rabe.

Waldbaden bei freiem Eintritt
Jede unserer Jahreszeiten eignet sich zum Waldbaden. Die Wälder stehen Einheimischen und Gästen gleichermaßen bei freiem Eintritt offen. Wer möchte bleibt bei seinem Aufenthalt im Wald immer wieder an einem ruhigen Ort stehen und macht Atemübungen aus dem Yoga, Wyda oder Qi Gong. Diese Übungen unterstützen die Aufnahme der gesunden Waldluft noch mehr, stärken und entspannen. Zudem lassen sie den Geist zur Ruhe kommen und helfen dabei alle Sinne zu öffnen. Nach einem ausgiebigen Waldbad laden die vielen gemütlichen Gastgärten, Cafés und Restaurants zum Verweilen und Genießen ein.

 

Fotos: © Christine Fröschl

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